Da in dieser Familie nur ich für das Kochen zuständig bin, muss mir auch dauernd einfallen, was hier am Abend auf den Tisch kommen soll. Das ist manchmal ganz nett, etwa wenn man in aller Ruhe durch Foodblogs stöbern oder auf dem Sofa durch Kochbücher blättern kann. Manchmal ist es aber auch anstrengend, wenn man gerade keine Zeit hat, keine Lust, keinen Hunger und eine unaufgeräumte Küche mit Geschirrbergen.

Manchmal frage ich die Herzdame, das ist aber einigermaßen sinnlos.

Ich: „Was ist mit dem Essen heute?“
Die Herzdame: „Ja, essen müssen wir wohl.“

Manchmal frage ich auch die Söhne, das grenzt die Auswahl der Gerichte dann deutlich ein.

Ich: „Was wollen wir heute essen?“
Die Söhne: „Nudeln.“

Das geht so in 99% der Fälle, denn die Söhne wollen immer Nudeln essen, und zwar mit ohne Sauce, aber mit Pimmesan. Andere Schreibweisen sind da sinnlos, bemühen Sie sich nicht. Dann koche ich also wunschgemäß Nudeln mit irgendeiner Sauce, die sowieso nur die Herzdame und ich essen. Ich koche nicht kinderoptimiert, wenn den Söhnen nicht passt, was hier auf den Tisch kommt, dann können sie ein Brot oder Nudeln pur essen, fertig. Da sie Mittagessen in der Kita bekommen, werden sie am Abend schon nicht verhungern, weil die Nudelsauce vielleicht nicht genehm ist.

Manchmal geht die Frage an die Söhne aber auch schief, besonders seit Sohn I in einer Koch-AG war.

Ich: „Was wollen wir heute essen?“
Sohn I: „Tomatensuppe mit Eierstich.“

Das ist dann etwas aufwändiger, aber natürlich noch machbar.

Ich: „Was wollen wir heute essen?“
Sohn I: „Warte, ich sehe in den Kochbüchern nach.“

Und dann setzt er sich vor das Regal und blättert und blättert, bis ihm endlich ein Bild gefällt, er nimmt das dann sehr genau.Das letzte Mal gab es nach diesem Muster Kartoffelsuppe mit Räucherlachs, das war kein Problem, da muss man bei der Auswahl eben etwas Glück haben. Es kann aber auch schlimmer als bei der Kochbuchsuche kommen.

Ich: „Was wollen wir heute essen?“
Sohn I: „Gemüsefrikadellen.“
Ich: „Hä?“

Die gab es nämlich in der Kita, die fand er gut. Ich bin zwar überzeugter Dreiviertelvegetarier, aber Gemüsefrikadelle ist für mich ein eher negativ besetzter Begriff, um es mal betont nett auszudrücken. Wenn man Gemüsefrikadellen sagt, dann sagt auch bald jemand Bratling, und wenn jemand Bratling sagt, dann sagt auch bald jemand Grünkern und Dinkel, dann hat man also bald Sachen auf dem Teller, die an Pellets oder andere biogene Brennstoffe erinnern. Und nicht gut schmecken. Und falls Sie jetzt morgen an meiner Haustür klingeln und „Wir möchten mit ihnen über Dinkel sprechen“ in die Gegensprechanlage säuseln wollen – bemühen Sie sich nicht, es ist sinnlos. Ich bin da nicht mehr missionierbar.

Aber wenn der Sohn doch schon einmal einen so betont vernünftigen Ernährungswunsch äußert? Wer würde da denn nein sagen? Ich habe also versucht, die korrekten Zusatzstoffe zu eruieren. Was mag da wohl drin sein, in so einer Gemüsefrikadelle? „So Gemüse“, sagt der Sohn nach verblüffend langem Nachdenken. Immer schön, wenn der Nachwuchs kooperativ ist. Ich zähle diverse Gemüsesorten auf, die ich als typische Gemüsefrikadellenzutat im Verdacht habe, der Sohn schüttelt angewidert den Kopf und erbleicht ob der langen Reihe von Zumutungen. Das kann es alles nicht sein, das klingt ja alles furchtbar. Ich frage ihn, wie ich denn wohl etwas kochen soll, von dem ich gar keine Ahnung habe, er zeigt stumm auf den Computer.

Sobald er lesen kann, werde ich seine Fragen auch nur noch mit einem Fingerzeig zum Notebook beantworten, denke ich mir, aber vorerst frage ich weisungsgemäß online herum, wer denn wohl ein nettes Gemüsefrikadellenrezept kennt. Es fühlt sich nicht gut an, so etwas zu fragen, und es dauert erwartungsgemäß nur Sekunden bis zur ersten Grünkernerwähnung. Wie das Amen in der Kirche. Aber es meldet sich auch Carola, und alles wird gut. Einfache Regel, das können Sie sich bitte auch merken: Wenn Carola ein Rezept bloggt, dann ist das gut und machbar. Tolle Sache.

Ich mache also Brokkoli-Emmentaler-Frikadellen. Ausgerechnet Brokkoli, ein eher heikles Gemüse. Aber es klappt. Alle sind begeistert, die Dinger schmecken wirklich verblüffend gut und gehen auch noch ziemlich leicht. Und ein sehr spezielles Gemüse-Wunder geschieht, die Herzdame isst Brokkoli. Das ich das noch erleben darf! Sohn I hat kritisch anzumerken, dass in den Frikadellen keine Möhren sind, darauf hätte ich aber wirklich von selbst kommen müssen, findet er. Kann ich ja das nächste Mal vielleicht ergänzen, nicht wahr? Fragende Blicke, ob meine Lernfähigkeit dazu wohl reichen wird. Aber sonst, doch, doch. Ziemlich super. „Kannste gerne wieder machen.“

Falls Sie bei dem Wort Gemüsefrikadelle auch nicht gerade begeistert gucken – probieren Sie doch einmal das Rezept. Danach hat man deutlich nettere Assoziationen bei dem Begriff.

Unbenannt

 

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