Beifang vom 29.01.2017

Passend zu meinem vorletzten Text hier im Blog: Frau Berg über die Demokratie.

Ebenso passend: Felix Schwenzel über alles und die Aufmerksamkeit, die wir vielleicht besser auf andere Themen richten sollten. “wir sollten nicht am trumptower rütteln, sondern bessere buden bauen. wir sollten trump nicht ignorieren, sondern mehr aufmerksamkeit auf alternativen lenken, praktisch und intellektuell.” Und irgendwie könnte man jetzt beide Texte im Kopf verbinden und dann von da aus konstruktiv weiterdenken, aber das ist nur ein Konjunktiv, denn tatsächlich muss ich jetzt die Kinder ins Bett bringen und Käpt’n Blaubär vorlesen, das erfordert eine ganz andere Art des Nachdenkens.

Ansonsten Lasagne gemacht, und zwar genau so. Einer von den nur sehr wenigen Tagen im Jahr, an denen allen Familienmitgliedern das Abendessen geschmeckt hat, man muss auch die positiven Dinge vermerken.

Jetzt nur noch schnell etwas für den Freundeskreis Insel, es geht um die Farben auf Helgoland. Vorsicht, Fernwehbilder.

Der Knacks

Ich lese in Roger Willemsens “Der Knacks”, da geht es um die kleinen und sehr kleinen Momente, in denen das Leben die Richtung wechselt. Es ist ein interessantes Buch, es wird darin grundsätzlich zwischen dem Knacks und dem Bruch im Leben unterschieden. Es geht Willemsen eher um die feinen Haarrisse im Alltag, nicht um die heftigen Umbrüche, das ist eine sinnvolle, richtige und nachvollziehbare Betrachtung. Für Roger Willemsen war sie sogar so sinnvoll, dass er sie auf immerhin 290 Seiten erklärt hat, da staunt man zuerst etwas, wenn man den Klappentext liest. Das ist mir prinzipiell sympathisch, über eine eher klein erscheinende Idee so lange nachzudenken, doch, das finde ich gut. Es ist mir aber streckenweise doch ein wenig zu fein geraten, zu intellektuell, zu distanziert von allem. Bücher in diesem Tonfall lösen bei mir immer einen gewissen Dosenbierdurst aus, um es mal geradezu willemsenmäßig bildhaft auszudrücken, Reaktanz gibt es eben auch bei der Lektüre. Aber egal, darum geht es gar nicht.

Es geht um ein Zitat, das ich in diesem Buch gefunden habe, ganz unvermutet. Ich habe nun gar keinen Hang zu goldenen Zitaten und außerdem eine mittelschwere Kalenderspruchallergie, es ist daher selten, dass mir einzelne Sätze wirklich auffallen, im Gedächtnis bleiben und dann sogar wieder zitiert werden wollen, hier mache ich aber doch einmal eine Ausnahme. Weil es so ein hervorragender Trostsatz für alle Eltern ist, die gerade eine dieser Phasen durchmachen, Sie wissen schon. Für Eltern also, deren Nachwuchs auf welche Art und bei welchem Thema auch immer gerade etwas speziell ist, auffällt, weit über oder auch deutlich unter irgendwelchen Ansprüchen liegt, irgendwie anders, seltsam, erstaunlich oder herausfordernd ist, Umwege nimmt, bei was auch immer nicht mitspielt, also einfach gerade charakterlich interessant wird, um es kurz zu fassen. Es handelt sich um einen Satz eines großen Pädagogen, und nein, es ist diesmal nicht Jesper Juul, Jesper Juul kann ja jeder, es ist der andere: Frank Zappa, warum auch nicht. Er wusste vermutlich ganz gut, wovon er sprach: “Je langweiliger das Kind, desto mehr Komplimente bekommen die Eltern.”

Über den Satz habe ich mich erstaunlich lange gefreut, da gab es wohl einen gewissen Bedarf an dieser Art der Betrachtung. Einen Bedarf, den es sicher ab und zu in jeder Familie gibt, einen Bedarf, den andere Eltern vielleicht auch jetzt gerade haben – weswegen ich den Satz nur mal eben teilen wollte. Bitte, gerne.