Ich war im Supermarkt. Und da habe ich ein wenig gestaunt. Der Supermarkt hat nämlich nicht nur die verfrühte Weihnachtsecke, über die wir in jedem Jahr bereits ab dem 1. September jammern können. Nein, er hat auch eine verfrühte Halloween-Ecke. Und damit nicht genug, er hat jetzt zusätzlich eine regional verfehlte Oktoberfest-Ecke. Lebkuchen und Stollen, Kekse in Kürbisform und Fledermausweingummi, Weißwurst und Leberkäse. Na Mahlzeit, was für eine Mischung. Ein Produkt absurder als das andere. Und diese Ecken sind nicht klein, das Zeug muss reichlich gekauft werden. Sonst stünde es dort ja nicht, Supermärkte verschenken keine Quadratmeter an unverkäufliche Ware. Sie kaufen das, genau Sie. Da brauchen Sie gar nicht so unschuldig zu gucken, einer muss es doch sein. Nein, noch viel mehr müssen es sein. Sie und Sie und Sie. Ich habe Sie alle im Verdacht.

Na, macht auch nichts. Meinetwegen kann das Zeug da stehen bleiben. Weihnachten ganzjährig, warum nicht. Kürbis für immer, auch okay, schmeckt doch alles gut. Bayrische Spezialitäten gehen eh in jedem Monat, die Weißwurst kennt keine Jahreszeit. Ich bin so weit tolerant. Nein, ich rege mich über den Irrsinn des Einzelhandels nicht mehr auf, ich doch nicht.

Aber dass ich dann eine simple Steckrübe für den Eintopf in den Wagen lege und die Kassiererin mich völlig ratlos fragt, was das denn für ein komischer Sellerie sei – das geht doch wohl zu weit? Das war eine junge Frau aus Norddeutschland, die keine Steckrüben kennt! Nie gesehen, keine Ahnung, was ist das denn? Fledermausweingummi, ja, die kennt sie, Steckrüben kennt sie nicht. In was für einem Norddeutschland lebe ich denn hier? Was essen Sie alle überhaupt? Ich werde ungern laut, aber es muss doch sein: Esst! Mehr! Steckrübeneintopf!

Pardon. Aber ich bin immer noch fassungslos.

(Dieser Text erschien bereits letzte Woche als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

 

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