Gelesen, vorgelesen, gesehen, gehört im Mai

Gelesen

Sarah Kirsch: Juninovember

Juninovember

Die Prosatexte von Sarah Kirsch kann man schwer erklären, da geht es um wenig, und es passiert fast nichts. Sarah wohnt so herum, altert, betrachtet das Wetter, freut sich über die Jahreszeiten und ihre Folgen, kommentiert den Literaturbetrieb aus ihrer ländlichen Zurückgezogenheit, und ist, wie immer in diesen Texten, etwas koboldhaft vergnügt in ihrem ziemlich weltentrücktem Alltag. Besuch kommt und geht, ab und zu ein Satz über die Nachrichten. Mehr nicht. Und doch gibt es kaum Bücher, die in mir so eine unbändige Lust wecken, auch einmal, zumindest vorübergehend, genau so zu leben. Irgendwo am Arsch der Heide, ohne Stress, Deadlines und Hektik. Nicht gerade für immer, aber so als Sabbatical würde ich das wirklich mittlerweile ganz nett finden. Einfach mal wieder stundenlang Natur ansehen, Blümchen und Schafe und guck mal, die Wolken. Irgendwas über den Herbst schreiben, über den Sommer, über die Übergänge, die Rückfälle und Fortschritte der Jahreszeiten. Oder über Regentonnen, warum auch nicht. In Ruhe denken. Egal, ich kann mir kein Sabbatical leisten, wegen der Kinder geht es ohnehin nicht. Vielleicht in zehn Jahren.

Juni – Gedichte. Herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell

Juni-Gedichte

Ich bin mir nicht ganz sicher, woran es liegt, aber das fand ich diesmal ganz furchtbar langweilig. Entweder meine Lyrikphase ist gerade durch – oder der Sommer ist einfach zu nett für interessante Gedichte. Da ist womöglich schlichtweg zu viel in Ordnung, da passt alles so nett zusammen, und das Wetter ist auch noch passabel. Gähn.

Lutz Seiler: Kruso

Kruso

Das fängt sehr gut an und lässt, das klingt fast wie ein Scherz, ich weiß, dann doch schwer nach, sobald die titelgebende Figur auftritt. In einer Amazon-Rezension steht die schöne Formulierung, der Roman sei “streckenweise esoterisch vermumpft”, dem möchte ich mich dann doch anschließen. Irgendwo am Ende des ersten Drittels aufgegeben.

Kurt Held: Die rote Zora

Die rote Zora

Das würde man vielleicht eher bei “Vorgelesen” erwarten, das steht hier aber ganz richtig. Das wollte ich nämlich mal kurz anlesen, um zu sehen, ob es für Sohn I schon passt und zack – komplett festgelesen. Dieses Buch war vermutlich der erste richtig dicke Roman, den ich damals als Kind selbst gelesen habe, vielleicht mit acht oder neun Jahren. Und ich erinnere mich noch sehr gut, wie mich der Anfang mit der sterbenden Mutter damals beeindruckt und verwirrt hat, das hat mich wochenlang beschäftigt und verfolgt. Und wie das Buch dann immer lichter und spannender wurde, wie komplett ich beim Lesen in diesem dalmatischen Dorf gelebt habe, wie genau ich das alles vor mir gesehen habe, wie atemlos ich die Abenteuer miterlebt habe und wie schnell dann doch der dicke Wälzer geschafft war – und wie schwer es war, danach ein anderes Buch zu finden, das im Vergleich nicht enttäuschend war. Sohn I ist lebhaft interessiert, es geht dann wohl demnächst mit der Vorleserunde los.

Bram Stoker: Dracula. Ohne Übersetzerangabe. Das wollte ich gar nicht lesen, das war ein Versehen. Da war nämlich Sohn II auf meiner Brust eingeschlafen und ich kam nur an das iPad und dort mit einem Finger nur an genau dieses Werk in der E-Book-Bibliothek und da dachte ich, ach, warum nicht. Es fällt ja vermutlich auch unter Bildungslücke, das nicht zu kennen. Und für ein Versehen ist es dann doch sehr unterhaltsam. Auch interesssant: Bram Stoker in der Wikipedia.

Vorgelesen

Otfried Preußler: Hörbe mit dem großen Hut – eine Hutzelgeschichte

Hörbe

Das hat die Herzdame vorgelesen, ich habe es nicht gehört. Aber die Söhne waren beide sehr angetan.

Roald Dahl: James und der Riesenpfirsich. Illustriert von Quentin Blake, Deutsch von Inge M. Artl und Kai Ohlen

Das kam hier schon einmal vor, aber so ist das, wenn der kleinere Sohn größer wird – da muss dann einiges wiederholt werden. Und da die Herzdame das erste Vorlesen verpasst hatte, hat sie es jetzt vorgelesen. Und nun finden wir es also endlich alle gut. Nach wie vor eine große Empfehlung.

Dorothee Haentjes & Philip Waechter: Schaf ahoi!

Schaf Ahoi

Ein wunderbar norddeutsches Bilderbuch über Schafe auf einer Hallig, die nachts ausbüxen und mit dem Kahn des Bauern aufs Festland fahren. Einmal richtig Spaß haben! Aber wie kommt man zurück? Kinder mit Wattenmeererfahrung können mit nachdenken, Kinder mit Deichschafkenntnis wissen auch, in welchem Tonfall die Schafmama nach ihrem Jungen ruft. Und diesen Tonfalll, den muss man dann beim Vorlesen auch genau treffen, versteht sich.

Sara Pennypaker: Stuarts Cape. Illustriert von Martion Matje, übersetzt von Brigitte Kälble

Stuarts Cape

Stuart ist Experte im Sorgenmachen, das ist ein wenig hinderlich im Alltag. Die Lage ändert sich allerdings deutlich, als er sich aus einhundert Schlipsen und einer lilafarbenen Socke ein Cape zusammenschneidert. Denn wie Fachleute wissen: coole Abenteuer erleben nur Leute mit Cape. Auch für Erstleser ganz gut geeignet, die haben so ein überaus entzückendes Erstaunen über absurde Witze – “Das steht da wirklich?!”

Thilo (Text) und Jörg Hartmann (Bilder): Agent Andy Action, der Fall blaue Hornissse

Agent Andy Action

Nachdem ich neulich über diese Reihen der Erstlesebücher geschimpft habe, hier die Ausnahme, zumindest aus Sicht von Sohn I. Andy Action ist super, ein jugendlicher Geheimagent mit Wahnsinnsausrüstung und wahnsinnig tollen Computerkenntnissen, der im Auftrag der CIA Verbrecher jagt und, eh klar, in Rekordzeit zur Strecke bringt. Mit im Glossar erklärten englischen Fachausdrücken. Das Buch fand er dann doch so spannend, dass er glatt über die Englischhürden hinweg gelesen hat – und so soll es ja auch sein.

Gesehen

Weil es zu “Gesehen” passt – sehr praktisch fand ich die Flimmo-App, die über Fernsehsendungen für Kinder informiert. Wie geeignet, für welche Altersgruppe – für Haushalte ohne Programmzeitschrift ist das wirklich nützlich. Für Apple und Android und Browser verfügbar.

Gehört

Das ist nun seltsam, und es passiert mir auch gar nicht so oft, aber ich bin in diesem Monat nirgendwo hängengeblieben, habe nur etwas ratlos hier und da herumgeklickt, in tausend Sachen hineingehört und doch nichts gefunden. Alles doof. Musik im Mai, nichts dabei.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Es geht um den Teil der Wirtschaft, mit dem fast alle fast jeden Tag etwas zu tun haben, es geht um den Handel. Und wir fangen mit dem Klaus-Faktor und der Henne Berta an, mit zwei Fachbegriffen, die so nicht im Lehrbuch stehen. Aber wenn man sich mit der Kunst des Räumungsverkaufs befasst, dann kommt man an diesen Begriffen vielleicht nicht vorbei.

Da geht es also um das Scheitern des stationären Handels. Auf die Frage, ob dieser Handel überhaupt noch eine Zukunft hat, gibt es eine ganz einfache Antwort, sie heißt Ja und Nein. Dazu ein Streitgespräch bei der brandeins.

Wobei dieses Streitgespräch noch erhellender wird, wenn man gleich noch einen zweiten Text aus der brandeins dazu nimmt, nämlich einen über einen sehr, sehr erfolgreichen Onlineshop.

So weit, so überaus kompliziert. Wir können uns aber auch einfachere Themen ansehen, etwa die Sache mit den Selbstbedienungskassen. Also die Kassen sind einfach, das Funktionsprinzip kann man sich wohl halbwegs vorstellen. Schwieriger ist wohl die Frage – warum benutzt die eigentlich jemand? Und wie finden das die Angestellten in den Läden?

Das Faszinierende am Handel ist oft, dass hinter den Kulissen sehr viel passiert, von dem man nicht die leiseste Ahnung hat. Hätten Sie die Größe der Firma Fuchs richtig eingeschätzt? Vermutlich nicht. In den Kommentaren unter dem Text geht es auch um bestrahlte oder nicht bestrahlte Ware, da nähern wir uns schon dem, was uns hier so oft umtreibt, dem richtigen Einkaufen.

Und beim richtigen Einkaufen geht es immer wieder um Fair Trade, um die Frage, ob das nun der korrekte Weg ist oder nicht. Dazu eine neue Reportage aus Tansania.

Fair oder nicht fair, bio kaufen wir auf jeden Fall, gar keine Frage, und auf der Suche nach gutem Gemüse sind wir natürlich auch alle (dazu übrigens mehr bei den Krautreportern). Und was bio ist, das erkennt man an irgendeinem Siegel auf der, genau, Verpackung. Das war jetzt gerade ein Text aus dem Supermarktblog, einer ausgezeichneten Quelle, wenn man sich für die Abgründe und Hintergründe des täglichen Einkaufs interessiert. Da verlinken wir gleich noch einen Text, weil er so wundervoll passt, da geht es um die Veggie-Produkte bei den Discountern, die hat man vielleicht bei den Abstechern zu Aldi oder Lidl schon selbst gesichtet. Ruhig auch die Kommentare lesen! Gar nicht uninteressant.

Und wie schon in der letzten Woche bei einem ganz anderen Thema können wir auch in dieser Woche kurz nach Frankreich sehen. Was machen die da nun schon wieder? Sie erlassen Spendenverpflichtungen für nicht verkaufte Lebensmittel. “Die Bundesregierung sieht in dem Vorstoß kein Vorbild für Deutschland”. Natürlich nicht.

Wobei abgelaufene oder fast abgelaufene Lebensmittel auch als Handelsware durchaus interessant sind. Und in Wien kann man sich, das ist auch eine faszinierende Idee, besonders wenn man oben den Text von den Krautreportern gelesen hat, hässliches Gemüse nach Hause liefern lassen. Warum auch nicht.

Und zum Schluss wie fast immer noch der Link für den Freundeskreis Fahrrad – da gibt es ein Update zum Solarradweg, wir hatten den Link vor einiger Zeit.  Der macht sich nämlich ganz gut.

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