12 von 12 im Mai

(The same procedure: 12 von 12 hier generell erklärt, die anderen Mai-Ausgaben von vielen, vielen Bloggerinnen findet man hier. Ich neige dabei zum Schummeln und trickse oft mit eingebauten Videos statt Bildern. Schlimm.)

Ich beginne den Tag mit dem Sisyphos-Syndrom der modernen Eltern, denn Steine herumzurollen ist irgendwie total vorchristlich, das macht man so nicht mehr, man sammelt jetzt im Kinderzimmer Bügelperlen auf. Der Effekt ist exakt gleich.
 

Danach Frühstück beim Portugiesen, also im zweiten Wohnzimmer, wo man jeden kennt, aber morgens nur reden kann, nicht reden muss. Das ist also sogar besser als im ersten Wohnzimmer, fällt mir gerade auf.

Danach schlendere ich mit der Herzdame über den Wochenmarkt und wir tun zehn Minuten lang so, als hätten wir Zeit, wie so ein entspanntes Pärchen aus einer Lifestyle-Zeitschrift. Das fühlt sich schon nett an, leider muss ich aber marktbedingt die ganze Zeit an den fürchterlichen Begriff Wechseljuicer denken, das stört doch sehr (wer das Wort nicht kennt, bitte auf eigene Gefahr googeln).

Dann geht es ins, nun ja, architektonisch reizvolle Hammerbrook. Und zwar mit der Bahn, weil ich auf dem Markt zu viel Zeit vertändelt habe, um noch zu Fuß gehen zu können. Schlimm.

Es folgen sechs Stunden im Büro. Ich denke nebenbei unentwegt darüber nach, mit welchem Symbolbild ich diese Zeit hier illustrieren kann. Mit fällt aber nichts ein.

Auf dem Rückweg gehe ich an dem vorbei, was Hammerbrook dann doch tatsächlich zu bieten hat: Wasser.

Da ich bei diesen Temperaturen meine Ernährung auf Wassermelone umstelle, gehe ich bei Sönmez vorbei. Wie das Schattenselfie beweist: “Ich habe eine Wassermelone getragen”. Quasi Baby Buddenbohm, und wer das jetzt nicht verstanden hat, der muss wirklich erstaunlich jung sein. Ob ich aber am Abend noch mit der Herzdame Hebefiguren übe – ich weiß ja nicht, wir haben beide Rücken.

Dann folgt der Bügelmarathon der Woche.

Wobei mich die Leserin Frau Z. aus H. nach meinem Podcastgejammere neulich darauf hingewiesen hat – ich habe nämlich durchaus fürsorgliche Leserinnen, das ist sehr erfreulich – dass man beim Bügeln auch gut Podcasts hören kann. Recht hat sie! Ich werde mehr und besser bügeln müssen. Frau Z. aus H. ist übrigens auch beruflich fürsorglich, denn sie ist Inhaberin der unlängst hier bereits bejubelten Villa Dorothea. Nein, keine bezahlte Werbung, reine Überzeugung. Gutes Haus, das.

Ich habe aber dann doch keine Podcasts gehört, ich habe einen Film gesehen. Das sollten Sie auch, und zwar den hier:

Das ist nicht gerade leichte Unterhaltung, da muss man aber durch, das ist nämlich das berühmte Mindeste, was man tun kann. Und hinterher reicht es dann wieder für etwas mehr, so ist zumindest der Plan.

Ich wechsele danach aber erst einmal ohne jeden sinnvollen Zusammenhang zu einem Lied, das mir gestern beim Tanzen im Lindy-Hop-Kurs wieder eingefallen ist. Lange nicht mehr gehört, das Stück, da sehe ich dann gerne bei Youtube nach, ob es einen Film dazu gibt. Gibt es tatsächlich:

Ein wunderbares Lied, wobei die Version, in der es jener Mann singt, der es geschrieben hat, noch besser ist. Das war Hoagy Carmichael, der in seiner Variante noch etwas besser rüberbringt, dass es halbgesprochen beginnt. Es ist ein Liedchen, aber ein recht kunstvoll gestaltetes. Man hört die Stimmung ganz genau, dieses wunderbare Gefühl, reichlich oder auch zu viel getanzt zu haben, sehr müde zu sein, vielleicht doch noch zwei, drei Schrittchen swingen zu können – oder doch lieber in einem Arm einzuschlafen – das ist ganz bezaubernd eingefangen. Es swingt so halb, es swingt also perfekt, es ist ein Tanzsehnsuchtslied. Man könnte einen sehr, sehr langsamen Lindy-Hop dazu tanzen, einen geradezu albern langsamen, und es würde genau passen.

Auf Spotify gibt es endlos viele Versionen des Liedes, auch die von Hoagy Charmichal, auch die von Fats Waller, auch die von Sammy Davis Jr., ich habe hier eine Playlist angelegt, fast zwei Stunden nur dieser Song. Ja, ich bin seltsam, ich weiß. Und übrigens! Eine fast spekatkuläre Erkenntnis nebenbei, es ist ein Lied, bei dem Dean Martin seine Version völlig vergeigt hat, wirklich schlimm. Dass der überhaupt irgendwas einmal nicht großartig singen konnte!

Wo war ich? Auf Youtube, genau. Zufällig sah ich nach dem Film zum Lied noch eine Tanznummer mit James Cagney und Bob Hope, die darf hier jetzt auch nicht fehlen:

Und, ich springe hier seltsam hin und her, aber egal: In meiner Playlist zu “Two sleepy people” gibt es auch eine Version von Carsie Blanton, die überhaupt wunderbar ist. Und die wiederum hat einen Song, der ganz ausgezeichnet zu einem heißen Tag in einer heißen Dachgeschoßwohung passt, also zu meinem Nachmittag heute zum Beispiel: Sweet Lorraine. Sehr, sehr entspannt, man möchte sofort auch in so eine Hängematte.

Entspannt geht es auch weiter, das Feierabendbier findet im Park statt. Daher kein Craftbeer, sondern eine konventionelle Marke.

Im Park dreht sich alles um die Panini-Karten, Kinder und Erwachsene tauschen hin und her, zahlen, klauen, es blickt ohnehin keiner mehr durch. Sohn II ist darauf gekommen, dass man mit gesammelten Pfandflaschen Geld vedienen kann, er braucht im Park nur zehn Minuten Suche für einen Euro in Pfand, ein Euro reicht für die nächsten Karten. Sein Geschäft läuft.

Da die Kinder bis zur letzten Minute tauschen, entfällt das gesunde Abendbrot, es wird Ersatz beschafft.

Und auf dem Heimweg darf ich wieder aktuelle Straßenkunst erklären. Es ist kompliziert.

Damit genug für heute, ich gehe gleich noch zu einer Lindy-Hop-Party, so viel Spaß muss sein. Danach werde ich aber sicher zu kaputt sein, um noch etwas zu bloggen.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In der taz blickt man zurück auf die Anfänge der Kundendatenauswertung in Unternehmen, da geht es um Versicherungen in den USA und Daten auf Karteikarten. Und um die Interessen der Versicherer, diesmal in Deutschland, geht es u.a. auch in einem anderen taz-Artikel, der sich mit dem Thema “Demografie als Angstmacher” beschäftigt.

Wie auch immer die Alterung sich auf den Staat auswirkt, umbauen kann man ihn ja schon einmal, er hat eh eklatante Schwächen.

Dazu ein etwas überraschender Vorstoß der Welt: “Nur das Grundeinkommen kann den Sozialstaat retten.” Die Schlagzeile hätte man womöglich eher der taz zugeordnet, es ist etwas kompliziert. In Kenia forscht man währenddessen an diesem Grundeinkommen noch herum, und zwar immerhin zehn Jahre lang. Ziemlich erhellend in diesem Zusammenhang ist auch eine weitere Meldung aus der Zeit, in der die drei gängigen Modelle des Grundeinkommens erläutert werden, nämlich in neoliberaler, humaner und sozialistischer Ausprägung.

Beim Nachdenken über das Grundeinkommen ist man vom Begriff Glück zumindest nach Meinung einiger nicht mehr weit entfernt, dazu haben wir noch etwas zu den  vermeintlich glücklichsten Menschen der Erde, also zu den Dänen.

Und beim folgenden Link geht es zugegebenermaßen gar nicht um Wirtschaft, in diesem Gespräch von Sibylle Berg, Peter von Matt und Lukas Bärfuss fällt aber der auch für uns hier interessante Satz: “Kulturpessimismus ist keine mögliche Haltung.” Denn wenn man schon gedanklich beim Glück ist, braucht es wohl auch Optimismus. Und für das Grundeinkommen brauchen wir den wohl ebenfalls.

Zum Schluss aber wie fast immer der Link für den Freundeskreis Fahrrad, diesmal geht es um Menschen, die beruflich in der Share Economy Rad fahren: “Radeln against the machine”.

GLS Bank mit Sinn