Beifang vom 25.04.2017

Gut erzählte Geschichten findet man auch an ungewöhnlichen Orten, etwa in einer Analyse der von Melania T. geposteten Fotos.

Ein Text über das Eistauchen in Finnland. Schön lang.

Da hier neulich der Polizeibericht Nordfriesland vorkam und manche vielleicht noch zweifeln, warum der Unterhaltungswert haben soll – bitte.

Frau Schmitt fährt Zug und sitzt ganz vorne. Ein Protokoll von Nora Gomringer.

Ein Interview mit Reinhard Mey.

Generell muss man auch die Wochenberichte bei Vierpluseins empfehlen. Diesmal mit einem Absatz über offensive Väter, wozu ich anmerken möchte, dass ich gerade mit einem kranken Kind eine Woche zu Hause war und damit jetzt die Mutter aller offensiven Väter bin. Nämlich.

Passend zum Wetter lese ich kühle Literatur: Agnes von Peter Stamm. Ein Buch bei dem man ausgezeichnet frieren kann, wirklich passend. Es ist ein seltsames Kompliment, aber doch, es kommt hin, denn manchmal ist ein kaltes, präzise konstruiertes Buch genau richtig, besonders wenn Kälte darin eine Rolle spielt. Dabei habe ich übrigens eine Bildungslücke geschlossen, es war mir gar nicht klar, dass es bei der Wikipedia so dermaßen detaillierte Buchbeschreibungen gibt. Abgefahren.

Der Musikclip fällt heute etwas länger aus. Erst singen Al Jarreau und Nancy Wilson, auch schon keine schlechte Besetzung, dann kommt Ella Fitzgerald auf die Bühne und singt nach ein paar Sätzen ebenfalls. Man sieht einigen prominenten Menschen im Publikum die fortschreitende Verzückung deutlich an – und man kann es auch nachvollziehen.

Die Herzdame testet: Bettwäsche (Werbung)

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die mittlerweile ziemlich gut schläft und nun auch noch Bettwäsche testen darf.

Wie Ihr wisst, gibt es gelegentlich Reklame im Blog, die gekennzeichnet werden muss, das hier ist so ein Fall.

Vor einiger Zeit durften wir die Eve-Matratze testen, worüber ich mit Begeisterung hier und hier geschrieben habe. Im Langzeittest hatte ich mich allerdings darüber beklagt, dass unsere aktuellen Bettlaken nicht ausreichend sind für die besonders hohen Matratzen und diese ständig zu sehen sind. Woraufhin ich sofort Bettwäsche zur Behebung des Problems zugeschickt bekommen habe. Und auch zum Testen, was ich natürlich gerne mache.

Und obwohl ich mich gefreut habe, konnte ich die neue Bettwäsche nicht sofort aufziehen. Im Winter bin ich ein fürchterlicher Frostköttel und brauche mindestens zwei bis drei Decken, dicke Wollsocken und meine flauschige Kuschelbettwäsche. Deshalb musste die neue Bettwäsche zum Frühling warten. Nun war es endlich soweit.

Beim Auspacken der Wäsche kam uns Sohn 2 zur Hilfe. Wie immer, wenn es um Haushaltsdinge geht, ausgesprochen hilfsbereit und zupackend. Und wie immer mit schmutzverschmierten Schokoladenfingern. Großer Aufschrei aus zwei Elternmündern: „FASS DAS NICHT AN! Die gute, WEISSE Bettwäsche!“ Das Kind bekam dann erst mal Schlafzimmerverbot, aber das Problem lässt sich schon etwas erahnen.

Ich habe das Bett dann probehalber damit bezogen, bin reingeschlüpft und war sofort angetan: ah, wie weich, wie anschmiegsam! („Anschmiegsam“ ist in meinen Augen ja so ein schreckliches Unwort in schlechten Werbetexten, aber hier trifft es die Sache echt. Da fällt mir auch nichts anderes zu ein.) Der Gatte stand daneben und hat erst mal nur gewettert „weiße Bettwäsche mit Kindern, so ein Quatsch!“ Da hat er schon recht, die Bettwäsche ist sehr weiß, sogar so weiß, dass die weißen Gardinen gar nicht mehr weiß sind im Vergleich dazu und dringend gewaschen werden müssten, damit das Ensemble wieder passt.

Aber sie ist auch wirklich schön, schlicht und schön. Ich finde, unser Schlafzimmer sieht damit gleich viel mehr nach Wohnzeitschrift aus, allein durch die Bettwäsche. Und sehr weich ist sie. Das musste der Gatte dann auch nach der ersten Nacht zugeben. Das liegt wahrscheinlich an der Perkal-Webart, mit der sie hergestellt ist (nicht dass ich Ahnung davon hätte). Bei weißer Bettwäsche denke ich automatisch an Hotelbettwäsche, die dann zwar meistens auch schön aussieht, aber so glatt und kalt und ungemütlich ist. Anders als unsere Neue, die ist gemütlich.

Laut Hersteller soll der Stoff kühlend sein, was die Wäsche gerade im Sommer interessant macht. Aber so lange wollte ich mit dem Testen jetzt auch nicht warten. Die ersten Nächte konnten wir die Kinder noch aus dem Bett fernhalten, aber auf lange Sicht müssen wir uns da noch was überlegen, wie wir die Wäsche länger als 24 Stunden fleckenfrei halten können.

Fürs Erste habe ich ein absolutes Popelverbot im Bett ausgesprochen, sowie das Verbot im Bett zu essen oder zu trinken. Außerdem ein Verbot mit schmutzigen, blut- oder schokoladenverschmierten Händen, Füßen, Mündern oder Gesichtern ins Bett zu kommen. Ebenso bei Krankheiten wie Magendarm oder mit Schnoddernasen. Dafür, dass ich weiterhin meinen Kaffee morgens im Bett trinken darf, brauche ich zugegebener Maßen noch eine gute Begründung. Aber da wird mir schon etwas einfallen.

Man kann die Bettwäsche als Set, bestehend aus Spannbettlaken, Bett- und Kissenbezug bestellen oder auch einzelne Produkte, was gerade bei den Kissen wichtig ist. Im Übrigen braucht man für die Bettwäsche auch keine Eve-Matratze oder Kissen, es gibt die Bezüge und Laken auch in normalen Standardmaßen.

Für Menschen, denen Ikea-Bettwäsche in der Regel ausreicht, ist der Preis vergleichsweise hoch. Aber wenn man mal schlafen möchte wie eine Königin (oder ein König), dann unbedingt die Eve-Bettwäsche ausprobieren. Auch hier drin kann man 30 Tage probeschlafen, was in der Regel in normaler Bettwäsche nicht möglich ist.

Wenn ihr noch mehr wissen wollt, geht es hier zum Hersteller.

Fazit: Eine ausgesprochen schöne, gemütliche und hochwertige Bettwäsche. Aber eine schmutzresistente Elternausgabe in Schlammfarben wäre auch ganz praktisch.

Hilo

Ein Text von Jojo Buddenbohm, neun Jahre alt, auch bekannt als Sohn I.

Hilo ist ein Comic für Kinder ab etwa acht Jahren. Judd Winick hat Text und Bilder gemacht, Deutsch von Aranka Schindler. In dem Buch fällt ein Roboterjunge auf die Erde, er lernt hier einen Jungen kennen, das ist D.J.

D.J, denkt, dass er nichts richtig gut kann, außer mit Gina befreundet zu sein. Aber alle aus seiner Familie können etwas gut, deswegen ist das besonders blöd. Und Gina ist viel schlauer als er. Hilo weiß nicht mehr wo er herkam und wer er ist. Er wird von einem bösen Kampfroboter verfolgt und D.J. und Gina helfen ihm dann.

Das Buch finde ich spannend, lustig und sehr gut gezeichnet. Ich freue mich schon auf den zweiten Band, der ist auch schon erschienen. Wir haben hier einen englischen Film mit dem Zeichner gefunden, er hat das Buch für seinen Sohn gemacht:

Beifang vom 22.04.2017

Bei Read on gibt es Erscheinungen. Es gibt so Tage.

Bei Novemberregen kann man nachlesen, wie das Denken vom Leben abhält, bzw. vom richtigen Bus.

Über Finnland, das Schweigen und die Eigenzeit. Eigenzeit ist ein schönes Wort, das hätte ich gerne auf ein Kissen gestickt.

Cem freut sich, dass seine Söhne nicht ins Büro wollen und ich glaube, ich würde mich darüber auch freuen, was natürlich tief blicken lässt, schon klar. Aber das hat bei uns alles noch Zeit. Hier wurde mir gerade der Berufswunsch U-Bahn-Fahrer genannt, mit einer wirklich überzeugenden Begründung, die entweder von Intelligenz oder schwach ausgeprägtem Ehrgeiz oder von beidem kündet, warum auch nicht: “Da sitzt man den ganzen Tag so gechillt da und muss nur zwei Knöpfe drücken.”

Die besten Ideen kommen einem beim Schreiben, nicht beim Nachdenken. Stimmt natürlich, vergisst man aber leicht. Manche vergessen es auch täglich. Ähem.

Für die GLS Bank habe ich hier fünf ziemlich verrückte Links zum Wochenende zusammengestellt.

Und hier noch ein verrücktes Musikstück. Holly Cole mit Little Boy Blue.

Hier eine schöne, interessante und treffende Überschrift

Ich mache mit Sohn I Deutsch, da er in dieser Woche nicht in die Schule gehen konnte, es muss aber dennoch etwas gelernt werden. Er sitzt neben mir und schreibt mit Bleistift in sein Heft. Ich sehe, dass sie in der dritten Klasse schon am Schreibstil arbeiten. Sie sollen passende Überschriften finden. Sie sollen nicht jeden Satz gleich anfangen, sie sollen zumindest ab und zu Satzzeichen verwenden, sie sollen Adjektive einbauen und unbekannte Wörter nachschlagen. Der Pirat vergräbt einen Schatz, der Pirat vergräbt einen wertvollen Schatz. Einen kostbaren, goldenen, großen, riesigen, tollen Schatz, was auch immer. “Ich habe ein Theaterstück gesehen.” “Ich habe ein interessantes Theaterstück gesehen.”

Das Wort interessant hätte mir ein gewisser Lehrer auf dem Gymnasium damals als Ausdrucksfehler angemerkt, sinnloses Fremdwort. “Was war denn interessant an dem Theaterstück? Haben Sie dabei vielleicht etwas gelernt, was Ihnen übrigens kaum schaden könnte? Dann war es lehrreich! Nicht interessant! Sprachfaulheit ist das! Denken Sie nach, denken Sie länger nach! Dann erst schreiben!“ Das klingt heute wie etwas aus der Feuerzangenbowle, das war aber so. Derselbe Lehrer im Geschichtsunterricht: “Sie wissen nichts von Demokratie, junger Mann, Sie faseln doch nur davon!” Aus heutiger Sicht wird dieser Satz mit jedem Jahr immer, äh, interessanter.

Die Aufforderung, Adjektive irgendwo einzubauen, ist natürlich seltsam, wenn man schon einmal ein Manuskript irgendwo eingereicht hat, aus dem dann etliche Adjektiv rausgeflogen sind. Zu blumig! Schlichter! “Es war eine dunkle und stürmische Nacht.”

Und ich sagte, er sagte, sie sagte, wir sagten. Im Deutschunterricht muss das gewandelt werden, das ist so zu langweilig, ich flüsterte, er murmelte, sie flehte, wir stellten fest und so weiter, mit beiden Händen in den Wortschatz und dann ordentlich herumwühlen. Alle modernen Romanautoren murmeln währenddessen im warnenden Chor: “Sagte, sagte, sagte.”

Aber schon richtig, erst einbauen, dann ausbauen, man bastelt so am Text herum. Mal klingt es so, mal klingt es so. Welcher Text klingt besser und warum? Lies nochmal vor. Was will man überhaupt sagen? Wie war es denn nun wirklich im Theater, worauf kam es an? Für wen schreiben wir überhaupt? Ich bin sicher, das haben wir in der dritten Klasse noch nicht so gemacht. Und ich finde es hervorragend, wie sie das heute angehen, es ist anders als bei uns, die Kinder werden mehr zum Denken verleitet. Wir haben damals in Deutsch Nacherzählungen geübt, man bekam eine 1, wenn der eigene Text genau der vorgelesen Geschichte entsprach. Einmal sollten wir uns dann doch eine Geschichte ausdenken, irgendwas, ganz ohne Vorlage. Da stand bei mir in roter Schrift drunter: “Zu viel Phantasie”. Kein Scherz. Im Grunde bin ich heute noch deswegen beleidigt.

“Papa, jetzt tippe ich meinen Text eben in Word ab, okay?”

“Nanu, warum das denn noch?”

“Hallo? Da hab ich dann doch die Rechtschreibkorrektur?”

Doch, sie lernen heute wirklich ziemlich anders. Ich finde das ja spannend.