Deutsche Übersetzung von Isabel Bogdan,Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit. Ich halte das Buch für äußerst empfehlenswert, worin mich schon die amüsante Reaktion vieler Leute bestärkt, die meinen, das Buch partout nicht lesen zu wollen. Weil sie solche Angst haben, hinterher über Ihr Kotelett nachdenken zu müssen. So etwas auszusprechen, sich auch noch daran zu halten und dennoch für einen intelligenten Menschen zu halten, das ist schon nicht ganz ohne Komik.

Ansonsten ziehe ich es allerdings vor, mich da herauszuhalten. Ich habe am Anfang des Jahres ein wenig über meine Versuche geschrieben, die Ernährung auf vegetarische Küche umzustellen und habe es ziemlich schnell wieder gelassen. Ernährung gehört zu den Themen, die in Deutschland grundsätzlich humorlos besprochen werden müssen, gerne fanatisch, radikal und fundamentalistisch – alles nicht meine Welt. Wenn ich solche Diskussionen möchte, dann schreibe ich über die Dummheit der Impfgegner oder der Homöopathie-Fans, über Modelle zur Abschaffung des privaten Autobesitzes oder ähnliche brüllend komische Bereiche. Und dann warte ich gelassen ab, bis sich die ersten Kommentatoren gegenseitig umbringen. Nein, danke.

Es gibt aber dennoch etwas Bemerkenswertes zu dem Buch zu erzählen, ganz ohne auf den Inhalt einzugehen, den man allerdings gelesen haben sollte, wie ich noch einmal am Rande erwähnen möchte. Die Buchstaben des Titels bestehen nämlich aus Tieren, aus kleinen schwarzen Schweinen, Kühen, Enten, Hühnern, Schafen. Das sieht man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht, es sei denn, man ist ein Kleinkind. Dann fällt so etwas natürlich sofort auf und Sohn I fragte mich dann auch: „Wieso sind da Tiere drauf?“ Und keine Sorge, es geht nicht darum, dass ihm nach meiner erklärenden Antwort die geschlachteten Tiere so schrecklich leidgetan hätten, kein Gedanke. Kleinkinder sind brutal und hart im Nehmen. Nein, der Sohn dachte nicht über das Schicksal der Tiere nach, sondern über ihre Anordnung auf dem Schutzumschlag des Buches. „Das sind Buchstaben, oder? Die Tiere sind die Buchstaben, so wie sie da stehen, ja?“

Genau. Und er wusste auch, was für Buchstaben das waren. Ein E, das kannte er aus dem Fahrstuhl, E wie Erdgeschoß. Ein S wie Schlange, das war ganz einfach, und das da hinten war ein N oder ein M, die sehen sich aber auch wirklich verdammt ähnlich. „E S S E N“ buchstabierte er. „Genau“, sagte ich und wiederholte die Laute der Buchstaben, „und zusammen ist das dann was?“ „Essen“, sagte der Sohn und sah mich verblüfft an. “Das hab ich jetzt gelesen, oder? Oder?“

Und dann haben wir zusammen auch noch das Wort „Tiere“ gelesen, was natürlich ein wenig schwieriger war aber auch ganz gut ging, und dann habe ich ihm erklärt, dass der Autor des Buches leider wirklich einen ziemlich blöden Namen hat, wenn man gerade erst Lesen lernt. „Tiere essen“, sagte der Sohn grinsend und sehr begeistert, „das hab ich jetzt gelesen. War gar nicht schwer.“ Er warf einen Blick auf das große Bücherregal und hatte die erste, die allererste Ahnung in seinem Leben, dass das alles eines Tages ihm gehören würde. Zweifellos ein großer Moment.

Und dann fragte er nach einem Wurstbrot.

Das macht der durchschnittliche Leser vermutlich übrigens nicht, wenn er gerade „Tiere essen“ gelesen hat.


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