Der April ist nahezu vorbei, mehr Bücher werden nicht mehr dazukommen.

Joseph Roth: Kapuzinergruft. Joseph Roth schafft das wirklich erstaunliche Kunstsück, den Verlust des alten Österreichs so zu beschreiben, dass man als Norddeutscher ohne jeden regionalen oder zeitliche Bezug geradezu ergriffen wird von dem Schmerz um das untergegangene k.u.k.-Märchenland. Obwohl er niemals an den Problemem des Habsburgerreichs vorbeischreibt, obwohl er nichts beschönigt, obwohl der Untergang in all seinen Büchern als genau so unvermeidlich erscheint, wie er nun einmal war. Wobei mir gerade auffällt, dass in diesem Blog jetzt in sehr kurzer Zeit zweimal die Habsburger erwähnt wurden.  Ein Zeichen, ein Zeichen. Nur wofür? Vielleicht sollte ich mal nach Wien reisen? Man kommt zu nix.

Françoise Sagan: Lieben Sie Brahms? Deutsch von Helga Treichl. Ein wunderbarer Anfang, leicht, intelligent, elegant, präzise, die Sagan muss man wirklich beneiden um ihr Ausdrucksvermögen. Auf wie wenig Seiten da ein komplexes und eher schwieriges Beziehungsgefüge zwischen drei Menschen dargestellt wird, davor muss man einfach Respekt haben. Und große, wirklich große Lust, das schnell weiterzulesen, die ersten fünfzig Seiten konsumiert man praktisch in einem Atemzug, so schön ist das. Allerdings habe ich das Buch in der Männerumkleide beim Kinderschwimmen vergessen, das liest jetzt also womöglich ein anderer Vater weiter, denn da liegt es nun leider nicht mehr. Und der andere Mann hat jetzt natürlich längst in das Buch hineingesehen, wenn man schon einmal ein Buch findet, dann will es einem ja vielleicht etwas sagen. Er denkt jetzt womöglich beim Lesen über seine eigene Beziehung nach, und auch über diese andere Frau da, mit der er neulich mal gesprochen hat. Und wie er damals mit der X, ach, auch schon lange her. Oder er fragt sich, ob seine Frau vielleicht auch? Kann das denn eigentlich sein? Er wird das Buch abends im Bett lesen und irgendwann hochsehen und einen Blick auf seine Frau werfen, den diese nicht recht deuten kann und sie wird fragen, was los ist und was er da eigentlich liest und wo er das Buch her hat. Und er wird sagen, ach nichts, und dass Buch, na, neulich gefunden, beim Kinderschwimmen. Ach? Gefunden? Das wird sie fragen. Und sie wird auch fragen, worum es da geht und er wird einen Moment nachdenken und dann sagen Beziehungen, offene Beziehungen.  Und sie wird sich etwas dabei denken und dann noch mehr denken und schlecht schlafen in dieser Nacht. Man weiß ja nie was man so anrichtet, mit vergessenen Büchern, alles hat Folgen. Tut mir auch leid.

Theodor Fontane: Ellernklipp. Eines der unbekannteren Fontane-Werke. Nicht verfilmt, wenig zitiert, auf keinem Lehrplan. Eine dramatische und natürlich schlecht ausgehende Geschichte im Harz, Vater und Sohn lieben das gleiche Mädchen, ein Adoptivkind in der Familie. Die Geschichte ist mir allerdings gerade völlig egal, ich lese das, um Langsamkeit zu lesen. Fontane erzählt immer ruhig, unaufgeregt, in Spazierganggeschwindigkeit, gründlich modellierend. Das tut gut, wenn man den ganzen Tag lang hektisch Links angeklickt hat.

Iwan A. Gontscharow: Eine alltägliche Geschichte. Deutsch von Ruth Fritze-Hanschmann. Der zweite Gontscharow, nachdem mich der Oblomov so begeistert hat. Habe erst ein paar Seiten gelesen, bin aber schon ganz hin und weg und freue mich auf den Rest.

Irene Dische: Ein Job – Kriminalroman. Aus dem Englischen von Reinhard Kaiser. Ich hatte die Hoffnung, das Buch sei mehr Dische als Kriminalroman, dem ist aber nicht so. Daher abgebrochen und weggelegt.

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