Gelesen:

Fast ausschließlich das weitergelesen, was im Mai auch schon auf dem Nachttisch lag.

Neu waren nur:

Stefan Zweig: Amerigo. Die Geschichte eines historischen Irrtums. Ich mag die historischen Bücher von Zweig, wobei mir der wissenschaftlich haltbare Wahrheitsgehalt ziemlich egal ist. Er hat eine so angenehme Sprache, er könnte mir alles erzählen. Sehr schön auch, wenn Sie das nicht kennen sollten, seine Biographie über Fouché. Die kann ich auch als Urlaubslektüre empfehlen, sehr unterhaltsam und verblüffend interessant.

Kurt Tucholsky: Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte. Gehört zu den Büchern, die man alle paar Jahre wieder schnell mal lesen sollte. Da ist gar nicht viel dran, es sind ja im Grunde nur ein paar Seiten, aber es ist ein so faszinierender Blick aufs kleine, vergängliche Liebesglück in einer Zeit noch vor dem ersten Weltkrieg, das kann man auch mehrmals im Leben lesen. Außerdem macht das Buch sonnige Stimmung, und da besteht ja durchaus etwas Bedarf zur Zeit.

Elisabeth Rank: Bist du noch wach? Über Beziehungen in heillos unklaren Zuständen. Freundschaft, Liebe und das große Nebeneinander und Nebenher. Der Roman hat für mich den fatalen Nebeneffekt, dass mir die studentische Perspektive, aus der es geschrieben ist, mittlerweile so fremd geworden ist, dass ich mich beim Lesen wie ein Hundertjähriger fühle, daran musste ich mich erst gewöhnen. Dafür kann das Buch aber natürlich nichts, in dem geht es nämlich tatsächlich um große Themen, die einen in jedem Alter treffen. Ein Buch über das Kaputtgehen von Zuständen und Beziehungen, Entfremdung und Neuanfänge, die keine sind. Nicht über dieses laute Kaputtgehen, das man sehen und hören kann und das eventuell im rettenden Slapstick mündet, sondern dieses leise und schleichende und sehr ernste Kaputtgehen, das man nur schwer verfilmen könnte und wenn doch, dann wäre der Film sicher mit hübschen Schauspielern besetzt, aber ach, zu flach, viel zu flach. Das wäre womöglich ein leiser, ein schöner Film, aber man müsste immer sagen, wissen Sie, das Buch ist ganz anders, ganz anders.

Das Buch selbst ist übrigens auch ganz leise, das weht einem so durch den Abend. Hier die Seite der Autorin.

Gesehen:

Nichts, gar nichts. Ach doch, ein paar der ganz alten Folgen von Tom & Jerry mit den Söhnen.

Gehört:

Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville. Auf den Autobahnfahrten wollte Sohn I das hören, zu meiner Überraschung fand er es auch gut. So gut sogar, dass ich es jetzt schon viermal gehört habe und es spricht sehr für Oscar Wilde, dass ich die CD noch nicht als Frisbee benutzt habe. Manche Texte sind eben unverwüstlich und die Geschichte, wie das alte Gespenst nach den heftigen Auseinandersetzungen mit den amerikanischen Neubesitzern seines Schlosses endlich letzten Frieden findet, sie ist tatsächlich immer wieder gut.

%d Bloggern gefällt das: