Morgens in der S-Bahn, ich setze mich hin und hole mein Handy aus der Hosentasche. Der junge Mann neben mir starrt auf sein iPhone, der gegenüber liest grinsend auf einem Kindle, daneben ein Mädchen mit einem HTC-Handy, eingestöpselte Kopfhörer. Auf der anderen Seite neben mir klappt jemand gerade sein Notebook auf, irgendein ultraflaches Modell. Alles ganz normal, alles wie an jedem Tag. Mit dem Jahr 2012 stellen die Smartphones etc. endgültig klar die Mehrheit im öffentlichen Nahverkehr, die Zeitung wird mit jedem Monat deutlich seltener. Das gedruckte Buch sowieso. Nach dem nächsten Weihnachtsfest wird wohl alle Welt einen Ebook-Reader haben, dann wird sich das noch einmal verschärfen.

Die ältere Dame, die dem Notebook gegenüber sitzt, sie tippt ebenfalls auf einem Gerät herum, ich sehe es aus dem Augenwinkel, während ich Mails lese. Ihr Gerät ist flach, fast ähnlich wie ein Handy, aber es hat eine seltsam erhabene, blaugefärbte Tastatur, und auch das Format ist irgendwie anders. Da ist nichts aufgeklappt, aber es wirkt doch etwas klobig. Das Display scheint seltsam klein, ich sehe irritiert etwas genauer hin. Und genau das macht auch der mit dem Notebook gerade, und das machen auch der junge Mann mit dem iPhone, das Mädchen mit dem HTC-Handy und der mit dem Kindle. Sehen alle für einen Sekundenbruchteil länger als normal zu dieser anderen Passagierin mit dem komischen Ding, die, als sie all die Blicke spürt,  etwas genervt aufsieht, ihr obskures Gerät hochhält und laut sagt: „Ja, mein Gott, es ist ein Taschenrechner! Ich rechne nur mal eben was aus. Lesen sie doch bitte ruhig weiter.“


%d Bloggern gefällt das: