Es gibt Blogeinträge, die ich im Geiste vorformuliere, etwa abends im Bett oder morgens in der S-Bahn oder auch zu beiden Gelegenheiten. Manchmal mache ich das sogar tagelang immer wieder, weil ich ja nie zum Schreiben komme, aber doch gerne möchte, Sie kennen das. Dann schreibe ich eben nur im Geiste, aber das dann immerhin. Ich formuliere also so herum, ich versuche mir – sinnlos, aber ganz spaßig! – gute Einstiege zu merken, während ich in der Bahn vor dem Ausstieg warte. Und denke mir so, wenn Du mal Zeit hast, dann musst du das nur noch abtippen, was Du jetzt gerade gedacht hast. Easy.

Aber dann habe ich doch wieder keine Zeit und am nächsten Tag auch nicht, und irgendwann vergesse ich natürlich, überhaupt noch an den Text zu denken. Mit etwas Glück habe ich mir wenigstens irgendwo eine Notiz gemacht und ich kann sie sogar lesen und verstehen, dann fällt mir der Text später, sehr viel später wieder ein. Wenn ich aber richtig lange über den Text nachgedacht habe, kommt es mir manchmal auch überzeugend so vor, als hätte ich ihn tatsächlich schon geschrieben und veröffentlicht. Dann mache ich mein eigenes Blog auf und suche darin nach Stichwörtern. Was bei Texten zu eher allgemeinen Themen gar nicht so einfach ist, wenn ich keinen markanten Begriff verwendet habe. Oder verwenden wollte. Und je länger ich blogge, desto schwieriger wird das natürlich, weil ich immer mehr Suchergebnisse für eher allgemeine Begriffe erhalte, weil ich immer mehr schon erzählt habe. Es gibt mittlerweile Texte, die nie erschienen sind, weil ich sie theoretisch schon einmal geschrieben haben könnte. Es gilt zu vermeiden, Geschichten doppelt zu erzählen, das ist eine wirklich unschöne Vorstellung, wenn ich da einen Spitzenschwank aus dem Leben erzähle und zehn Leute kommentieren sofort: “Wissen wir doch schon.” Ein echter Bloggeralbtraum. Geschichten bewusst doppelt oder dreifach zu erzählen, das ist okay, Opa erzählt wieder vom Krieg, das kann durchaus seine Berechtigung haben. Aber aus Versehen? Um Gottes willen. Das ist ja schon beim Gespräch in der Kneipe schlimm genug.

Eben jedenfalls suchte ich gerade nach “Astschere” in meinem Blog, denn ich war mir nicht mehr sicher, ob ich die heitere Sache mit den drei Astscheren und dem Serienmörder und dem Mädchen in der S-Bahn schon erzählt habe, das heißt, ich war mir zwar nicht ganz sicher, aber doch ziemlich sicher. Und es ist irritierend, aber ich finde nichts mit “Astscheren”. Gar nichts. Die Geschichte ergibt ohne Astscheren aber definitiv keinen Sinn, und das ist so ein prächtiger Suchbegriff. Oder gibt es ein anderes Wort für Astscheren, habe ich die womöglich kunstvoll umschrieben? Baumzangen? Zweigknipser? Nichts.

Ich scheine bisher auch keinen Text geschrieben zu haben, der das Wort “Serienmörder” enthält, das ist fast schon erstaunlich, nicht wahr, nach all den Jahren. Also abgesehen von diesem hier, versteht sich. Wenn ich jetzt wieder nicht zu der Geschichte komme und dann irgendwann nach Astschere und Serienmörder im Blog suche, werde ich künftig nämlich immer diesen Text finden. Und dann muss ich nicht mehr länger nachdenken, dann kann ich einfach, zack, sofort die Geschichte aufschreiben. Die mit den drei Astscheren und dem Serienmörder und dem Mädchen in der S-Bahn. Genau so mache ich das, das klappt bestimmt. Nächstes Mal. 

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