Die Herzdame hortet: Gerümpel

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die ganz neue Züge an sich entdeckt.

Wie hier im Blog kürzlich bekannt gegeben wurde, haben wir nun einen “Strebergarten“ (Zitat Söhne) und es ist faszinierend, was 700 qm Grünfläche mit einem machen.

Im Frühling keimte die Idee, dass wir gerne einen Garten hätten, auf die Idee erfolgte auch umgehend der Beschluss. Und wenn der Gatte etwas beschließt, dann duldet das keinerlei Aufschub, es muss sofort in die Tat umgesetzt werden. Nach anfänglichen Enttäuschungen, weil es dann für unser Gefühl nicht schnell genug ging, hat es jetzt aber doch ziemlich flott geklappt und ICH habe am Sonntag den Pachtvertrag unterschrieben. Ich weiß, ich weiß, bei anderen dauert das mitunter Jahre. Und dazu ist ein Garten auf der Billerhuder Insel noch wie ein 6er im Lotto. Aber ich finde, ich darf auch einmal Glück haben.

In dem Moment, wo der Strebergarten-Beschluss gefasst wurde vollzog sich über Nacht ein Wandel in mir und ich fing an zu horten. ALLES! Auch wenn der Gatte schon lange behauptet, ich hätte ein Messie-Syndrom, aber das ist natürlich Quatsch. In der Vergangenheit habe ich regelmäßig unseren halben Hausstand verschenkt.

Sogar kurz vor der Sache mit dem Garten hatten wir gerade noch unsere alten Matratzen und andere Dinge an Bedürftige verschenkt. Und nun hätten wir alles doch selbst gebrauchen können. Was habe ich geflucht! Jetzt jedenfalls wird im Hause Buddenbohm nichts mehr weggeschmissen oder verschenkt, es wandert alles, alles in den Keller, wo sich die Schätze nun schon bis zur Decke stapeln. Man könnte es ja noch mal gebrauchen.

Letztens habe ich einen zweiten, kaputten Staubwedel wiedergefunden – super, kann man noch gebrauchen, kommt in den Keller. Unser alter, längst auseinandergefallener Balkontisch – perfekt, den kann man wieder kleben. Die bereits defekt gelieferte Bank, die sogar schon vom Hersteller erstattet wurde und die wir selbst entsorgen sollen – toll, da war ja nur die Rückenlehne durchgebrochen, sitzen ohne sich anzulehnen kann man bestimmt trotzdem drauf. Die bereits viel zu klein gewordenen und durchlöcherten Hosen und Schuhe der Jungs – ach, die sollen sich nicht so anstellen, für den Garten reicht es alles noch.

Auch im näheren Umfeld – brauchst du das nicht mehr? Dann gib her. Nicht mal das Erbe meines gerade verstorbenen Opas ist sicher vor mir – der kann die ganzen Werkzeuge in der Garage doch eh nicht mehr benutzen.

Auch der Schrott, den die Vorbesitzer in der Laube zurückgelassen haben, besteht aus wertvollen Schätzen. Die gammeligen Hirschgeweihe vor der Tür – boah, wie schön sind die denn! Die Glasvitrine im Gelsenkirchener Barock – kann man streichen. Selbst die Rolle Klopapier könnte man ja noch benutzen….

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Das Sammelsyndrom hatte schon angefangen bevor überhaupt klar war, dass es mit dem Schrebergarten klappt, wann es klappt und ob es überhaupt jemals klappt. Jetzt, nach Unterzeichnung des Pachtvertrags, hat sich die Situation aber erneut zugespitzt: ich verkaufe und verschenke nicht mehr bei Ebay-Kleinanzeigen, ich KAUFE. Das ist etwas, von dem ich nie gedacht hätte, das es möglich ist.

Normalerweise bin ich absolut kein Schnäppchenjäger, dazu ist mir die Zeit zu schade. Ich empfinde es auch als Zumutung, mit dem Auto quer durch die Stadt zu fahren, um etwas zu kaufen, wofür andere Leute keine Verwendung mehr haben. Ich hasse Autofahren, ich lasse lieber schicken. Und dann diese Haustürgeschäfte – woher weiß ich denn, ob ich nicht über den Tisch gezogen werde?

Mit dem Garten sind jetzt aber endgültig alle Hemmungen gefallen, wir fangen ja bei Null an und brauchen noch alles. Wie der Gatte hier sagen würde „wir hatten ja nichts“. Also habe ich sofort Suchaufträge bei Ebay-Kleinanzeigen eingerichtet und immer wenn mir nun die neusten Treffer gemeldet werden, bin ich ganz aufgeregt, es könnte ja was Brauchbares dabei sein. Sogar Findlinge hätte ich fast gekauft, wenn der Gatte nicht den Transport verweigert hätte.

So kam es auch, dass ich gleich am Tag nach der Unterschrift mit dem Auto quer durch die Stadt bis in den tiefsten Norden Hamburgs gefahren bin, um sechs Gartengeräte zu erstehen: zwei Spaten, eine Schaufel, eine Forke, ein Rechen und ein Dingens. Meine ersten eigenen Gartengeräte, ein geiles Gefühl! Für nur 20 €!

Und dabei bin ich auch noch durch Ecken der Stadt gekommen, von denen ich nicht einmal wusste, dass es die überhaupt gibt. Im August bin ich seit 20 Jahren in Hamburg und war z.B. noch nie in Hummelsbüttel. Wenn das so weitergeht, kann ich nächstes Jahr meine Taxifahrerprüfung ablegen. So ein Schrebergarten eröffnet einem eben ganz neue Welten, nicht nur im Garten. Wenn ihr zufällig noch Gartenzubehör loswerden wollt und in Hamburg wohnt, ich komme vorbei.

Jetzt habe ich aber keine Zeit mehr, ich muss Kleinanzeigen studieren.