Vielleicht bin ich jetzt in dem Alter, ich dem ich so dermaßen weit aus den relevanten Werbezielgruppen rausfalle, dass ich die Werbung einfach nicht mehr verstehen kann, weil sie nicht mehr auf mich und meine Lebensumstände zugeschnitten ist. Vielleicht ist es ein Schreibfehler, vielleicht habe ich auch einfach nur ein Brett vor dem Kopf, aber ich denke schon seit Tagen über eine Anzeige nach, die mich auf Facebook hartnäckig verfolgt. Es ist eine Anzeige für eine App, die ich mir auf meinem Handy installieren könnte, wenn ich denn wollte, sie kostet nicht einmal etwas. Sie will mir den überaus seltsamen Vorteil verschaffen, Handwerker unterwegs zu finden. Steht da.

Aber warum zum Teufel sollte nun jemand Handwerker unterwegs finden wollen? Was sind denn das für Leute? Gehen da Menschen in der Stadt herum, bleiben an einem schönen Plätzchen stehen und denken ach, wenn doch jetzt ein Tischler käme, der mir flugs Tisch und Stuhl hier hinschreinern könnte! Ich setzte mich glatt eine Stündchen hin! Wie schade, dass ich noch nicht diese App geladen habe! Oder haben Leute, die S-Bahn fahren, plötzlich das Verlangen, sich etwas löten zu lassen? Will man sich in der Fußgängerzone vor Karstadt die Schuhe besohlen lassen? Denkt man beim abendlichen Spaziergang vor einer zerbrochenen Scheibe: “Ach komm, ich geb hier mal schnell einen Glaser aus, kostet ja nicht die Welt?”

Oder ist es ganz anders gemeint und die Handwerker sind heutzutage selbst dauernd unterwegs, ruhelose Gesellen in Scharen, sie kreisen durch die Stadtviertel, den Blick aufs Handy gerichtet, bis die App blinkt, weil jemand ihre Nähe bemerkt hat und sie dann zur Landung auffordert?

“Schatz, wir brauchen einen Klempner. Der Hahn tropft.“
“Warte, ich sehe eben nach, wo einer läuft und winke ihn dann ran.”

Ich verstehe es einfach nicht. Aber ich habe jetzt auch keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. So als Blogger unterwegs.

 

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