Woanders – Mit Nummer 66, WLAN, Bombentrichtern und anderem

19 Übersetzungen des Sonnets 66 von Shakespeare. Keine einfache Übung, wie es aussieht.

Pia Ziefle über die Freunde ihrer Kinder und das WLAN. Soweit sind wir hier noch nicht, aber vermutlich kommen wir da bald an.

Ein Kriegserlebnis im Wald. Das geht übrigens auch auf Helgoland, dieses Gewahrwerden des Grauens vor Bombentrichtern.  Die unheimlichsten Orte, die ich in der Hinsicht besucht habe, waren aber die Invasionsstrände an der französischen Atlantikküste, auf denen man gar nichts von Bomben und Krieg sieht, wohl aber fühlt. Wenn Weltgeschichte irgendwo herumspukt, dann da. Man steht und ahnt das Grauen, es ist so eine stephenkingmäßige Wahrnehmung des Bösen, Ungeheuerlichen und Abgründigen, und wenn man danach noch an den Bunkerresten in den Dünen vorbeispaziert oder an den Kriegsgräbern vor den kleinen Orten –  a faint cold fear thrills through my veins, um noch einmal den Dichter von oben anzuführen.

Hier mal auch die Kommentare lesen, sehr interessante und sachliche Diskussion um die Frage, was noch bei den Eltern lebende Kinder in der Ausbildung wohl zur Miete etc. beizutragen haben.

Gunther Dueck über Pokémon Go und über die Schulaufgaben.

Die Holzleiter im Herbst. Und mit Quitten habe ich noch nie irgendwas gemacht.

Ein Interview mit Joschka Fischer, dessen Lebens- und Neigungsverlauf für mich immer noch einer der interessantesten in der deutschen Politik der letzten Jahrzehnte ist. Und zwar sowohl im positiven wie auch im abschreckenden Sinne. Wie es bei Menschen mit anständigen Brüchen eben so ist.

Die Welt über sechs unlesbare Romane, die man gelesen haben muss. Davon gelesen: keinen. Den Mann ohne Eigenschaften immerhin gerade heruntergeladen und siehe da, den Anfang kenne ich. Daran bin ich also doch schon einmal gescheitert. Bisher auch nicht gelesen: Krieg und Frieden. Aber Herr Wells empfiehlt es sehr. Vielleicht etwas für den November. Ist ja gleich.

Die FAZ über den Abschied vom Sie. Mein Umfeld ist natürlich nicht repräsentativ, das ist ein persönliches Umfeld nie, aber ich stelle immerhin fest, dass um mich herum das Sie auf einem ziemlich schnellen Rückzug ist, man könnte es fast schon ungeordnete Flucht nennen. Auch so ein Thema, zu dem ich nicht einmal eine Meinung habe. Das ist eben so. Fertig.  

In der NZZ ein geradezu ungeheuerlich langer Text von Sloterdijk über Luther und Lyrik, Religion und Philosophie, kein leichter Stoff. Und nachdem Sloterdijk in der letzten Zeit mit befremdlichen Positionen aufgefallen ist, sucht man in seinen Texten immer nach falschen Klängen und rechtem Geraune, ich sehe hier aber nichts – oder ich habe es überlesen, das kann bei um den Schreibtisch tobenden Kindern auch immer vorkommen. Wenn man einen Kamin und einen Sessel und mehr Ruhe als ich greifbar hat und mal wieder etwas tiefgründiger herumdenken möchte – der Aufsatz ist wohl geeignet. Wer das alles nicht greifbar hat, springt vielleicht dennoch wenigstens kurz zu dem Absatz, in dem es um die Abendlieder von Claudius bis Rühmkorf geht, der unterhält auch – und gar nicht schlecht.

Wir sind in Nordostwestfalen, es regnet, es windet, die Söhne kauern vor dem Kamin, Zeit für Herbstmusik: