Sohn II wirft sich, wenn er meint, bei etwas zu kurz zu kommen, was altersbedingt bemerkenswert oft der Fall ist, auf den Boden und brüllt dabei aus Leibeskräften immer wieder: “Das ist so ungefähr!” Das klingt einigermaßen sinnlos, ist es aber gar nicht, wenn man es nur richtig versteht. Die Formulierung ist nämlich das ziemlich durchdachte Ergebnis einer sprachlichen Bastelarbeit und vereint und steigert dadurch die Begriffe “unfair” und “ungerecht”, es heißt also eigentlich “ungefair”, worauf man aber erst einmal kommen muss, denn das hört man leider nicht.

Wenn man das Wort zum ersten Mal hört, dann kommt man also nicht sofort darauf, was tatsächlich gemeint ist. Weswegen Sohn I, der vorhin desinteressiert an dem wieder einmal auf dem Boden strampelnden Bruder vorbeiging, nebenher korrigierend sagte: “Es heißt ungefährlich, du Doofmann. Nicht ungefähr.” Sohn II, gewohnt von seinem Bruder zu lernen, brüllte prompt “Das ist ungefährlich” weiter, korrigierte sich dann aber nach zwei, drei Rufen. Denn es ging ja um ihn und wie man ihn in dieser ungeheuerlichen Familie behandelte, und nicht um die Sache als solche, daher stimmte etwas mit dem Satzbau so nicht, das kam ihm komisch vor, er stockte einen Moment. Und dann wechselte er zu einem immer noch zornesrot gegeiferten “Ich bin so ungefährlich!”

Als nächstes bringen wir ihm dann bei, den Satz durch ein ebenso bestimmtes “Ich will  nur spielen!” zu ergänzen – und schon hat er trotz gelegentlicher Wutanfälle beste Aussichten auf ein friedliches Sozialleben. Erziehung kann so einfach sein.


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