Es macht ja nichts, dass ich nicht zum Bloggen komme, vermutlich verwandelt man sich als Garteninhaber sowieso und geradezu zwangsläufig in einen Saisonblogger, der nur noch in der dunklen Jahreszeit stoßweise Texte aller Art absondert und sich bei den ersten warmen Sonnenstrahlen prompt wieder ins Beet verabsentiert, so wird es doch wohl sein, daran müssen wir uns alle gewöhnen. Na, wir werden sehen. Es windet und regnet jedenfalls heute, man möchte keinen Kleingärtner vor die Tür jagen, also schnell ein paar Zeilen! Wirr und unsortiert wie im Naturgarten, mehr geht aber trotz des Wetters nicht, denn ich muss gleich noch Kinder von A nach B bringen. Ich muss gefühlt überhaupt immer Kinder von A nach B bringen. Das ist mittlerweile bei mir so drin, wenn man mich nachts um drei weckt, ich bringe sofort ein Kind von A nach B, es wird schon passen. Eltern verstehen das, nehme ich an.

In der Zwischenzeit wurde die olle Laube auf unserem Gartengrundstück immer noch nicht abgerissen, der Termin scheint aber doch näher zu rücken. Spaßeshalber haben wir daher Sohn II erlaubt, die alte Hütte “ein wenig zu schrotten”, wie er es formulierte, und sind schon wieder zum Schluss gekommen, dass man niemals die Leistungsfähigkeit motivierter Kinder unterschätzen sollte, besonders dann nicht, wenn sie zum Geburtstag gerade einen richtig guten Akkuschrauber geschenkt bekommen haben. Die Hütte steht nach seinem stundenlangen Einsatz zwar noch, ich würde aber lieber nicht mehr allzu fest dagegentreten.

In dem Teil des Gartens, der vermutlich nicht unter den Rädern des Baggers landen wird, verausgabe ich mich seit einigen Wochen ebenso kenntnislos wie einsatzfreudig. Der Herzdame wurde gerade von den Nachbarparzellen aus mitgeteilt, dass sie ja einen enorm fleißigen Mann habe, das verbuche ich dann mal als Erfolg des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts. Ha! Wobei übrigens festzustellen ist, dass sich gärtnerischer Fleiß in dieser Familie in ganz verschiedenen Ausprägungen äußert. Ich z.B. bin nach drei Minuten im Garten dreckig wie sonstwas, da ich dauernd irgendwo in den Beeten herumwühle, gärtnerisch bin ich eindeutig der Typ Erdferkel. Niemand fragt mich abends, ob ich im Garten war, jeder sieht es. Sohn II dagegen hat dauernd Werkzeug und Holz oder Steine in der Hand, das ist wohl eher die Baumeisterversion. Die Herzdame wiederum steht lange sinnend und natürlich dekorativ vor der alten Laube herum und denkt mit Plänen in der Hand über die neue Laube nach, das ist das Modell “Schöner Wohnen”. Oder eher “Landlust?” “Interior-Magazin”? So etwas in der Art. Sohn I fährt währenddessen auf dem Rad oder auf dem Waveboard von Parzelle zu Parzelle und besucht seine Freunde, wobei er immerhin gelegentlich Obst und andere Produkte der Natur von Garten zu Garten transportiert, quasi Modell Merkur. Na, jeder wie er will. Ich habe auch gar keine Zeit, die anderen lange zu beobachten, ich muss ja dauernd durch die Büsche robben und Löcher buddeln und Pflanzen reinstecken oder rausreißen. Was ein Spaß!

Wenn ich vom Gartenzaun aus angesprochen werde, habe ich schon die immer goldrichtige Antwort auf alles parat. Ich lerne schnell, ich kenne jetzt sozusagen den Dremel unter den Sätzen der Kleingärtner. Denn egal, um welche Pflanze es geht, man kann immer nach einem prüfenden Blick darauf “Muss ich mal schneiden” murmeln und damit ungeheuer kompetent wirken, das klappt verlässlich. “Die muss ich mal wieder schneiden”, sagte der alte Gärtner, zog an seiner Pfeife und sah die Rose lange an. Das ist immer ein stimmiges Bild, nicht wahr. Auch ohne Pfeife.

Im Controlling haben wir auch so einen Satz, fällt mir gerade ein, der heißt “Müssen wir mal separat auswerten”. Funktioniert immer tadellos, ganz egal, worum es geht. Und wenn man übrigens in “Muss ich mal schneiden” das Verb durch “kürzen” ersetzt, kann man den auch als Autor stets gut in Bezug auf jedes beliebige Werkstück anbringen. Oder als Änderungsschneider.

Überhaupt bringt einen so ein Kleingarten jedenfalls auch sprachlich voran. Ich habe gerade “Sie Flachwurzler!” in die Liste meiner absoluten Lieblingsbeschimpfungen aufgenommen und ich liebe das kürzlich neu gelernte Wort “Mulch” und das dazugehörige “Mulchen”. Es klingt so außerordentlich nett und liebevoll, so sorgend und pflegend. “Wir haben die Pflanze gemulcht”, hören Sie das? Murmeln Sie das mal probeweise, es ist wirklich ein einladendes Wort. Erst das beruhigend wohlige M, dann das sacht und dunkel vibrierende U, das einlullend langsame L und schließlich das sanft streichelnd verklingende CH. Das klingt zusammen warm und wonniglich, fast wie ein Wort aus dem familiären Assoziationsbereich. “Wir haben die Kinder gemulcht”, das klingt doch ganz eindeutig nach guten Eltern und Geborgenheit und Nähe und Attachment Parenting. Alle sollten ihre Kinder regelmäßig mulchen, nicht wahr, so kuschelig hört sich das an, das kann gar nicht falsch sein. Und dann stehen die Kinder da auf den Rindenschnipseln und wissen nicht, was das soll, aber der Boden um sie herum ist immer schön feucht. Egal.

Morgen mehr.

Vielleicht.

Je nach Wetter.

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