The same procedure …

Kein Silvester ohne dieses Bild und die erklärenden Zeilen dazu, eh klar. Die Erinnerung an eine norddeutsch-ausgelassene Silvesterparty in einem Hamburger Vorort, der Abend ist bereits viele, viele Jahre her. Deutlich erkennt man die sogenannte Hanseaten-Ekstase in meinem Blick. Denn man muss gerade die süddeutschen und auch die rheinländischen Leserinnen und Leser gelegentlich daran erinnern: wir hier oben, wir sind gar nicht so. Wir können auch ganz anders.

Hanseaten-Ekstase

Gleicher Abend, nur einen Meter weiter: Die Herzdame, liebreizend und strahlend gelaunt wie immer.

Die Herzdame

Im Jahr 2017 habe ich mich von der oben im Bild zu sehenden Frisur verabschiedet, siebzehn Jahre damit waren einfach genug. Ich trage jetzt schulterlang und offen.

Ansonsten war 2017, wie aufgefallen sein dürfte, das Jahr, in dem wir zum Garten kamen, um die markanteste Entwicklung gleich vorab zu erwähnen. Das Thema wird uns auch im nächsten Jahr reichlich beschäftigen. Als wir den Garten übernommen haben, erkannte ich auf den ersten Blick ganze zwei Pflanzen darin, nämlich Erdbeeren und Äpfel. Das war auch einfach, da hingen nämlich Früchte dran, die mir aus dem Supermarkt bekannt vorkamen. Mittlerweile habe ich immerhin 73 Arten gezählt, davon gar nicht so wenige selbst gepflanzt. Im nächsten Jahr wird diese Zahl sicher dreistellig werden und nach und nach, es lebe der Projektgedanke, sollen alle Pflanzen hier einmal vorkommen – mit einer Besonderheit, einer Story, einer Assoziation, einem schicken Bild, wie auch immer. Darüber hinaus müssen sowieso wieder mehr Geschichten geschrieben werden, das kam in diesem Jahr ja schändlich zu kurz, genau genommen so kurz wie nie, seit ich überhaupt schreibe. Gleich morgen werde ich einmal nachsehen, ob ich das Passwort zum aktuellen Manuskript überhaupt noch weiß, es ist eine geradezu nervenzerfetzende Spannung.

Die Herzdame hat Vollzeit gearbeitet, das wird sich in 2018 vermutlich nicht wiederholen. Dafür wird sie im Blog nach aller Wahrscheinlichkeit mit eigenen Artikeln recht präsent bleiben, mir gefällt diese Entwicklung sehr gut. Und das braucht man ja ab und zu, dass einem etwas gut gefällt. Das war nämlich in diesem Jahr nicht allzu oft der Fall, das Jahr 2017 war irgendwie nur die Fortsetzung von 2016 mit etwas anderen Mitteln, wobei 2016 überhaupt kein gutes Jahr war, eher im Gegenteil. Da besteht Optimierungsbedarf in diversen Lebensbereichen, und zwar erheblicher. Und nachdem ich, nein, wir darauf jetzt ein halbes Jahr intensiv herumgegrübelt haben, wird es Zeit, daran etwas zu tun. Keine Ahnung, was da genau zu tun ist, man grübelt schließlich nicht immer erfolgreich herum. Irgendwas eben! Abwarten reicht jedenfalls einfach nicht mehr aus. Und schon der Garten wird uns sicher mehr zum Machen bringen, da nimmt man schließlich einen Spaten oder eine Harke in die Hand und tut etwas. Ich glaube, das wird uns guttun. Und vielleicht auch auf neue Gedanken bringen.

Sohn I wird im nächsten Jahr die Schule wechseln, was ziemlich erstaunlich ist, da er ja gerade eben erst eingeschult worden ist. Wie isses nun bloß möglich?

Sohn II wird schon in die dritte Klasse kommen. Beide Söhne werden sicher weiter zum Parkour-Training gehen und dort ziemlich krasse Sachen lernen, ich werde mir das ab und zu mit gewissem Neid ansehen und vielleicht auch mal ein Filmchen dazu posten.

Und sowieso gilt generell und weiterhin: Wir werden berichten.

Wir wünschen einen guten Rutsch und ein wundervolles Jahr 2018 – bewahren Sie bitte unbedingt Haltung!

Bis nächstes Jahr.

Kurz und klein

Gartenbuchhinweis

Kurz vor Toresschluss noch ein Gartenbuchinweis von mir. Vor einiger Zeit hatte die Herzdame auch schon bei der Blogparade vom Hauptstadtgarten mitgespielt, das war hier. Sie hatte da quasi kein richtiges Gartenbuch, sondern ein Laubenbuch, ich werde auch kein typisches Gemüseanzuchtbuch oder Blumenbuch empfehlen. Obwohl mir ein paar gute begegnet sind, in Erinnerung ist mir etwa das Spriessbürger-Buch geblieben (siehe hier). Sehr brauchbar fand ich auch verschiedene Bücher der Stiftung Warentest, die regelmäßig in unspektakulärer Aufmachung, aber dafür mit sehr fundiertem Inhalt daherkommen, das gilt übrigens auch für deren Kochbücher.

Aber eines der Bücher, die mich in unserem ersten Gartenjahr überhaupt am meisten fasziniert haben ist “prinzessinnengärten – anders gärtnern in der Stadt”. Mit Texten von Marco Clausen und Stefanie Müller-Frank, herausgegeben von Nomadisch Grün, erschienen bei Dumont.

Buchcover prinzessinnengärten

Die Prinzessinnengärten sind ein Gartenprojekt in Berlin, das ich nie gesehen habe, ich kenne das alles nur online und aus dem Buch. Wie bei etlichen ähnlichen Projekten auch, entstand es nicht aus einer Überfülle an gärtnerischem Fachwissen, sondern mehr aus Lust, etwas zu machen. Etwas irgendwie Sinnvolles, Schönes, Soziales, Grünes, Nettes, da kann man jetzt alles einfüllen, was dem mittlerweile vielgeschmähten Gutmenschen so Spaß macht.

Buchseite prinzessinnengärten

Im Buch geht es dann um die vielen Aspekte dieses Machens, um soziologische, politische, gärtnerische, stadtplanerische Aspekte, was womöglich etwas dröge klingt, es aber überhaupt nicht ist. Im Gegenteil, man bekommt schon beim Lesen Lust, sich an so etwas zu beteiligen, auch etwas zu machen, in die Stadt einzugreifen, und sei es nur, durch das Pflanzen von Kapuzinerkresse auf der nächsten Verkehrsinsel (das ist eine Ordnungswidrigkeit, also pfui, machen Sie das nicht. Oder machen Sie das doch, aber wir kennen uns nicht, eh klar.). Es ist ein gartenpolitisches Buch, durchsetzt mit Hinweisen auf bepflanzbare Tetrapacks und auf überraschend simple self-made Tomatengewächshäuser, es gibt sogar Kochrezepte, es ist ein Buch, das mir enorm viel Lust gemacht hat, endlich irgendwo anzufangen. In einem Gartenprojekt, im eigenen Schrebergarten, auf dem Balkon, wie auch immer. 

Ein wenig gefährlich ist für mich dabei die häufige Erwähnung von Themen aus der Stadtplanung, denn Stadtplanung finde ich ungeheuer interessant – wenn ich da einmal anfange, ich finde nie wieder raus, ende irgendwann als Halbwissensexperte in Stadtteilgremien und diskutiere dort Parkaumverordnungen, schlimm. Aber es ist eben auch so, dass ich mich als Vater dabei etwas zuständig fühle, denn noch gehöre ich ja zur weltgestaltenden Generation und die Söhne stehen demnächst zur Übernahme bereit, da ist es doch ganz gut für alle Beteiligten, etwas getan zu haben. Und sei es nur, Naturschutz, Ernährungspolitik, Ökologie und dergleichen auf ein paar Quadratmetern enthusiastisch vorzumachen, man beginnt eben irgendwo, wie klein auch immer. Und wenn man dabei seine politischen Ansichten schon nicht erfolgreich an den Nachwuchs weitergibt, dann doch wenigstens ein knackiges Möhrchen. Wer also sein Garteninteresse etwas intensiver mit seinem Weltbild verbandeln möchte, wird in diesem Buch vermutlich auch fündig.

Wir erhalten soeben übrigens endlich die Nachricht, dass die alte Laube abgerissen wird, das könnte schon im Januar/Februar über die Bühne gehen. Im nächsten Jahr kann die Herzdame sich dann also gestalterisch in der neuen Laube austoben, während ich draußen auf den Beeten, die dann keinem Bagger mehr im Weg liegen, nach Herzenslust herumdilettieren werde. Das entsprechende Möhrchenbeweisbild folgt dann, wie klein und vermurkelt auch immer die erste Ernte ausfallen wird. Ich habe seit langer Zeit nicht mehr so dermaßen Lust auf etwas gehabt.

Buchseite prinzessinnengärten

Beifang vom 30.12.2017

Ich hatte drüben bei der GLS Bank einen Wirtschaftsteil zum Thema Wasserstandsmeldungen zusammengestellt.

Passend dazu hier noch eine Warnung vor dem schwarzen Schwan.

An diesen Herren gehe ich jeden Tag vorbei: die Schachspieler am Hamburger Hauptbahnhof.

Alle haben einen an der Hacke bis auf Bov Bjerg.”

“Der Hund mag mich am meisten, wenn ich mir ein Brot schmiere.” Ich mag solche Artikel, in denen andere von ihrer Erholung und ihren herrlich leeren Tagen erzählen. Ich glaube, ich nehme beim Lesen etwas parasitär Anteil an diesen Ruhephasen. Es sieht nicht so aus, als würde ich selbst entspannte Tage in absehbarer Zeit hinbekommen, aber es ist doch besser als nichts, davon zu lesen. Viel besser.

Hallelujah.

Wader, Mey, Brassens. Das kann Hannes Wader natürlich auch selbst erzählen:

Noch ein Hinweis, noch ein Trecker, noch ein Lied

Wenn man schon etwas ältere Kinder hat, die also bereits ein paar Jahre Smartphone oder Tablet-Erfahrung haben, kann man ganz leicht zu einer äußerst entspannten Stunde kommen, auch an ungeheuer aufregenden Festtagen wie heute. Man muss dazu nur den Shop aufrufen, in dem man all die Jahre die Apps für den Nachwuchs gekauft oder kostenlos heruntergeladen hat und dann rückwärts scrollen. Sehr, sehr weit.

Bis man irgendwann da landet, wo man zum allerersten Mal eine App für ein Kleinkind installiert hat, vielleicht war es eine, in der ein kleiner blauer Trecker durch eine lustige Landschaft fuhr. Und die lädt man dann wieder aufs Gerät. Und die daneben auch, und dann gleich noch ein paar aus dieser Zeit, man stößt dabei schon auf Logos und Titelbilder, da wird einem ganz warm ums Herz. Man hat gleich ein paar längst vergessene Startmelodien wieder im Ohr. Was haben die einen damals genervt! Heute sind sie die Musik von damals, kann man ruhig noch einmal auflegen, hier, hör mal! Weißte noch? Die App macht düdelüüt und man denkt, verdammt, wie lange ist das schon her.

Dann gibt man das Gerät einfach den Kindern, man muss dazu nicht einmal etwas sagen. Aber genau hinsehen sollte man schon, wenn das ach so große und schon fortgeschritten coole Kind im vielleicht bereits zweistelligen Alter plötzlich den längst vergessen Trecker wiederfindet, der da klein und blau durch die lustige Landschaft fährt, mit diesem ungeheuer vertrauten Motorengeräusch, das es heute noch am liebsten sofort nachmachen möchte. Wie das Kind guckt, wenn der Trecker wieder fährt, immer noch begleitet von dieser aufreizend munteren Melodie, die die Eltern vor sieben oder noch mehr Jahren komplett in den Wahnsinn getrieben hat, aber heute tatsächlich für den Nostalgie-Flash des Tages sorgt. Wie selig grinsend also ziemlich große Kinder ihre Kleinkind-Apps noch einmal starten und die Geräusche von damals hören, die Figuren von damals bewegen, die Menüs von damals immer noch genau kennen und wie sie leise Sprechertexte nach wie vor auswendig mitmurmeln – das ist schon schön.

Diese Kinder können später mit zwanzig oder dreißig Jahren im Heimatort der Eltern natürlich auch eine verstaubte Kiste voller Bilderbücher auf dem Dachboden finden, so wie wir es einmal zu Weihnachten gemacht haben, das hat Tradition, das gehört so und das bleibt auch erhalten. Sie können aber außerdem einfach auf dem Sofa auf “Herunterladen” klicken. Wenn es die App dann überhaupt noch gibt, versteht sich, und wenn sie auf der aktuellen Hardware noch läuft, da wird es sicher schon heikel. Ansonsten müssen sie wohl in eines der App-Museen gehen, die es dann hoffentlich überall geben wird, App-Museen voller kleiner blauer Trecker, die für alle Zeiten durch lustige Landschaften fahren und vor denen dann verklärt guckende Erwachsene sitzen, vielleicht schon mit einem Kleinkind im Arm.

Und damit schöne Weihnachten, haben Sie es schön! Der Musikclip des Tages wurde von den Söhnen ausgesucht und hat ganz ausdrücklich meinen Segen, so eine überaus stimmungsvolle Version des Songs. Denn man soll bei allem auch nicht vergessen: Weihnachten ist im Grunde eine ernste Angelegenheit.