Sohn I ist schon vor einer Weile dazu übergegangen, Fragen von mir, die ihm lästig sind, in äußerster Knappheit zu beantworten, nämlich mit nur einem einzigen Wort: „Wegen.“

Ich: „Warum hast ist das Kinderzimmer nicht aufgräumt?“

Sohn I: „Wegen.“

Der Dialog endet an dieser Stelle, zumindest aus seiner Sicht. Das Kind wendet sich ab, alles Nötige ist gesagt, und zwar in gebotener Ausführlichkeit. Aus meiner Sicht kann man das Gespräch allerdings gerne noch etwas fortführen, das bringt dann aber meist wenig.

Ich: „Wegen was denn?“

Sohn I: „Wegen wegen.“

Es ist hoffnungslos, aber es ist natürlich, wie überhaupt alles, nur eine Phase.  Irgendwann zwischen dem Jetzt und der Pubertät wird er vermutlich wieder gesprächiger werden, ich warte das gelassen ab.

Sohn II, ganz typisch kleiner Bruder, trachtet stets danach, den großen Bruder einzuholen oder gar zu überflügeln. Er hat die rhetorische Kunst seines Vorbilds also sofort übernommen und noch effizienter gemacht, indem er einfach eine weitere Silbe eingespart hat.

Ich: „Warum ist hier alles voller Milch?

Sohn II: „Weil.“

Nun lehrt die Kriegskunst, dass man, wenn der Gegner mit neuen Waffen kommt, diese übernehmen sollte, denn vielleicht bringen sie einen selbst auch entscheidend weiter. Ich habe gestern die Mails eines Kollegen, der mir eine endlos komplizierte Frage über fünf Absätze hinweg mailte, von der ich nur die Hälfte verstanden habe, jedenfalls ging es um die Frage, warum man einen bestimmten Prozess in der Firma nicht endlich ändern könne, also einfach mit einem Wort beantwortet: „Wegen.“ Und der Kollege schrieb nach fünf Minuten zurück: „Okay, habe ich mir gedacht. Alles klar.“ Die nächste Mail, in der mich jemand bat, ihm zu erklären, warum ein bestimmtes Programm auf seinem Rechner nicht so funktionierte, wie es sollte, konterte ich mit einem eleganten: „Weil.“ Und prompt kam als Reaktion: „Dann starte ich mal neu.“

Fragen Sie sich eigentlich auch, warum fast alles im Leben immer so kompliziert ist, so langwierig, umständlich und nervtötend, so wenig lösungsorientiert und zäh? Ich kann Ihnen sagen, warum das so ist. Es ist wirklich ganz einfach.

Wegen.


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