Der Hamburger Hauptbahnhof ist der meistfrequentierte Personenbahnhof in Deutschland. Wenn ich morgens von da aus mit der S-Bahn zur Arbeit fahre, dann sehe ich da eine ziemliche Menge Mensch. Würde man den Bahnhof am frühen Morgen aus einem Hubschrauber filmen, er sähe aus wie ein Magnet, der aus den umliegenden Straßen Menschen ansaugt, ein endloser Strom von Werktätigen, die ins Büro, in einen Laden, auf eine Baustelle, in eine Arztpraxis oder Gott weiß wohin fahren. In aller Regel sehen diese Menschen erbärmlich schlecht gelaunt aus, nehmen keinen Kontakt zu anderen auf, haben es eilig und viele von ihnen essen oder trinken im Gehen. Hektisches Abbeißen im Laufschritt, einen Schritt Pause für einen Schluck Kaffee.

Ein korpulenter alter Mann in heruntergekommener Kleidung steht neben dem Strom der Passanten, eine Pulle Bier in der Hand, eine Zigarette in der anderen. Er lehnt gemütlich an einen Pfeiler und ruft ab und zu etwas, wobei er freundlich in die Menge winkt. Laut und lachend ruft er und ich verstehe, was er da von sich gibt, als ich näher komme: „Ich bin nicht wie ihr! Hört ihr, ich bin nicht wie ihr! Nein! Nicht wie ihr! Ich bin noch bekloppter!“

Es ist eine reine Frage der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Man muss nur genug Menschen zusammen betrachten, dann ist irgendwann ein gut gelauntes Exemplar dabei.


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