Hilo

Ein Text von Jojo Buddenbohm, neun Jahre alt, auch bekannt als Sohn I.

Hilo ist ein Comic für Kinder ab etwa acht Jahren. Judd Winick hat Text und Bilder gemacht, Deutsch von Aranka Schindler. In dem Buch fällt ein Roboterjunge auf die Erde, er lernt hier einen Jungen kennen, das ist D.J.

D.J, denkt, dass er nichts richtig gut kann, außer mit Gina befreundet zu sein. Aber alle aus seiner Familie können etwas gut, deswegen ist das besonders blöd. Und Gina ist viel schlauer als er. Hilo weiß nicht mehr wo er herkam und wer er ist. Er wird von einem bösen Kampfroboter verfolgt und D.J. und Gina helfen ihm dann.

Das Buch finde ich spannend, lustig und sehr gut gezeichnet. Ich freue mich schon auf den zweiten Band, der ist auch schon erschienen. Wir haben hier einen englischen Film mit dem Zeichner gefunden, er hat das Buch für seinen Sohn gemacht:

Beifang vom 22.04.2017

Bei Read on gibt es Erscheinungen. Es gibt so Tage.

Bei Novemberregen kann man nachlesen, wie das Denken vom Leben abhält, bzw. vom richtigen Bus.

Über Finnland, das Schweigen und die Eigenzeit. Eigenzeit ist ein schönes Wort, das hätte ich gerne auf ein Kissen gestickt.

Cem freut sich, dass seine Söhne nicht ins Büro wollen und ich glaube, ich würde mich darüber auch freuen, was natürlich tief blicken lässt, schon klar. Aber das hat bei uns alles noch Zeit. Hier wurde mir gerade der Berufswunsch U-Bahn-Fahrer genannt, mit einer wirklich überzeugenden Begründung, die entweder von Intelligenz oder schwach ausgeprägtem Ehrgeiz oder von beidem kündet, warum auch nicht: “Da sitzt man den ganzen Tag so gechillt da und muss nur zwei Knöpfe drücken.”

Die besten Ideen kommen einem beim Schreiben, nicht beim Nachdenken. Stimmt natürlich, vergisst man aber leicht. Manche vergessen es auch täglich. Ähem.

Für die GLS Bank habe ich hier fünf ziemlich verrückte Links zum Wochenende zusammengestellt.

Und hier noch ein verrücktes Musikstück. Holly Cole mit Little Boy Blue.

Hier eine schöne, interessante und treffende Überschrift

Ich mache mit Sohn I Deutsch, da er in dieser Woche nicht in die Schule gehen konnte, es muss aber dennoch etwas gelernt werden. Er sitzt neben mir und schreibt mit Bleistift in sein Heft. Ich sehe, dass sie in der dritten Klasse schon am Schreibstil arbeiten. Sie sollen passende Überschriften finden. Sie sollen nicht jeden Satz gleich anfangen, sie sollen zumindest ab und zu Satzzeichen verwenden, sie sollen Adjektive einbauen und unbekannte Wörter nachschlagen. Der Pirat vergräbt einen Schatz, der Pirat vergräbt einen wertvollen Schatz. Einen kostbaren, goldenen, großen, riesigen, tollen Schatz, was auch immer. “Ich habe ein Theaterstück gesehen.” “Ich habe ein interessantes Theaterstück gesehen.”

Das Wort interessant hätte mir ein gewisser Lehrer auf dem Gymnasium damals als Ausdrucksfehler angemerkt, sinnloses Fremdwort. “Was war denn interessant an dem Theaterstück? Haben Sie dabei vielleicht etwas gelernt, was Ihnen übrigens kaum schaden könnte? Dann war es lehrreich! Nicht interessant! Sprachfaulheit ist das! Denken Sie nach, denken Sie länger nach! Dann erst schreiben!“ Das klingt heute wie etwas aus der Feuerzangenbowle, das war aber so. Derselbe Lehrer im Geschichtsunterricht: “Sie wissen nichts von Demokratie, junger Mann, Sie faseln doch nur davon!” Aus heutiger Sicht wird dieser Satz mit jedem Jahr immer, äh, interessanter.

Die Aufforderung, Adjektive irgendwo einzubauen, ist natürlich seltsam, wenn man schon einmal ein Manuskript irgendwo eingereicht hat, aus dem dann etliche Adjektiv rausgeflogen sind. Zu blumig! Schlichter! “Es war eine dunkle und stürmische Nacht.”

Und ich sagte, er sagte, sie sagte, wir sagten. Im Deutschunterricht muss das gewandelt werden, das ist so zu langweilig, ich flüsterte, er murmelte, sie flehte, wir stellten fest und so weiter, mit beiden Händen in den Wortschatz und dann ordentlich herumwühlen. Alle modernen Romanautoren murmeln währenddessen im warnenden Chor: “Sagte, sagte, sagte.”

Aber schon richtig, erst einbauen, dann ausbauen, man bastelt so am Text herum. Mal klingt es so, mal klingt es so. Welcher Text klingt besser und warum? Lies nochmal vor. Was will man überhaupt sagen? Wie war es denn nun wirklich im Theater, worauf kam es an? Für wen schreiben wir überhaupt? Ich bin sicher, das haben wir in der dritten Klasse noch nicht so gemacht. Und ich finde es hervorragend, wie sie das heute angehen, es ist anders als bei uns, die Kinder werden mehr zum Denken verleitet. Wir haben damals in Deutsch Nacherzählungen geübt, man bekam eine 1, wenn der eigene Text genau der vorgelesen Geschichte entsprach. Einmal sollten wir uns dann doch eine Geschichte ausdenken, irgendwas, ganz ohne Vorlage. Da stand bei mir in roter Schrift drunter: “Zu viel Phantasie”. Kein Scherz. Im Grunde bin ich heute noch deswegen beleidigt.

“Papa, jetzt tippe ich meinen Text eben in Word ab, okay?”

“Nanu, warum das denn noch?”

“Hallo? Da hab ich dann doch die Rechtschreibkorrektur?”

Doch, sie lernen heute wirklich ziemlich anders. Ich finde das ja spannend.

Lamm und Skorpion

Tiere spielen in diesem Blog eher keine Rolle. Weder haben wir Tiere, noch ist in dieser Familie jemand in übertriebener Weise Fan irgendeiner Art.

Aber auch in tierfreien Wohnungen kommen Nachrichtenlagen vor, die Tiere thematisieren, in den letzten Tagen sogar gleich doppelt, siehe Überschrift. Der Skorpion befand sich hier um die Ecke in einem Hotelzimmer, genauer in einem dort abgestellten Damenschuh. Als die Besitzerin ihn morgens anziehen wollte, stach das Tier zu. Es war übrigens ein hochgiftiges Exemplar, die Dame kam in ein Krankenhaus, hat aber überlebt. Warum Skorpione Damenschuhe als Ersatzhöhle in unserem kleinen Bahnhofsviertel besiedeln, blieb dabei völlig unklar. Die Polizei fand dazu nichts heraus, den Klimawandel hat man diesmal bisher nicht im Verdacht. Interessant aber, dass der Skorpion in allen Hamburger Medien ausdrücklich in Schutz genommen wurde. In jedem Bericht wurde erläutert, dass er sich in einer eindeutigen Notwehrsituation befunden hat. Wenn jemand plötzlich mit vollem Gewicht auf einen draufsteigt, dann wehrt man sich eben. Da ist so ein Skorpion auch nur ein Mensch, Astrologen verstehen das sofort. Volles Verständnis allenthalben für das Tier also, es wurde auch nachträglich noch mit großer Zufriedenheit gemeldet, dass er glücklich und in Rekordzeit an einen neuen Besitzer vermittelt werden konnte. Es ist eben wirklich ein toleranter Stadtteil, unser kleines Bahnhofsviertel. Skorpione sind hier fremd, aber wenn sie schon einmal da sind, dann werden sie auch anständig behandelt.

Das Lamm dagegen kam im Polizeibericht Nordfriesland vor, wobei man zunächst fragen könnte, warum ich den Polizeibericht Nordfriesland überhaupt lese? Nun, zur Beruhigung natürlich. Da oben blockieren ab und zu Schafherden Züge der Regionalbahn, so etwas wird dann lang und breit gemeldet. Ich lese das ausgesprochen gerne, das hat auf mich so einen wohlig-entspannenden Landlust-Effekt, das mag ich. Oder jemand gerät am Stadtrand von Husum in eine Polizeikontrolle und hat dabei ein lebendes Lamm im Kofferraum. Das kostet 50 Euro und einen Punkt in Flensburg, um das als Warnung gleich noch erwähnt zu haben. Der Herr war, man sollte auch bei dieser Meldung um Gerechtigkeit bemüht sein, Bauer, und er fuhr das Lamm zum Tierarzt. In seinem Golf. Ich nehme an, der Kofferraum war da aus Gründen der Schafanatomie schlicht praktischer als der Beifahrersitz. Und ich nehme weiter an, dass der Fall eilig war und besser geeignete Transportmittel gerade nicht verfügbar waren, vermutlich war die Frau des Bauern mit dem Trecker zum Güllen auf dem Acker. So etwas in der Art, man muss ja nicht einmal besonders phantasiebegabt sein, um hier auf naheliegende Erklärungen zu kommen. Und dafür wird der Mann nun bestraft, ist das gerecht? Das ist Husum, das ist die klare nordfriesische Kante. Das Leben ist hart an der Küste. So spiegeln sich auch in Meldungen über Tiere die Charakteristika der verschiedenen Regionen, ist das nicht schön? Es ist.

Wie auch immer. Morgen wieder was mit Menschen.

Beifang vom 19.04.2017

Drüben bei der GLS Bank habe ich fünf Links zum Thema Architektur, ich weise besonders auf den Text zum Rasen ums Eigenheim hin. Ich mag solche Erklärungen.

Eine kleine Meldung nur, Frank Dostal ist gestorben. Den Namen hätte ich nicht parat gehabt, Sie vermutlich auch nicht. Er war u.a. der Texter von Baccara. Was mich daran erinnert, wie wir Kinder damals, etwa Ende der 70er, in den immer blau verräucherten und sowieso nie gelüfteten Kneipen, in denen die Erwachsenen Korn und Bier wegkippten, Skat spielten und würfelten, an den Tischen und an der Bar um Markstücke gebettelt haben. Mit Markstücken konnte man an der Jukebox fünf Lieder auswählen. Dann wurde der Raum, in dem es bis dahin sterbenslangweilig war, in dem man immer nur wartete, dass die Eltern endlich gehen wollten, plötzlich überraschend laut und basslastig beschallt, dann war auf einmal Disco, manchmal sogar mit spontan tanzenden Erwachsenen. Und wenn man auch ein langsames Stück ausgesucht hatte, dann fielen die sich beim Tanzen in mitunter überraschenden Konstellationen um den Hals, ein paar Minuten lang. Nach dem letzten Stück wurde es dann schlagartig wieder ruhig, Umklammerungen lösten sich, alle setzten sich wieder hin. Man bestellte allgemein erst einmal noch einen, dann gab es eine Weile nur noch Gespräche, Gelächter und die Geräusche von Flaschen und Gläsern, dann rauchte man wieder eine. Bis jemand doch noch ein paar Münzen hervorkramte und sie einem gelangweilten Kind zuwarf, hier, mach nochmal was von Boney M oder Baccara oder so. Wenn man bei der Auswahl an der Jukebox versehentlich auf die falschen Tasten drückte, kam irgendein Schrott von Peter Alexander, “Die kleine Kneipe in unserer Straße”, das war schlimm. Für die paar Münzen hätten wir übrigens auch mehrere Handvoll Erdnüsse aus dem kugeligen Automaten auf dem Tresen oder sogar einige Runden am Flipper in der hintersten Ecke der Kaschemme bekommen. Wenn man das bedenkt, dann versteht man erst, wie wichtig die Musik war. Wir haben damals eben früh gelernt, wirklich schwere Entscheidungen im Leben zu treffen.

Na, egal, das ist alles lange her. Plötzlich Lust auf Erdnüsse. Schlimm.