Sohn II kramt in Opas Werkstatt, einem der besten Plätze auf der Welt, denn hier darf er ganz allein mit dem großen Werkzeugsortiment machen, was immer möchte. Wir gehen nur nachsehen, wenn er nach Fehlgriffen sehr laut schreit, ansonsten baut er vor sich hin, sägt, hämmert, nagelt, bohrt, es ist eine Art Paradies für ihn. Schließlich kommt er wieder heraus, spinnwebbedeckt und sehr dreckig, er hat lange in allen Ecken und Kisten nach etwas gesucht und es endlich gefunden. Die Spielzeugkettensäge, die so infernalische Geräusche von sich gibt und deswegen regelmäßig von irgendeinem entnervten Erwachsenen  im hintersten Winkel versteckt wird. Das beste Spielzeug überhaupt. Sohn II geht über den Hof, breitbeinig, entschlossen, man sieht gleich, dass ein Heldenauftritt unmittelbar bevorsteht.

In die untergehende Sonne geht er, und die Kettensäge schleift dabei ein wenig über den Boden und wirbelt Staub auf. Unwillkürlich denkt man an Django und hat sofort den entsprechenden Soundtrack aus Italo-Western im Kopf. Sohn II ist barfuß, aber seine Füße sind so schwarz, dass man auf den ersten Blick meinen könnte, er hätte Schuhe an. Er schiebt die Schirmmütze höher in die Stirn und bleibt dann vor dem Maisfeld stehen. Fasst die Kettensäge fester, stemmt die andere Hand in die Hüfte, besinnt sich etwas vor der Front. Der Mais ist ungefähr dreimal so hoch wie er, er wirft einen beeindruckenden tiefschwarzen Schatten vor dem Sonnenuntergang. Eine gewaltige Maisarmee, endlose Reihenstehen da stramm.  Sohn II legt den Kopf in den Nacken und guckt an den Stangen nach oben, die sind wirklich verdammt hoch. Er guckt nach links und nach rechts am Acker entlang, das Maisfeld ist riesig, kein Ende zu sehen. Wenn er es zu Fuß umrunden wollte, er wäre vermutlich stundenlang unterwegs. Tausende und Abertausende von Stangen, alle schon dick wie seine Arme, dicht an dicht.

Sohn II zieht sich die Ärmel hoch, und dreht sich langsam zu den Erwachsenen um, die ganz da hinten auf dem Hof sitzen und ihm aus der Ferne zusehen. Er winkt lässig, drückt den Knopf, mit dem der Spielzeugkettensägenlärm beginnt und brüllt laut über das Rattern hinweg:

„Ich fang hier vorne an!“

 


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