Der Monat ist fast vorbei, vier Wochen Stimmung in saisonalen Grautönen aus der Region reichen dann auch. Die Ausbeute an im Vorbeigehen gehörten Sätzen ist wieder mager, das liegt aber diesmal an der Jahreszeit. Die Menschen hasten mit hochgezogenen Schultern durch den kälter werdenden Hamburger Nieselregen, der selbstverständlich jeglichen Tag regnet. Da spricht man nicht mehr viel auf der Straße, schon gar nicht laut und verständlich. Man hört zwar viele gezischte Wetterbeschimpfungen, die sind aber nicht so interessant.

Zwischendurch war ich kurz in Berlin und bin dort in die falsche S-Bahn gestiegen. Das finde ich in Berlin ganz okay, ich sehe mir das da gerne alles an, auch plan- und und orientierungslos. Und höre den Leuten zu, wie sie ihre eigene Stadt begucken und beurteilen:

“Hier hamse wieda n neues Haus jebaut, wa. Aba schön is dat nich.”

“Na, aba wat is schon schön.”

“Wenich. Sehr wenich.”

Auf der Rückfahrt diskutierte ein junger Musiker im ICE mit seiner weiblichen Begleitung über eine Band mit gewissen Vor- und Nachteilen.

“Die sind musikalisch nichts! Die sind scheiße!”

“Aber die sehen so niedlich aus!”

“Ich trinke noch was.”

Und in Hamburg gab es dann nur noch ganz vereinzelte Gesprächsfetzen im Vorübergehen, zwischen zwei Schauern:

“Aber was ist der Sinn? Du musst immer überlegen, was der Sinn ist.”

“Ja. Nee.”

Wobei das Wetter auch Einheimischen mit Macht aufs Gemüt zu schlagen schien:

“Alter, ich möchte sone Krankheit haben, wo der Arzt dann Cannabis verschreibt.”

“Ja, geil.”

Und nur wenigen ist es nach einer großen Dosis November noch gegeben , sich erfolgreich auf die kleinen Freuden zu besinnen. Man könnte fast neidisch werden:

“She sent me pictures of her potatoes this summer. She has a garden in Lübeck.”

“Okay, that’s nice.”

That’s really nice, isn’t it? Kartoffelbilder, die man auf dem Handy herumzeigen kann. In unserem eigenen Strebergarten wächst währenddessen der im Oktober gesteckte Knoblauch, fünfzehn Pflanzen sind den Zehen entsprossen und schon so hoch gewachsen *fuchtelt Anglergesten*. Ich fahre ab und zu hin und sehe mir das an, das ist selbstgemacht und winterfest und nice. Das höre ich zur Zeit sehr oft, das Wort, denn voll nice ist im Sprachgebrauch der Söhne gerade das höchste Lob überhaupt und aus familiären Dialogen gar nicht mehr wegzudenken.

“Am Sonntag ist übrigens der erste Advent.”

“Ja, voll nice.”

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