Ich bin etwas aufgeregt, ich habe tatsächlich einen Friseurtermin. Der ist zwar erst in zwei Wochen, aber Vorfreude ist angebracht. Das ist immerhin der erste Friseurtermin etwa seit dem Jahr 2002, das ist eine Weile her. Da waren einige mir näher bekannte Menschen noch gar nicht auf der Welt! So lange habe ich mir die Haare von der Herzdame mit einem Maschinchen jeweils raspelkurz oder ganz abschneiden lassen, die Älteren erinnern sich in diesem Zusammenhang vielleicht noch an die Szene mit dem Heiratsantrag, die vorübergehend zu vollständiger Glatze führte.

Und nun, im Jubiläumsjahr des Summer of love, ist es an der Zeit, wieder einmal den Look zu ändern, finde und beschließe ich. Also lasse ich wachsen und werde das von einem Profi in irgendeine Form bringen lassen. Der Weg zum Hippie führt über den Seitenscheitel. Das kann ich natürlich nicht erwähnen, ohne schnell an Maike Rosa Vogel zu erinnern, übrigens immer noch ein gutes Lied:

Wie bereits irgendwann erwähnt, muss man sich in meinem Alter ohnehin dauernd fragen, ob man noch einen persönlichen Stil pflegt oder längst altersstarrsinnig geworden ist. Daher ist es ganz gesund, hier und da etwas an den Grundeinstellungen herumzuspielen.

Ich beginne also das Projekt Frisur, ich kann sowieso nicht leben ohne irgendwelche Projekte. Und dieses hat einen wirklich charmanten Vorteil, man muss nämlich überhaupt nichts dabei machen. Man sitzt einfach so herum und verändert sich, wie deep ist das denn.

Und der Content wächst einem nebenbei auch noch zu, man kann über die Kleinigkeiten zwischendurch schreiben. So lachen sich die Söhne neuerdings jeden Morgen kaputt , nur weil ihr Vater sich die Haare bürstet. Ein Anblick, der ihnen bis vor einigen Wochen natürlich völlig unbekannt war. Es erschließt sich mir zwar nicht, was daran so witzig ist, aber bitte – Hauptsache Heiterkeit im Haus. Laut Sohn II sehe ich mit den schon etwas längeren Haaren im Moment aus wie eine haarige Melone. Ich bin gespannt, welch charmanter Vergleich ihm dann in einem halben Jahr einfallen wird. Sollte mir vor ihm eine weitere seltsame Ähnlichkeit mit Gemüse, Obst oder Viehzeug einfallen, breche ich das Projekt womöglich ab. 

Ich selbst lache eher darüber, dass ich mir mit Sohn I jetzt das Shampoo teile. Es handelt sich um ???-Shampoo, also Merchandisingzeug mit Bezug zur Hörspielserie. Nach dem Gebrauch, so steht es vielversprechend auf der Plastikflasche, löst man “aktiviert, erfrischt und mit wachen Sinnen” den nächsten Fall. Ich gehe daher jetzt morgens mit einem ganz neuen Lebensgefühl zum Schrottplatz, wollte sagen zur Arbeit. Aber im Grunde interessieren mich die drei Fragezeichen natürlich überhaupt nicht. Ich wäre eher ein dankbarer Abnehmer für literarisch gebrandetes Shampoo. Marcel Proust Hair & Body, natürlich mit leichter Feingebäcknote, und danach schreibt man dann entspannt den nächsten Band, so etwas in der Art. Doch, das würde ich kaufen. Thomas-Mann-Lotion für schönes Haar und Schachtelsätze. Oder Kafka-Conditioner für gar keinen Halt mehr, das wäre doch interessant? Aber ich repräsentiere bestimmt wieder keinen vielversprechenden Markt, schon klar. Will ich auch gar nicht, Märkte sind eh nichts für Hippies.

Egal. Peace. 

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