Osterspaziergang 2017

Die Söhne haben Inline-Skates zu Ostern bekommen, die waren lange überfällig, die alten Exemplare taugten seit Monaten nichts mehr. Mit neuen Inline-Skates muss man natürlich auch fahren. Die Sonne scheint, obwohl am Himmel schwarze Wolkengebirge in einer Geschwindigkeit verschoben werden, die man sonst nur von der Nordsee kennt. Aber wir haben Glück, wir fahren unter Wolkenlücken über nordostwestfälische Straßen. Links und rechts von uns regnet es auf den Feldern am Horizont, hinten regnet es, vorne regnet es, nein, es kübelt. Wir aber fahren durch strahlenden Sonnenschein und unter einem schmalen Streifen tiefblauen Himmels, der nasse Asphalt glitzert diamanten, die Apfelbäume am Straßenrand blühen blendend weiß, die Birnbäume dazwischen auch. Die Birken beblättern sich gerade in diesen Stunden maigrün, man kann förmlich zusehen, wie alles im Vorbeifahren immer grüner wird. Wir fahren durch knallige Farben, wir fahren zwischen den Schauern durch ein jähes österliches Leuchten. Und durch Eiseskälte, das auch.

Die Söhne fahren auf ihren Inline-Skates, ich fahre auf Schwiegermutters Fahrrad. Als die Söhne nach ein paar Kilometern – immerhin! – nicht mehr können, hängen sie sich hinten an das Fahrrad, erst Sohn I, dann Sohn II, der sich an den Bruder krallt. So ducken wir uns gegen den Nordwind und fahren als Zug Schlangenlinien über die Landstraße, weil Schlangenlinien Spaß machen und weil überall Schlaglöcher sind. Der Regen kommt von hinten näher und ich fahre ein wenig schneller, so schnell wie es eben geht, wenn zwei Kinder auf Inline-Skates an einem hängen. Sohn I I fällt auf, dass wir dabei alle drei die gleiche Haltung haben, diese unter dem Wind weggebückte Krümmung. Und er schreit von hinten, dass wir jetzt gerade wie die Entwicklungsstufen eines Pokémons aussehen, mit mir als stärkstem Exemplar. “Ist das gut?” frage ich keuchend beim Strampeln, weil ich mich mit Pokémons nicht richtig auskenne, aber ich kann die Antwort nicht hören, sie wird vom immer weiter auffrischenden und auch drehenden Wind plötzlich ostwärts verweht. Ich nehme einfach an, es ist gut: Papa ist am stärksten entwickelt.

Natürlich ist das gut, das hört man doch.

Beifang vom 16.04.2017

Im Landlebenblog geht es um den Geruch der Heimat. Mir fällt zu meiner Heimat Lübeck gar kein Stadtgeruch ein, vielleicht abgesehen vom dicken Zuckermandelduft im Verkaufsraum bei Niederegger und vom kühlen Moderhauch in den großen Kirchen, Backsteingotikaroma. Sonst verbinde ich Gerüche eher mit Travemünde, wo ich später gewohnt habe. Verrottender Tang und faulende Muscheln, das klingt nicht schön, aber das riecht wie Heimat, also gut. So riecht es auch nicht überall am Meer, wie man vielleicht meinen könnte. Die Nordsee etwa riecht ganz anders, da liegt so etwas wie Tang einfach nicht lange genug herum, durch dieses ewig unruhige Hin und Her dort.

Hier geht es um das Kochen für Sterbende.

Und hier um tote Kaninchen.

Herr Spiegel denkt wieder auf nicht witzigen Tweets herum.

Eine Kritik an der Performance von Theatern auf Instagram. Kritik an Verlagen könnte man da zwanglos anschließen. Man postet ein Cover und sagt: “Kommt im April”, dazu die Superlative vom Klappentext. Na toll. Ich würde mich über viel mehr Projekte wie den Resonanzboden freuen, da finden auch Inhalte statt. Man will doch lesen, wenn man sich für Verlage interessiert. 

Hier wird an die Legende vom heiligen Trinker erinnert, ein in der Tat wunderbares Buch von Joseph Roth. Schöne Osterlektüre auch.

Nach dem Ende eines Trinkers das Ende eines alten Hippies, wir lesen hier von einer ungewöhnlichen Beerdigung. Mit feiner Musik.

Ansonsten höre ich mich gerade in chronologischer Reihenfolge durch die Alben von Leonard Cohen (ohne die Live-Auftritte), während das Wetter in Nordostwestfalen immer schlechter wird. Und ja, ich kann das ab, niemand muss sich Sorgen machen. Es sind schöne Wiederentdeckungen dabei.