Woanders – diesmal mit Wearables, Wildschweinen, Weckern und anderem

Technik: Die Wearables wollen ins Bett und ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Allein die Vorstellung, wie das Ding Daten sammelt und analysiert und dann womöglich noch Vergleichstabellen ausspuckt! Wo die Daten doch da sind – das ist ja genau wie bei der Vorratsdatenspeicherung.  Was man hat, wird auch genutzt, alles andere glaube doch bitte kein Mensch. “Bitte geben Sie eine neue Partnerin ein”. “Diese Partnerin unter Favoriten speichern?” Das liefert für einen Stand-Up-Comedian doch Stoff für einen ganzen Abend, wenn nicht für eine Woche. “Diese Stellung ist in deinem Land nicht verfügbar.” 7 Stunden Akkulaufzeit hat das Teil! Man möchte sofort Witzeschreiber fürs Fernsehen werden, möglichst mit Jahresvertrag. Ob es auch so grandiose Push-Nachrichten schickt, wie andere Sport-Apps? “Zeige allen Deinen Freunden, wie schnell Du bist – jetzt teilen!”  Diese Möglichkeiten! Eine absurder als die andere. Ich kriege mich gar nicht mehr ein.

Familie: In der FAZ ein Artikel über Rollenklischees und warum die Mütter mit den Kindern basteln. Alles ziemlich klar, was da steht – und immer wieder verblüffend, wie  vielen das offensichtlich vollkommen unklar ist.

Sport: Ha, schon wieder eine Sportmeldung! Das wird noch eine feste Rubrik, wenn das so weitergeht. Es geht um die Abschaffung der Bundesjugendspiele, alles weitere hier.

Gesellschaft: Thomas Fischer über Zufälle und Wildschweine, man möchte fast sogar sagen: besonders über Wildschweine. Ein grandioser Text.

Schule: Die SZ über den zu frühen Schulbeginn. Das ist so ein Thema wie die Sommerzeit oder die Bundesjugendspiele – alles wissen, dass es totaler Quatsch ist, eine Änderung werden wir dennoch nicht mehr erleben.  Irgendwie auch faszinierend.

Feuilleton: Im Skizzenblog wird die schöne rhetorische Figur Hendiadyoin gut und schön erklärt.

Feuilleton: Die Welt erklärt, dass E-Book-Singles nicht funktionieren. Für mich funktionieren sie auch nicht, ich hatte bis zu diesem Text nicht einmal den Begriff je gehört. Also als Begriff funktionieren sie schon mal gar nicht. Inhaltlich sehe ich allerdings nicht, warum das nicht funktionieren soll, besonders bei den Fortsetzungsromanen finde ich die Entwicklung ganz logisch. Der Dickens der Moderne wird das vielleicht genau so machen wie der Klassiker, alles schubweise verkaufen, alle paar Wochen oder Monate frischer Text. Warum auch nicht. Ein durch und durch nachvollziehbares Geschäftsmodell.

Feuillleton: Jugendgefährdende E-Books dürfen nur nachts verkauft werden. Hihi. Und in diesem Fall muss man darauf bestehen, “Hihi” als qualifizierten und vollkommen  ausreichenden Kommentar zu betrachten.

Hamburg: Kirchen zu Kitas. Das ist doch mal eine sinnvolle Umwidmung sakralen Raums.

 

Shopping

Die Herzdame ist nach wie vor vom Ehrgeiz besessen, die Wohnung bis hin zum Idealzustand zu verschönern – was auch immer dieser Idealzustand eigentlich sein mag, ich weiß es gar nicht. Sie hat so ein Bild im Kopf, sagt sie. Ich kann aber nicht in ihren Kopf gucken, deswegen ist mir nicht klar, was bei der Renovierung herauskommen soll. Ich kann nur immer wieder auf ihren Computer gucken, auf dem sie mir Möbel zeigt, die für gewisse Ecken der Wohnung vielleicht in Frage kommen.

Das sind Möbel, die man online bestellen kann, man kann ja mittlerweile alles online bestellen, aus einer schier unfassbaren Auswahl. Dieses Übermaß an Angebot führt dazu, dass für den sehr übersichtlichen Wandmeter hinter meinem Schreibtisch eine geradezu unendliche Anzahl Kommödchen in Frage kommt, immer noch eine und noch eine. Ich sehe teilweise nicht einmal mehr die Unterschiede zwischen den nahezu identischen Möbeln, worauf hin die Herzdame streng guckt und an meinem Verstand zweifelt: “Die Fassung der mittleren Schublade ist doch unten einen winzigen Tick dunkler weiß als bei der anderen!” Ich habe aber vergessen, wie die andere aussah, wir sind gefühlt mindestens bei Modell Nummer 150. Ich habe längst keine Lust mehr auf Möbelseiten, ich könnte mir auch einfach eine Apfelsinenkiste oder einen Pappkarton hinter meinen Schreibtisch stellen, wie damals in der WG. Ging doch auch!

Der ganze Onlinehandel geht mir überhaupt auf die Nerven, ich finde Auswahl immer anstrengender. Um endlich und tatsächlich eine Kommode zu kaufen, brauchen wir eigentlich einen Shop mit ganz kleiner Auswahl und am besten auch keiner Beratung, die verwirrt nur. Reingehen, auf eine von den beiden vorrätigen Kommoden zeigen, bezahlen, rausgehen. Das ist mein Traum.

Ach, das gibt es? Ach, das heißt Ladengeschäft? Dann gehe ich da mal hin. Einer muss ja wieder damit anfangen.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)