Flitzt, ihr Filme, es ist bald Weihnachten!

Ein Gastbeitrag von Rochus Wolff

Dass ich mit meinen Weihnachtsgeschenken in nahezu jedem Jahr recht spät dran bin, ist mir natürlich alljährlich (und alljährlich ein wenig mehr) peinlich. Dank Blogs und Social Media wissen wir immerhin inzwischen, dass es vielen von uns so geht und es wirklich die entspannte Elite ist, die Anfang Dezember schon ein Häkchen an die Liste macht, sich entspannt zurücklehnt und schon mal ein wenig Glühwein einatmet. Richtig peinlich und öffentlich ist es aber natürlich, mit Texten über Geschenkempfehlungen spät dran zu sein, so wie diesem. Aber weil es ja nun wirklich drängt und ich doch eigentlich so viel lobpreisen will, empfehle ich, zwei Wochen vor dem Fest, noch schnell ein paar wirklich tolle Kinderfilme. Die lassen sich aber auch nächstes Jahr noch verschenken, die werden so schnell nicht schlecht.

Dabei weiche ich elegant den Filmen aus, die es jetzt seit kurzem für’s Heimkino gibt und die ich hier und im Kinderfilmblog schon reichlich beworben und gepriesen habe (namentlich Antboy, mit Rico, Oskar und die Tieferschatten den besten deutschen Kinderfilm dieses ausgehenden Jahres, sowie Pettersson und Findus – Kleiner Quälgeist, große Freundschaft, die aber alle drei ganz großartig sind, sagte ich das schon?), und auch jenen, die sowieso überall beworben werden (etwa The Lego Movie oder den wirklich leider eher sehr grässlichen Muppets Most Wanted).

Wie wäre es denn stattdessen mit einem richtigen Weihnachtsmärchen? Die Legende vom Weihnachtsstern kommt aus Norwegen und ist dort wohl eine durchaus bekannte Erzählung (jedenfalls behauptet das hiesige Filmbewerbungsmaterial das, mir persönlich fehlen die Kenntnisse norwegischer Mythen, um das beurteilen zu können). Da steckt alles drin: eine seit zehn Jahren verschwundene Prinzessin mit dem eher Barbie-haften Namen „Goldhaar“, die sich dann (großer Spoiler!) als inzwischen sehr patentes junges Mädchen herausstellt – geht ja gar nicht anders, wenn man bei einer Räuberbande gefangen war. Zwischendrin hopsen Naturwesen herum, Zauberer und Figuren, überhaupt atmet alles Ronja Räubertochter, wenngleich sehr zeitgemäß aufgetrickst und schmalziger, als es Astrid Lindgren je war (ab fünf Jahren).

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Foto: Polyband

Darf es etwas knarziger sein, aber gleichwohl aus dem Norden? Gerne. Dänemark bringt uns Otto ist ein Nashorn, einen Animationsfilm von sehr eigentümlicher Ästhetik – alles schief und krumm und seltsam gefärbt, jedenfalls nicht gefällig oder landläufig schön. Man muss sich ein wenig darauf einlassen, dann wird es aber rasch ganz wunderbar: Der leicht irre und wirre Junge Topper hat nämlich einen Bleistift gefunden, und was man damit zeichnet, wird alsbald real. Ahnungslos zeichnet er ein riesenhaftes Nashorn an die farbige Wohnzimmerwand, und schon rasch stellt sich ihm und seinem Freund Viggo die Frage, wie man denn bitteschön ein Tier da in der Wohnung füttert, das gar nicht recht durch die Zimmertür hinauspasst? Das ist alles so irr und wirr wie die Hauptfigur, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Ole Lund Kirkegaard, das man derzeit nur antiquarisch (RoRoRo) bekommt, und das ist eine Schande (ab sechs Jahren).

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Foto: Filmfest München

Für etwas größere Kinder und eigentlich auch fast noch mehr für nostalgisch veranlagte Erwachsene, die sich in die gute alte Zeit zurückwünschen (also in das Jahr 60.000.003 vor Christi Geburt), gibt es noch ein ganz besonderes Geschenkschmankerl: Die Fernsehserie mit dem schlichten Titel Die Dinos ist jetzt endlich als Komplettbox zu haben. Im Grunde ist das eine Familien-Sitcom klassisch-amerikanischer Machart mit Mama, Papa und drei Kindern – zwei Teenager und ein Baby. Der zentrale Unterschied liegt nicht nur darin, dass alle Figuren Dinosaurier sind (man erwarte bitte keine biologisch korrekten Artzuordnungen), sondern auch in der auch für die frühen 1990er noch durchaus direkten Art und Weise, mit der alle möglichen Themen hier angeschnitten wurden: Sex, Rassismus, Bürgerrechte, Ausbeutung und so weiter und so fort bis hin, natürlich, zur Frage nach gefährdeten Tierarten. Nicht ohne Grund gilt die letzte Folge der Serie als berühmt-berüchtigt, mutig bis zur Zuschauerverzweiflung: Das Schicksal der Dinosaurier ist ja bekannt (FSK 6, ab ca. 8 Jahren).

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Foto: Capelight

Ich habe in diesem Jahr auch einen Science-Fiction-Trickfilm wiedergesehen und -entdeckt, den ich als Kind wohl im Fernsehen gesehen haben muss – aus meiner vagen Erinnerung vermute ich, vielleicht nachmittags an einem Wochenende – und von dem mir nur einzelne Bilder und Sequenzen in Erinnerung geblieben waren, vor allem ein paar kleine Männchen mit kugeligen Gliedmaßen. Herrscher der Zeit war das, Les Maîtres du Temps von 1982, eine Zusammenarbeit von René Laloux und dem großen Jean Giraud, besser bekannt als Moebius. Aus einfachen Linien werden seltsame Welten, dahinter versteckt sich, das wird erst in den letzten Minuten wirklich klar, eine tieftraurige Geschichte. Unfassbar schön; das ist hier – wer Moebius’ Comics kennt, wird das ahnen – kein technisch fundiertes SciFi, sondern phantastisches Kino in seiner weitesten Auslegung, die „conditio humana“ berührend. Und bleibt doch zugleich auf der Augenhöhe des noch sehr kleinen Jungen, um dessen Rettung es sich dreht, und der die Wunder einer fremden Welt mit Staunen aufnimmt. (FSK 6, vermutlich ab 10 Jahren)

Zwei Kinderfilm-Lücken möchte ich in diesem Jahr noch schließen, da fehlen Klassiker, das darf man als halbberuflich über Filme sprechender Mensch ja kaum gestehen: Disneys Schneewittchen habe ich immer noch nicht gesehen, den Klassiker des amerikanischen Trickfilms überhaupt, das kann so natürlich nicht weitergehen. Und einer der wichtigsten Miyazakis fehlt mir noch, Chihiros Reise ins Zauberland, auch der soll noch vor Silvester nachgeholt werden. (Beide sind gerade auf Blu-ray neu erschienen, nach allem, was ich gehört habe, sind das auch keine schlechten Geschenke.)

Rochus WolffRochus Wolff ist Filmkritiker, Feminist und Vater, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Im Kinderfilmblog sucht er nach dem schönen, guten, wahren Kinderfilm. Er lebt mit seiner Familie in Berlin und arbeitet hauptberuflich als PR-Mensch und Konzepter für eine Online-Agentur in Süddeutschland.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir sind mitten in der Adventszeit, die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest laufen. Das Weihnachtsfest mit den alten Ritualen, Traditionen, Geschichten. “Und sie fanden keine Herberge”, dem Satz entkommt man nicht, wenn es um Weihnachten geht, nicht wahr? Den wird man noch zu hören bekommen, und zwar mehrfach. Sie fanden keine Herberge – und andere finden die auch nicht, bleiben wir kurz beim Thema. In Marseille sollen Obdachlose jetzt Ausweise mit einer gelben Markierung tragen, und die Stadtverwaltung kann nicht erkennen, was daran verkehrt sein soll. Aber bevor sich jemand über irre Beamte  in Frankreich amüsiert – wir haben keinen Grund, uns zu amüsieren.

Deutschland tut weh” ist ein Artikel, der in den sozialen Netzwerken viel geteilt wurde, und wenn Sie nur einen Artikel in dieser Woche lesen, dann nehmen Sie doch bitte diesen. Wirklich, es ist wichtig. Oder nein, lesen Sie hinterher doch lieber noch die “Zahlen gegen Vorurteile”. Weil man es nicht oft genug sagen kann, weil es so viele nicht hören wollen, weil es mit Vorurteilen im Kopf kein Verständnis gibt – und erst recht keine Herberge. Und wer noch etwas mehr Verständnis entwickeln will, das kann ja immerhin sein, der sehe sich “Der Zaun” an, ein ganz neues Medienprojekt zum Thema Flüchtlinge.

Aber wir wollen die religiösen Anspielungen auch nicht überstrapazieren, das ist immer gefährlich und wird schnell unangenehm. Wir können in der Weihnachtszeit auch einfach an andere berühmte Geschichten denken, der Bezug zur Wirtschaft kommt dann wie von selbst. “Eine Weihnachtsgeschichte” von Charles Dickens, erinnern Sie sich? Die Geschichte vom alten Geizkragen Ebenezer Scrooge, dem die Geister der vergangenen, der diesjährigen und der zukünftigen Weihnacht erscheinen, und der dabei erkennt, dass auch er ein Herz hat? Da geht es auch um die Armut in der britischen Gesellschaft, da liest man vom Hunger und von Menschen, die zu Weihnachten von gutem Essen nur träumen können. Aber das ist natürlich alles lange her. Von wegen.

So, jetzt aber genug der alten Geschichten, kümmern wir uns um die Gegenwart. In der Gegenwart brauchen wir in Kürze einen Baum, eine Tanne fürs Wohnzimmer. Das ist auch für den Wirtschaftsteil ein spannendes Thema, ein sehr spannendes sogar, wenn man diesen Artikel aus der Zeit liest, auch wenn er schon ein Jahr alt ist. Wirtschaft ist eben spannend, der Stoff des Artikels hätte locker für einen dicken Krimi gereicht.

Spannend bleibt es auch, wenn wir Weihnachten ganz hinter uns lassen,  aber noch beim Thema Preis bleiben. Preise sind meistens interessant, ob es nun um Saatgut für Nordmanntannen oder um Erdöl geht. Bei den Krautreportern geht es um Erdöl – und um einen Preis, den keiner kennt.

Und nach der Erwähnung von fossilen Brennstoffen, die bekanntlich ein paar Nachteile haben,  wollen wir wie immer reflexmäßig in die Zukunft sehen, die wohl ohne diese Energien auskommen muss. Was sehen wir in der Zukunft? Drachen. Warum auch nicht.

Ganz zum Schluss noch etwas für die Radfahrfraktion. Auf den ersten Blick kein amüsanter Link, aber doch immerhin ein konsequenter. Hier hat man doch tatsächlich, haha, die Sache mit dem Rad einmal bis zum Ende gedacht.

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