Unbenannt

Auf dem Hof im Heimatdorf steht die Luft wie ein glühender Block zwischen den Hauswänden. Wenn man eine Weile im kühlen Haus war und dann wieder vor die Tür geht, fühlt es sich an, als würde einem jemand eine heiße Bratpfanne an den Kopf hauen. Mit Anlauf. Die Familie ist im Garten, die Büsche geben ein wenig Schatten, in der Sonne hält man es nur minutenweise aus. Die Herzdame liest Zeitung, auf dem Dorf gibt es immer noch gedruckte Zeitungen. Sohn I liegt in einem aufblasbaren Plansch-Pool voller kaltem Wasser, Sohn II liegt in einem Bottich vom Bau, der zur Hälfte mit Schlamm gefüllt ist. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Hinten über dem großen Maisfeld flimmert es, die Disteln davor werden von einer Unzahl Hummeln belagert, man hört das Brummen von Weitem. Die Hummeln scheinen sich noch langsamer als sonst zu bewegen, das kann man verstehen. So einen Hummelpelz möchte man jetzt auch nicht unbedingt anhaben. Der Uropa der Söhne steht im Hof, besieht sich das Thermometer und kratzt sich am Kinn.

Der Uropa der Söhne: “Bisschen warm, ne?”

Ich: “Kann man sagen. 38 Grad, hier im Schatten. Und kein Wind.”

Der Uropa der Söhne: “Kannste nicht viel machen, bei dem Wetter.”

Ich: “Nee, kann man wirklich nicht.”

Der Uropa der Söhne: “Ich mach heute auch nichts mehr. Ich will nur eben noch das Dach da reparieren.”

Und dann nahm er eine Leiter und stieg pfeifend auf das Flachdach an der Garage, den Hammer unter den Arm geklemmt. Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob ich Nordostwestfallen jemals wirklich ganz verstehen werde.

 

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