Beifang vom 26.11.2017

Patricia über umgekehrte Adventskalender.

Hier kann man ein neues Blog entdecken, es geht in dem Artikel um die rückwärts gewandte Geschichte der Kopie und ich wette, es werden sehr interessante Artikel folgen. Zumal es auch um Suppe gehen soll, wie man hört.

Bestenfalls schwimmt Ophelia einfach zum Ufer und hängt ihr Kleid zum Trocknen auf und föhnt sich das Haar.” Es geht um Heimat und Geschichten, das ist ja immer interessant. Lang und gut.

Wolf Lotter über Strategie.

Da die Söhne jetzt beide Parkour machen, sehe ich mir im Moment öfter live Menschen an, die Sachen machen wie in dem folgenden Videoclip. Da sind ab und zu Bewegungen dabei, bei denen man sich als Zuschauer unwillkürlich fragt, ob man die als junger Mensch vielleicht auch für möglich gehalten hätte.


Ich habe heute Hamburger Rundstücke gebacken, das ist eine spezielle und leider aussterbende Brötchenart. Das Rezept kam aus dieser neuen Zeitschrift. Kann man machen! Gut sogar. Im Heft ist auch ein Beitrag von Stevan Paul. Ich habe noch eine andere Food-Zeitschrift gekauft, darin war auch ein Beitrag von Stevan Paul – und dann war ich kurz in Versuchung, sämtliche Food-Zeitschriften am Kiosk durchzublättern, einfach nur um zu sehen, ob er am Ende in allen vorkommt. Ist ja auch immer lesenswert!

Hamburger Rundstücke gebacken.

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Der Musiktipp kommt heute erstmalig von Sohn II, der hier alle stundenlang wahnsinnig gemacht hat, weil er unbedingt das Stück “Ohne Grieß” hören wollte. Ein französisches Lied, das wusste er, eher weibliche Stimmen. Twitter wusste die Antwort, Twitter weiß alles: Kids united mit “Ohne Grieß”. Also zumindest verstehen Achtjährige den Titel so.

Denkmalschutz, Blogstyle

Es ist schon ein paar Tage her, dass die Meldung “Hanseviertel soll abgerissen werden” die Hamburger verstörte, Das Hanseviertel, ich erkläre das kurz für Ortsunkundige, ist eine Einkaufspassage in der Innenstadt, sie stammt aus den Achtzigern des letzten Jahrhunderts. Der Bau ist, wie man nach dieser Meldung allenthalben hören konnte, “doch baulich noch gut”, er ist außerdem “gar nicht mal so hässlich”, wobei das letztgenannte Argument in Diskussionen um Einkaufszentren vermutlich nicht eben oft genannt wird.

Ein Bau mit gemauerter Ziegelfassade, das gibt es ja heute kaum noch. In der Wikipedia kann man nachlesen, dass die polnischen Maurer damals heimlich das Wort “Polen” in die Fassade gesetzt haben, indem sie dunklere Steine für diesen Kryptoschriftzug verwendet haben. Ich kenne allerdings keinen Menschen in dieser Stadt, der dieses Wort jemals dort gesehen hat, zumindest nicht vor Lektüre des Wikipedia-Artikels. Es gibt ferner ein Glockenspiel an der Fassade, das kann man historisierend kitschig finden oder auch nicht. Das Wort “historisierend” ist in dieser Stadt ein verlässliches Killerargument, wenn es um Architektur geht. Warum auch immer.

Einige reagierten betroffen und geradezu verstört auf die Nachricht vom geplanten Abriss, denn das Hanseviertel, das ist eben für viele auch ein Stück der eigenen Stadtgeschichte. Und wenn man es etwas genauer durchdenkt, fällt einem auf, dass die Achtziger vielleicht das erste Jahrzehnt überhaupt sind, das einfach komplett aus der Stadtgeschichte verschwinden wird. Niemand erhält diese Häuser. Die sind nicht mehr funktional, die entsprechen keinem vernünftigen Standard mehr, die sehen nicht mehr schick genug aus, die können weg. Ich sehe das in Hammerbrook, wenn dort Bürohäuser aus der Zeit eine Weile leerstehen, dann kommen sie gleich ganz weg. Neubau ist besser. Immer. Dreißig Jahre alte Häuser, es ist ein Trauerspiel der Baugeschichte, auch wenn die Bauten niemandem fehlen werden.

Beim Hanseviertel fragt man dann aber doch vorsichtig nach Denkmalschutz, weil das Ding doch irgendwie Stadtbild ist, weil es so prägend für ein Jahrzehnt ist, weil es “gar nicht mal so hässlich” ist, weil es “doch noch gut” ist. Und überhaupt, das gehört da doch einfach hin?

Und ich dachte dabei, man müsste als Blogger auch etwas zum Denkmalschutz beitragen, denn an den Gebäuden hängen Geschichten, in den Gebäuden waren die Geschichten. Die hat man ja miterlebt, jahrzehntelang ist man da doch mit wechselnder Begleitung durchgegangen und hat sich Arm in Arm in Schaufenstern gespiegelt, hat Kaffee getrunken, Kuchen gekauft oder Jacken anprobiert, hat in CDs reingehört und Shopping mal erstrebenswert und mal abstoßend gefunden. Und stand irgendwann kopfschüttelnd vor neu eröffneten Läden, die so ganz anders waren als früher, als damals. Noch teurer. Oder billiger. Oder zumindest irgendwie seltsam. Jedenfalls aber anders, jedenfalls aber falsch.

Als ich 1987 nach Hamburg zog, war das Hanseviertel schick, die Läden edel, die Leute elegant, ja, damals dachten wir das wirklich. Lebensstil rund um die Uhr, wie die Hamburger Arroganz es damals sang.

Unten im Mövenpick saß einer und spielte beruflich Klavier, es gab mal Zeiten, da war das etwas, die haben da einen Pianisten! Wie in so einem Grand Hotel! Whow. Dazu reichlich Messingblinbling, also die hanseatische Blingblingversion. Deko überall an den Wänden, sogar eingelassen in den Fußböden vor den Läden, das war auch neu, das kannte man so nicht. Man hatte Geld und zeigte es auch, in der Mitte der Einkaufszone gab es Imbissstände, da konnte man Champagner trinken und Austern schlürfen, das war so bis dahin noch gar nicht vorgekommen, das war unerhört und ungeheuer posh. Austern! Im Stehen! Das musste man sich mal vorstellen. Da blieben die Leute aus dem Speckgürtel stehen und zeigten auf die Austernesser, so exotisch war das, sich einfach nebenbei und lässig dem Luxus hinzugeben, beim Einkaufen schnell mal zwischendurch, unterwegs! Es war befremdlich, aber auch irgendwie beeindruckend. Ich war gerade erst in Hamburg angekommen, ich war noch ganz neu im Großstadtkarrierespiel und Geld haben wollte ich auch. Nach Möglichkeit auch gerne viel. Und da stand ich dann und dachte mir: “Das ist also irgendwie das Ziel.” Da stehen die, die angekommen sind, da stehen sie und reden und lachen, sind sehr teuer angezogen und sehen generell scheckheftgepflegt und ziemlich schön aus. Sie schlürfen Austern und stoßen mit Champagner an, so ist das also, so etwas machen die. Und ich dann also auch bald. Das war dann aber wieder ein Problem, denn Geld haben, völlig okay und d’accord, aber Austern?

Ich hatte mit etwa vierzehn Jahren einmal mit einem Erwachsenen gewettet, wie viele Austern ich essen konnte, für jede Auster gab es dabei für mich einen Kinobesuch zu gewinnen. Das war in Paris, wo ich anlässlich einer Dali-Ausstellung war, wenn ich mal kurz weltläufig tun darf, und es standen reichlich Austern auf dem Tisch des Restaurants. Ich weiß nicht mehr genau, wie viele ich geschafft habe, drei waren es mindestens, aber es waren jedenfalls verdammt hart verdiente Kinobesuche, und es ist mir bis heute unklar, ob meine unüberwindliche Aversion gegen Austern, mein völliges Desinteresse an Filmen oder beide Beeinträchtigungen mit dieser Szene damals zu erklären sind.

Ich hatte jedenfalls, das wollte ich nur eben erzählen, schon kurz nach meinem vielversprechenden Karrierebeginn den ersten Zielkonflikt. Im Hanseviertel. Schlimm.