Die Herzdame geht jetzt zum Swingtanzen. Natürlich ohne mich, denn ich habe Rücken. Und wenn ich nicht Rücken hätte, hätte ich etwas anders, denn ich weiß ganz gut, wie gefährlich der Tanzsport für Beziehungen ist. Nämlich brandgefährlich, ich habe da langjährige Erfahrungen mit mehreren Frauen sammeln müssen. Pardon, sammeln dürfen wollte ich natürlich sagen. Also sucht sich die Herzdame jetzt einen anderen Tanzpartner, bisher leider vergeblich.

Und sie wundert sich, dass sie keinen findet. Die anderen Männer können nämlich alle nicht tanzen. Sie können nicht führen und nicht drehen, sagt sie. Sie haben keinen Rhythmus, sie haben keine Hüfte. Quasi wie ich. Es ist ein Elend. Sie sitzt zuhause und jammert über die Männerwelt. Und da habe ich ihr einen aufrichtigen, herzensguten und grundehrlichen Hinweis gegeben, denn Ehrlichkeit ist wahnsinnig wichtig in Beziehungen. Wer Beziehungen führen möchte, der sollte unbedingt ehrlich sein. Das hört man immer wieder, nicht wahr? Und aus Gründen, die wir hier nicht näher erörtern wollen, wird die Ehrlichkeit eher dem Mann abverlangt, wie ein Blick in jede beliebige Sammlung von Kontaktanzeigen beweist. Wenn man als Mann eine Frau kennenlernt, dann kann man schlecht sagen: „Ach ja, Ehrlichkeit. Weißt Du, ich neige ja eigentlich mehr zu Notlügen, Ausflüchten und Charme.“ Das kommt nicht gut an, das mögen die Damen nicht, mit der Haltung kann man auch gleich solo bleiben.

Ich habe mit der Herzdame über die immer wieder versagenden Tanzpartner gesprochen und nur gesagt: „Das könnte ja auch an dir liegen, Schatz.“ Und nach diesem Satz habe ich zwei Sachen gelernt. Erstens, das mit der Ehrlichkeit in Beziehungen wird stark überschätzt. Zweitens, der Tanzsport ist selbst dann gefährlich für Beziehungen, wenn man gar nicht mitmacht.

(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

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