St. Georg hilft: Zum Beispiel Zia vom Bieberhaus

Ich bin Zia. Ich komme aus Afghanistan und bin neunzehn Jahre alt. Ich bin seit August 2012 in Deutschland. Ich habe hier erst ein Jahr Sprachkurse besucht, dann habe ich in Lüneburg meinen Hauptschulabschluss gemacht. Jetzt bin ich in Hamburg und mache meinen Realschulabschluss, danach möchte ich gerne Erzieher lernen. Und wenn ich die Chance bekomme, mache ich auch noch Abitur in einer Abendschule. Ich bin seit September hier am Hauptbahnhof bei der Flüchtlingshilfe dabei. Ich bin oft ab 14 Uhr hier. Manchmal bis neun Uhr abends. Als die Hilfe noch draußen auf dem Platz war, war ich manchmal auch noch länger hier. Jetzt findet alles im Bieberhaus statt, das schließt um neun Uhr abends.

Zia vom Bieberhaus

Zia vom Bieberhaus

Ich habe in Hamburg viele Leute kennengelernt, viele Afghanen, viele Deutsche. Wir haben hier sehr viel geholfen, wirklich sehr viel. Wenn wir nicht da wären, die Stadt müsste ganz viele Leute einsetzen, um hier zu helfen. Ich helfe hier, weil ich selber in so einer Situation war. Ich kann die Leute, die hier kommen, gut verstehen. Auch wenn sie traurig sind, auch wenn sie einmal unfreundlich sind. Ich verstehe alle ihre Probleme, ich habe alles selber erlebt. Hier im Bieberhaus am Hauptbahnhof können Kinder betreut werden, es gibt Essen und Getränke und die Menschen können beraten werden.

Ich bin nach Hamburg gezogen, weil es hier viele verschiedene Kulturen gibt. Ich mag Hamburg sehr. Es gibt viele nette Menschen hier und man kann sehr viel unternehmen.

Weitere Informationen zum Bieberhaus.

Für die Hilfsinitiativen hier im kleinen Bahnhofsviertel kann man weiterhin spenden. Es kommen jetzt deutlich weniger Geflüchtete, aber Hilfe ist weiterhin nötig. Für die Suppe, die den Geflüchteten am Bahnhof gereicht wird, die Nachtquartiere, für etwas Hilfe auf dem Weg. Spendenbescheinigung auf Wunsch möglich! Vielen Dank.

Gelesen: Christoph Peters – Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln

Der Herr Peters ist mir bisher noch gar nicht über den Weg gelaufen, obwohl der recht produktiv ist. Das war ein reiner Zufallskauf am Bahnhof, da war noch etwas Zeit über bis der Zug kam und zack, hat man noch ein Buch mehr, Sie kennen das.

Das Buch habe ich auf einer Zugfahrt in Richtung Ostsee gelesen, und das war situativ bemerkenswert gut eingerichtet, denn an selbigem Gewässer spielt die Handlung des Romans. Ein japanischer Meister der altehrwürdigen Töpferofenbaukunst besucht ein winziges Kaff an der provinziellen holsteinischen Küste, um für einen deutschen Keramikkünstler einen Anagama-Holzbrandofen nach uralten Regeln zu bauen, damit eine bestimmte Traditionslinie japanischer Töpferei dort fortgesetzt werden kann. Weder hat der Meister Ahnung von Europa oder Deutschland, noch haben die Nachbarn der Baustelle oder das begleitende deutsche Filmteam irgendeine Ahnung von japanischen Riten oder japanischer Handwerkskunst, es stoßen also Welten zusammen. Das wird aber kein banaler Slapstick, obwohl der Meister zum Entsetzen seiner Gefolgschaft bald eine absonderliche Vorliebe für Mettbrötchen und Schnaps entwickelt und die Kneipenwirtin des Ortes sich so gar nicht an die japanische Etikette hält. Es ist auch kein schwiemeliger Esoterikklimbim, obwohl geisterhafte Folgen lang vergangener Ereignisse auch eine gar nicht so kleine Rolle spielen. Auf dem Cover steht “Humoreske”, ich finde, es ist eine gut erzählte, sehr fachkundig wirkende und auch amüsante Auseinandersetzung mit zwei höchst unterschiedlichen Auffassungen von Regeln, Handwerk, Handlungen, Tradition und Kunst.

Und da geschieht dann noch etwas ziemlich Wundersames bei der Lektüre, wie es bei guten Büchern manchmal vorkommt: Die Sache mit der Keramik, die wird dann doch sehr interessant, geradezu spannend. Obwohl das sonst ein Weglaufthema erster Klasse für mich ist, geh mir bloß weg mit Töpferei, das ist doch alles komatös langweiliges Kunsthandwerk, das geht wirklich gar nicht. Aber in diesem Roman: ach guck, das ist ja interessant! Schon nett, was Literatur so kann. Von Christoph Peters dann demnächst noch mehr .

Eine Empfehlung übrigens auch für Menschen, die mit der Hand arbeiten, selbst wenn es dabei nicht um Töpferei geht. Einige Passagen, besonders zur Ausbildung im Handwerk, dürften auf jeden Fall interessant sein.