Haben Sie heute mit den Kollegen schon die immer wieder spannende und hochbrisante Frage diskutiert, ob das Management Ihrer Firma eigentlich noch ganz bei Trost ist?  Ob die nicht vielleicht alle Qualm in der Kanzel haben? Falls nicht, holen Sie das ruhig nach. Erst recht, wenn Sie selber in der Führungsetage sind. Warum sollte man denn nicht über die Wahrheit reden?

Und der Wahnsinn im Berufsleben beginnt natürlich nicht mit der ersten Beförderung, nein,  das geht schon viel früher los. Getrieben, gezogen, gelockt, schon die jungen Leute opfern sich dem Karrieregott, und das kann man leider ganz wörtlich nehmen. Normal ist das nicht.

Man möchte nach solchen Berichten sofort alles langsamer stellen, zur Besinnung aufrufen, das irre Karussell anhalten. Immer mit der Ruhe! Etwa mit 30 Stundenkilometern, da könnte man glatt noch etwas von Edinburgh lernen.

In aller Ruhe nach Hause fahren, das wäre es doch. Durch die Straßen zuckeln, statt zu rasen. Entspannt sein. Den Job vergessen, das Heim genießen. Und dort dann den Werkzeugkasten vom Großvater entstauben und das tun, was man jahrzehntelang nicht gemacht hat: etwas reparieren. Das fühlt sich nicht nur schräg und retro an, das ist jetzt auch noch hip.

Es ist ein wahnsinnig romantisches Bild, das sich da aufdrängt. Wie man da am frühen Abend in den letzten Sonnenstrahlen vor dem Haus sitzt, das kaputte Spielzeug der Kinder vor sich, der Nachwuchs andächtig wartend daneben. “Der Kätner lehnt zur Tür hinaus, behaglich blinzelnd nach den Bienen. Sein Junge auf dem Stein davor, schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr” – haben Sie das auch noch in der Schule auswendig gelernt? Ja, das war Storm, genau. Aber egal, Bienen gibt es eh bald sowiesonicht mehr, wenden wir uns wieder der dynamischen Wirklichkeit zu. Es ist Feierabend, die Vögel singen in den ökologisch sinnlosen Rhododendron-Hecken und man schraubt und sägt und merkt endlich wieder den Sinn der Hände, die nicht nur für die Tastatur oder den Touchscreen gemacht sind. Weiter hinten tollt der Hund durch das Bild, wollte sagen durch den Garten – na, oder auch nicht. Aus Umweltschutzgründen könnte man den eventuell gleich wieder streichen.

Anderswo laufen die Hunde übrigens herrenlos herum, etwa in Detroit. Wollen Sie mal eine Zahl raten? Wieviele Hunde laufen da wohl ohne Frauchen oder Herrchen herum? Wahrscheinlich lagen Sie gerade viel zu tief.  Damit Sie sich die Hunde besser vorstellen können, denken Sie sich doch noch diese Häuser ins Bild, das passt dann schon. Beeindruckende Bilder vom Niedergang. Nicht in Detroit, aber egal. Anderswo geht es auch abwärts.

Die handwerklich Ungebabten unter Ihnen wollen zum Feierabend vielleicht lieber nicht fluchend und dreckverschmiert an Fahrradketten herumzerren, auch wenn es gerade noch so sehr in Mode ist. Aber auch diese Menschen können sich natürlich sinnvoll beschäftigen. Sie könnten etwa ein paar Kapitel zum Thema Finanzen in einem lehrreichen Buch nachlesen. Das macht nämlich sonst kein Mensch in Deutschland und vielleicht hilft Bildung auch da?

Oder man denkt über die Sinnhaftigkeit des Fairtrade-Siegels nach. Das ist gedankliche Bastelarbeit, und die ist so kompliziert, die kann man sicher gelten lassen.

Wenn das Basteln mit den Händen oder dem Gehirn nach Feierabend aber zu anstrengend ist, dann liegt es vielleicht nur am mangelnden Energienachschub. Da wirft man hierzulange im Sommer erst einmal zwanghaft etwas auf den Grill. Und vergisst vielleicht, wie sehr man auch dabei Teil einer geschlechterrollenkonformen Zielgruppe ist.

Die Zeit, die uns so rasend durch den Alltag schleift, sie wird übrigens auch ganz von selbst wieder langsamer. Aber erst später. Viel, viel später. Das kann man in der FAZ in einem Interview mit einer Hundertjährgen nachlesen. Ein Text, der mit Wirtschaft natürlich überhaupt nichts zu tun hat. Außer dass es auch um Geschwindigkeit geht und man daher sinnig über seine eigene nachdenken kann, womit wir dann doch schon wieder bei Arbeitsprozessen sind. Warum machen wir was wie schnell? Sind wir mit dem Job auch froh, so als schnellste Maus von Mexiko? Und wo führt das eigentlich hin?

Und das lenkt den Blick dann wieder zurück auf die durchgeknallten Banker in London, der zweite Link von oben, die weniger hektischen Teile des Publikums erinnern sich vielleicht noch. Nach solchen Texten findet man oft die ganze Ausrichtung falsch, das System, die Ideologie, alles weist doch irgendwie in die Irre. Alles weist sonstwohin, aber nicht zum Glück, zum Frieden und zur Wohlfahrt. Erreicht man die nicht viel eher über soziale Werte? Oh, Werte. Da kann man also auch wieder etwas nachrechnen, das machen wir dann auch.

Womit wir am Ende unserer kleinen Wochenschau wären. Sie dürfen sich jetzt wieder Ihrem Job widmen.  Bevor es zu Entzugserscheinungen kommt.

Der Designlink der Woche wieder einmal zum Thema Architektur. Es geht um die Gestaltung kleiner, sehr kleiner und vollkommen unverzichtbarer Häuschen. Hier entlang zu einer Leistungsschau des Toilettenhäuschendesigns.

GLS Bank mit Sinn

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