“Warum hängen eigentlich überall diese Regenbogenfahnen? Was bedeuten die?” Sohn I blieb auf dem Weg zur Kita stehen, zeigte an einem Haus nach oben  und sah die Herzdame und mich fragend an. Sohn II sah sich nach dieser Frage seines Bruders ebenfalls um und entdeckte noch mehr Regenbogenfahnen ringsum. Die kleben hier nämlich tatsächlich in jedem zweitem Schaufenster und hängen von vielen Balkonen und wenn Sohn II die Fahnen zählt, dann sind es schnell mehr als zehn, also tausend, er rundet dann gerne auf. Unser kleines Bahnhofsviertel ist schon seit langer Zeit auch ein schwuler Stadtteil. Wir haben den Söhnen erklärt, dass es nicht nur Fahnen für Ländern und Städte und Ritterburgen gibt, sondern auch für Vereine, Interessen, Protestbewegungen, Firmen, Fussballclubs, Parteien und Gott weiß was und dass die Regenbogenfahne für Frauen ist, die Frauen lieben und Männer, die Männer lieben. Denn das geht ja auch, das wissen sie natürlich längst, das ist hier auch nicht zu übersehen.

“Ja”, sagte Sohn I, “das geht auch. Nur dass sie dann keine Kinder bekommen können. Denn dazu müsste das ja mit Mann und Frau sein, zum Kindermachen. Oder?” Dann dachte er eine Weile nach und korrigierte sich, denn er kennt tatsächlich ein Mädchen mit zwei Vätern. Die würden also manchmal eben doch Kinder bekommen, sagte er, aber dann irgendwie anders. Vielleicht ja Kinder, die sonst keine Eltern mehr hätten und dann aber zum Beispiel gleich zwei Väter. Toll. Weil gar keine Eltern, wie doof wäre das denn für ein Kind.

“Was noch? “fragte Sohn II, dem das alles bis dahin nicht wie eine große Sache erschien. Mehr nicht, sagten wir, das sei schon die ganze Erklärung der Regenbogenfahnen. Und da waren die Söhne dann etwas enttäuscht. Sie hatten mit einer deutlich spannenderen Erklärung gerechnet. Und vor allem mit einer viel, viel bunteren.

%d Bloggern gefällt das: