Beim Herumschieben der Möbel – Teil 4

(Die Fortsetzung hierzu.)

Ich: “Wir könnten auch einfach an die Nordsee ziehen. Eiderstedt, weißt du, gefällt uns ja allen. Bessere Luft und so. Mehr Platz. Viel, viel mehr Platz. Eigenes Zimmer für jeden. Sogar für mich!”

Sohn I: “Eigenes Zimmer wäre sehr toll. Aber da hätte ich voll den krassen Schulweg nach Hamburg, Papa.”

Ich: “Es gibt an der Nordsee auch Schulen.”

Sohn I: “Vergiss es einfach.”

 

Woanders – diesmal mit einem Date, Malbüchern, den Peanuts und anderem

Familie: Ein großer Sohn hat ein Valentinsdate.

Familie:  Malbücher sind jetzt eher etwas für Erwachsene.

Familie: Frau Gminggmangg über Fragen nach Trennungen.

Hamburg: In der FAZ ein langer Artikel über das rote und das weiße Hamburg und über die Elbphilharmonie.

Hamburg: In der Zeit geht es um die Gefühlskälte in der Stadt, und der Text klingt so, als bestünde Hamburg zu 80% aus Reedern, Maklern und Bankern. Das ist ein klein wenig abwegig. Davon abgesehen ist die Stadt tatsächlich kalt, gar kein Zweifel. Wer hier menschliche Wärme sucht, der braucht einen Trick, also etwa einen Hund, ein Blog, einen Foodtruck  oder auch ein Kind. Mit diesen Hilfsmitteln kommt man recht schnell in vergleichsweise kontaktfreundliche Szenen und darf hin und wieder Leute kennenlernen. Man kann ja immer noch abhauen, wenn man dabei versehentlich auf Makler, Reeder oder Banker  stößt.

Hamburg: Hier geht es um die Elbinsel Wilhelmsburg, Die dort erwähnte Deichdiele wird von einem ehemaligen Mitbewohner der Herzdame betrieben, ein empfehlenswerter Laden. Auch deswegen, weil man sich da reinsetzen und der Gentrifizierung live und in Farbe zusehen kann. Man kann sich das Treiben da stundenlang ansehen und als Sankt Georger denken: Haha, ich weiß genau, was hier noch kommt. Aber man will ja auch nicht spoilern, also sitzt man da und sagt nichts.

Hamburg/Familie: Neues von den Kitas und dem Betreuungsschlüssel. Bzw. nichts Neues.

Feuilleton: Ein Limerick.

Feuilleton: Ein langer und faszinierender Artikel über Franklin von den Peanuts. Gefunden via Kiki.

Beim Herumschieben der Möbel – Teil 3

Die Fortsetzung hierzu.

Das war so wirklich nicht geplant, dass daraus eine Serie wird, aber das Thema bleibt hier dominant. Schon weil wir einfach nicht fertig werden, nichts abhaken können, weil wir schlicht überhaupt nichts erreichen. Die Wohnung ist offensichtlich unvollendet. Nach dem letzten Herumschieben blieb alles etwas unfertig stehen. Wenn man bei uns hereinkommt, sieht man erst einmal eine nackte Wand, an der so offensichtlich früher etwas stand, dass man sofort eine Decke vor die Lücke hängen möchte, so nackt und bloß und falsch sieht es da aus. Aber wir haben uns leider noch nicht entschieden, was da hinkommt. Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten.

Unterdessen ist die Herzdame an einer ausgeprägten Wohnzeitschriftensucht erkrankt und verbringt die Abende blätternd und murmelnd vor Hochglanzbildchen von Möbeln, Wohnungen und Dekoartikeln. Ab und zu gibt sie völlig zusammenhanglos Formulierungen wie etwa “Laminat, Dekor Eiche gesägt, weiß geölt” von sich und nickt dazu, ohne eine Antwort von mir zu erwarten. Dann googelt sie etwas, dann kommt sie vom Thema ab, dann denkt sie doch lieber über Balkonpflanzen nach. Oder greift zur nächsten Zeitschrift. Sie klemmt sozusagen vor dem nächsten Möbelkauf irgendwo zwischen Oblomow und Tine Wittler fest, es ist fraglich, ob sie aus diesem Zustand jemals wieder ohne Hilfe herauskommt. Sollte sie wider Erwarten noch einmal handlungsfähig werden, müsste ich ihr aber ohnehin schonend klar machen, dass das für die Möbel zurückgelegte Geld mittlerweile komplett in Wohnzeitschriften und Bildbände über den Landhausstil investiert wurde.

Das einzige, was uns momentan wirklich helfen würde, wäre eine Innenausstattung, an der alles leicht beweglich, verschiebbar und wandlungsfähig ist. Einmal alles da hinein, zack, einmal alles dort hinein. Links, rechts, oben, unten, einmal flott alles durchgespielt, dann wüssten wir vermutlich Bescheid. Das kann man natürlich auch digital erreichen, schon klar, aber richtig Spaß habe ich daran irgendwie nicht. Ich muss das alles in natura sehen. Ich muss probesitzen und hinfühlen.

Aber probeweise z.B. die ganzen rappelvollen Bücherregale in einen anderen Raum zu stellen – das ist schon etwas herausfordernd. Und das ist genau genommen exakt die Herausforderung, vor der ich gerade stehe. Jetzt gerade. Jedenfalls sobald ich nicht am Schreibtisch sitze und intensiv arbeite. Ich tippe hier quasi seit Stunden gegen die Plackerei des Möbelherumschiebens an, das ist einmal eine ganz neue Motivation und übrigens auch ein grandioses Heilmittel gegen Schreibblockade. Tippeditipp! Ach, was bin ich fleißig, ich bin die reinste Textameise, die Sätze perlen wie aus einer stetig sprudelnden Quelle. Ab und zu guckt die Herzdame um die Ecke und fragt, ob ich Zeit habe. Nein, ich habe keine Zeit, ich muss ja schreiben. Herrje, was muss ich alles schreiben. Ich muss sehr, sehr viel schreiben, es ist geradezu unfassbar, wieviel ich schreiben muss. Sollten heute noch zwanzig Artikel hier erscheinen – Sie wissen Bescheid.