Wenn die Regierung ein Gesetz erließe, das die Auswahl der Jacken in Deutschland reglementierte, ein Bundesoberbekleidungsnormgesetz, kurz BONG, dann ginge sicher ein Aufschrei der Empörung durchs Land. Man stelle sich einmal vor, das Gesetz würde festlegen, dass es künftig nur noch 4 Jackenformen gäbe, alle aus demselben Material, mit und ohne Futter, mit und ohne Kapuze, und diese in je 3 Farben, denn mehr würde ja kein Mensch brauchen und zu viel Auswahl würde die Verbraucher nur grundlos verwirren – man kann sich vorstellen, was die Medien dann schlagzeilen würden: „Regierung steckt Volk in Uniform“, Planwirtschaft wiederbelebt“, „Zwangsklamotten für alle!“

Die Menschen würden sich fragen, ob sie für diese lächerliche Auswahl denn damals die DDR überwunden haben, und sehr schnell würden Menschen darauf kommen, Mode nur noch im Ausland zu kaufen. Entlang der deutschen Grenze würden tausende neuer Läden aufmachen, es gäbe eine ganz neue Schmuggelkultur. Frauen würden wieder mehr stricken und häkeln und mancher Mann würde heimlich im Keller filzen und nähen. Die Leute würden die seltsamsten Sachen tragen, nur um sich dem Gesetz zu widersetzen. Das Straßenbild wäre bunter als es jemals war und die Polizei würde nicht hinterherkommen, genug Verwarnungen auszusprechen und Strafgelder zu verhängen, um den modischen Volksaufstand in den Griff zu bekommen.

So ein Gesetz hätte vermutlich nur äußerst geringe Chancen, jemals umgesetzt zu werden. Da würde die Demokratie endlich Muskeln zeigen, die Menschen würden mit regelwidriger Bekleidung auf die Barrikaden steigen. Nein, BONG hätte wirklich gar keine Chance, den Menschen ihre Jacken vorzuschreiben.

Wenn man aber genug Filialen der großen Marken sogenannter Outdoor-Mode aufmacht – dann normt sich die Jackenmode im Land ganz ohne Gesetz in der beschriebenen Weise von selbst. Einfach so. Faszinierend.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung


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