Kleine Anmerkung zu Storm

Als ich neulich bei einem meiner quartalsweise vorkommenden Versuche, mich doch noch mit dem Medium Hörbuch anzufreunden, den Anfang von Storms Schimmelreiter nachgehört habe, hat sich ein Verdacht bestätigt, den ich schon länger hatte, den zu verifizieren ich aber in den letzten Wochen nie Zeit oder Gelegenheit hatte. Es ist nämlich tatsächlich so, dass die Geschichte vom Schimmelreiter einen immerhin dreifach gestaffelten Erzählrahmen hat. Ein Erzähler erzählt einem Erzähler, was ihm ein Erzähler erzählt hat. Oder nein, genau genommen erzählt der Erzähler, wie er als Kind ein längeres Stück in einer Art Zeitschrift gelesen hat, in dem jemand erzählt, wie ihm etwas in einer Sturmnacht in einem Wirtshaus an der Nordsee erzählt wurde, wobei übrigens nicht einmal endgültig klar wird, ob der Erzähler auf der dritten Stufe die Geschichte im Dorf selbst mitbekommen oder womöglich auch nur erzählt bekommen hat, von wem auch immer.

Und man merkt das als Leser gar nicht, wenn man nicht sehr genau aufpasst, man sitzt da wie in einer Zaubershow und bekommt den Trick nicht mit, obwohl man doch weiß, dass gleich getrickst wird. Man gleitet so in den Bericht hinein und ist nach wenigen Minuten ganz auf der Höhe des Geschehens, im Scheinwerferlicht nur noch Hauke Haien, der Deiche modelliert und darüber nachsinnt. Die Erzähler treten alle drei zurück ins Dunkel, bis man sie schnell ganz vergessen hat, obwohl doch zumindest einer von ihnen durch seine Begegnung mit dem Schimmelreiter erheblich zum Wahrheitsgehalt der Geschichte beiträgt. Das hat er schon verdammt gut gemacht, der olle Storm, so ein kompliziertes Konstrukt erst auf der Bühne zu inszenieren und dann umgehend wieder verschwinden zu lassen, das ist äußerst gekonnt eingefädelt.

Oder, wie es die Berufsschüler ausdrücken würden, die vormittags kiffend vor unserer Haustür herumlungern: “Respekt, Digger. “