Ich lerne nach wie vor viel Gartenzeug, das ist natürlich auch notwendig, da ich im Sommer bei Null angefangen habe. Nachdem ich mich mittlerweile in der Zentralbücherei einmal komplett durch die Gartenabteilung gefräst und wie damals zu Studienzeiten reichlich Notizen gemacht habe, nachdem ich mir auf Instagram Tausende Gemüsegartenbilder angesehen habe, denn bei dem Thema sind auch Bilder wirklich lehrreich, bin ich jetzt in der Youtubephase und sehe mir also Gartenvideos an. Viele.

Zu meiner Überraschung finden das auch die Söhne spannend, weswegen wir also zu dritt vor den Filmchem des Selbstversorgers Rigotti sitzen, vor Selfbio oder vor dem Gartenkanal usw., es gibt da einige zu finden. Bei den Söhnen liegt übrigens Rigotti weit vorne, der hat aber auch mit Abstand am meisten Geräte und Bastelmöglichkeiten. Und Hühner! Es wird hier zunehmend zum Problem, dass wir keine Hühner haben, zumindest nach Sohn II, aktueller Berufswunsch Selbstversorger und Gärtner. Der ist der Familie weit voraus und gedanklich schon beim Getreideanbau und Mühlenerwerb, weil man auch Brot unbedingt selbst machen sollte, findet er zumindest.

Von den deutschen Gartenvideos kam ich zu den englischen Gartenvideos, denn auch dort gibt es Schrebergärten, allotments. Vielleicht liegt es daran, dass ich ohnehin gerade sehr viel lerne, es macht mir plötzlich wieder Spaß, Vokabeln zu lernen. Beim Gartenvokabular habe ich größere Lücken, das kam alles so in der Schule nicht vor und in meinem späteren Leben erst recht nicht, aber jetzt freue ich mich über Begriffe wie comfrey tea oder, noch banaler, parsnips, das sind so Vokabeln, die habe ich längst vergessen.

Das finden die Söhne dann nicht mehr ganz so interessant, es schadet ihrer Allgemeinbildung aber auch nicht, wenn sie die Filme ab und zu bei mir mitbekommen, ganz im Gegenteil.

Ich: “Was machen wir jetzt?”

Sohn I: “A nice cup of tea.”

Die nice cup of tea aus den englischen Gartenvideos wird hier gerade zum Familienkult, es wird ein Winter mit unfassbar viel Tee in allen Varianten. Warum auch nicht, wir trinken jetzt vor allen Vorhaben erst einmal eine nice cup of tea, es entschleunigt ungemein.

Bei Sean James Cameron (Kanal hier) habe ich mich zuerst gewundert, wieso er zwischendurch völlig ungeniert seine Parzellennachbarin filmt, bis mir klar wurde, dass die auch Gartenyoutuberin ist: Vivi. Und Vivi hat eine Begeisterungsfähigkeit, die mich wieder an meine verstorbene Freundin J. erinnert, so Menschen, die sich vor Freude über eine Pastinake gar nicht mehr einkriegen, ich finde das ja sehr belebend. Hier ein beispielhafter Film von Vivi, in dem sie eine pappeinfache Suppe kocht, sich dabei aber über alles so freut – man möchte sie sofort als Nachbarin haben und ab und zu bei ihr in der Küche sitzen. Die Suppe muss schmecken, schon wegen der Freude, die sie daran hat.

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