Ich zitiere mal eben ein paar Zeilen aus „Oblomow“ von Iwan Gontscharow, Übersetzung von Josef Hahn:

„Auch im Haus herrschte Totenstille. Es war die Zeit des allgemeinen Schlafes nach dem Mittagessen gekommen. Der Knabe sah, wie sich alle – Vater, Mutter, die alte Tante und die gesamte Suite – in ihren Winkel zurückzogen; und von denen, die keinen solchen hatten, ging einer auf den Heuboden, ein anderer in den Garten, ein dritter suchte Kühle im Flur, und ein anderer bedeckte das Gesicht mit einem Taschentuch, um vor den Fliegen sicher zu sein, und schlief dort ein, wo ihn die Hitze erschöpft und das ausladende Mahl niedergeworfen hatte. Auch der Gärtner streckte sich unter einem Strauch neben seiner Harke aus, und der Kutscher schlief im Stall.

Ilja Iljitsch warf einen Blick in die Gesindestube, dort lagen alle auf der Ofenbank, auf den Bänken, auf dem Fußboden und im Flur, während die Kinder sich selbst überlassen waren; die Kinder krochen auf dem Hof herum und spielten im Sand. Auch die Hunde hatten sich tief in ihren Hütten versteckt, da sie niemanden anzubellen hatten.

Man hätte durch das ganze Haus gehen können, ohne einer Menschenseele zu begegnen; man hätte mit Leichtigkeit alles ringsumher stehlen und auf Fuhrwerken vom Hof transportieren können: niemand hätte einen daran gehindert, wenn es nur Diebe in der Gegend gegeben hätte.
Es war ein alles verschlingender, durch nichts zu besiegender Schlaf, ein wahrhaftiges Abbild des Todes. Alle lagen wie gestorben da, nur aus den Winkeln drang ein vielstimmiges Schnarchen, in allen Tonarten und Stimmlagen.

Ganz ausnahmsweise hob jemand im Schlaf den Kopf, schaute verständnislos und erstaunt nach rechts und links, warf sich auf die andere Seite oder spuckte, ohne die Augen zu öffnen, aus und schmatzte mit den Lippen oder murmelte in seinen Bart und schlief wieder ein.

Ein anderer hingegen sprang, ohne alle einleitenden Vorbereitungen, mit beiden Beinen von seinem Lager hoch, als ob er fürchtete, wertvolle Minuten zu verlieren, packte den Kwaßkrug, blies die obenauf schwimmenden Fliegen an den anderen Rand – worauf diese, in der Hoffnung, ihre Lage verbessern zu können, sich energisch zu rühren anfingen -, netzte seine Kehle und ließ sich wieder, wie erschossen, auf sein Bett fallen.

Der Knabe beobachtete alles sehr aufmerksam.“

(Ein wunderbares Buch)

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