Wenn die Herzdame und ich die Bilder unserer Hochzeit vor gefühlten hundert Jahren ansehen, dann fällt uns nicht nur auf, dass wir beide auf den Bildern wesentlich jünger aussehen als heute und dass das superniedliche kleine Blumenmädchen von damals mittlerweile fast erwachsen ist, nein, wir stellen dann auch immer wieder fest, wie viele der Paare auf der Party , die auf den Fotos noch glücklich Arm in Arm in die Kamera lächeln, heute gar nicht mehr zusammen sind. Zerstritten, getrennt, einander weggelaufen, durchgebrannt, geschieden, auseinandergedriftet, auseinandergelebt. Eine ist abgehauen, eine wurde sitzengelassen, einer hat sich aus dem Staub gemacht, einer hat etwas Besseres gefunden. Alle denkbaren Varianten, bekannt aus Funk und Fernsehen. Manche sind mittlerweile schon in der dritten oder vierten neuen Beziehung angekommen, bei manchen waren wir schon auf zwei Hochzeiten. Das Praktische daran ist, dass man seinen Bekanntenkreis irgendwann nicht mehr aktiv vergrößern muss, durch das fortgesetzte Patchworking der sich neu gruppierenden Freunde aus dem Bestand lernt man sowieso dauernd neue Leute kennen.  “Das ist Klaus, den bringe ich jetzt öfter mit.”  “Ah, okay. Hallo Klaus.”

Wir sind tatsächlich eines der wenigen Paare, die aus diesem Kreis der Feier von damals noch zusammen ist. Und auch wenn wir das Thema nicht an der Hochzeit festmachen, sondern in ganz anderen Zusammenhhängen zurückdenken, etwa in Bezug auf die Kollegen in den Büros oder im familiären Kontext oder wie auch immer – überall sehr, sehr  viele Trennungen. Manchmal überlegen wir minutenlang, bis uns ein Paar aus alter Zeit einfällt, das noch immer zusammen ist.  Da kann man schon einmal nachdenklich werden.

Ich: “Aber ist unsere Beziehung denn wirklich so viel besser als die der anderen?”
Herzdame: “Nein. Wir sind nur leidensfähiger.”
Ich: “Ich Dich auch, Schatz.”


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