Beifang vom 23.12.2017

Bei Sounds & Books geht es um das neue Album von Manfred Maurenbrecher. Sie sollten das auch mal hören, die Songs sind saugut getextet. Das gerät ja leicht in Vergessenheit, wie gute Lieder geschrieben werden und was einen Liedtext mit Kawumm eigentlich ausmacht – beim Hören kann es einem wieder einfallen. Einmal hören wird allerdings nicht reichen, ganz und gar nicht. Songs wie “Zu früh” brauchen ein paar Wiederholungen.

“Warten auf den letzten Sturm.”

Für die Freunde des norddeutschen Tonfalls, man kann hier einmal hören, wie das Heimatdorf der Herzdame klingt. Das ist ein Artikel über eine Dame, die in diesem Jahr vierundfünfzigmal Frankfurter Kranz gebacken hat, wenn das keine stolze Leistung ist. Das liest man doch und fragt sich unwillkürlich: Was bitte habe ich denn in diesem Jahr fertiggestellt? Und dann geht man sich schämen. Unter dem Text jedenfalls ein Audiofile, Margret fängt darin beim Rezept hochdeutsch an und verfällt dann mehr und mehr ins Platt der Region. Das sich erheblich von dem Platt meiner Kindheit unterscheidet, welches wiederum eine Mischung der Plattvarianten aus Mecklenburg, Vorpommern, Lübeck, Holstein und Hamburg war und wesentlich breiter klingt.

Ich kann Platt nicht flüssig sprechen, aber komplett verstehen, im Heimatdorf der Herzdame verstehe ich allerdings nicht alles. Und die Herzdame versteht “hier oben” nicht alles. Die Söhne verstehen natürlich hier wie dort noch weniger als wir, aber auch deutlich mehr als gar nichts – ich müsste dringend mal Plattdeutsch vorlesen, um da noch mehr zu vermitteln.

Wo wir schon dabei sind, hier noch zwei alte Stücke vom Kiesewetter, seine beiden bekanntesten Herbst-/Wintersongs. Einer plattdeutsch gesungen, einer hochdeutsch, für jeden was dabei. Diese Musik lief in meiner Familie früher so oft und so selbstverständlich, die ist mir geradezu ein Stück Heimat, ganz ohne Schlagerpeinlichkeit.

Wenn de Wind dreiht, vun Nord weiht,
Un Reg’n geg’n de Finster neiht,
De Schieb’n dahl rennt, denn föhl ik mi wohl.
Wenn dat Füer in Kamin brennt,
Un jeder di bi’n Vörnam nennt,
Weil he di kennt, denn is uns Hus vull.

Und das muss ich auch noch irgendwann hinkriegen, einen langen Winterurlaub in Nordfriesland. Mit Kamin und allem. Man hat ja so Ziele im Leben.

Last-Minute-Geschenk: Pralinen mit Granatapfel

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame.

Für alle, die auf den letzten Drücker noch ein Geschenk brauchen, habe ich hier ein super schnelles, super leckeres Pralinenrezept von meiner Freundin Claudia. Ich hatte sie nach ihrer Party via WhatsApp um das Rezept gebeten und hier ist es:

“Granatapfel auf dem Boden der Form, dann flüssige Schokolade drüber, dann wieder Granatapfel drüber, einen Klecks Schokolade drauf, dann noch ein bisschen Meersalz drauf. Und evtl. Blütenblätter zum Hübschmachen drauf. Kann man mit Vollmilchschokolade machen, ich habe dunkle verwendet. Je hochwertiger, desto leckerer.”

Man kann die Schokolade direkt in Pralinenpapier geben oder man verwendet extra Pralinenförmchen aus Silikon.

Pralinen

Jetzt nur noch hübsch verpacken und zack fertig.

Und bitte, liebe Leserinnen, beschenkt keine Claudia mit diesen Pralinen, es könnte auch meine sein.

Bücher und Begriffe

Wieder so eine unleidliche Phase, in der mir die meisten Bücher nicht gefallen, wofür sie aber gar nichts können. Ich hole mir hohe Stapel aus der Bücherei, lese reihenweise Romane an und werfe sie nach ein paar Seiten zur Seite. Ich weiß nicht, was ich lesen soll, es passt alles nicht, ich finde alle Handlungen furchtbar, was interessiert mich das, wer da was macht, ich möchte die ganze Zeit “Mir doch egal!” rufen. Normal, das habe ich alle paar Wochen, das gibt sich wieder. Einige schöne Szenen immerhin bei Tove Jansson gefunden, “Die Tochter des Bildhauers”, Deutsch von Brigitta Kicherer, auch ein bemerkenswerter Nachname, aber das nur am Rande. Wenn da mal keine albernen Vorfahren im Spiel waren! Schon schön.

#reading

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In dem Buch jedenfalls geht es um die Kindheit, wenn nicht sogar um den – Achtung! Schwer abgenutzter Begriff! – Kindheitszauber, man traut sich gar nicht, das hinzuschreiben, pfui Spinne. Aber gleich zu Anfang wird da kindlich-religiöse Verzückung geschildert und die Kleinen spielen im Garten das Volk Israel und ziehen umher und murren, weil die das in der Bibel auch gemacht haben, das ist ganz groß. Schon die Vorstellung, murrend umherzuziehen, die sprach mich an, sogar sehr, eventuell mache ich das einfach auch gleich mal. Dann wird in dem Buch in heidnischer Verkommenheit noch ein goldenes Kalb gebaut, das die depperten Erwachsenen später für ein frommes Lamm halten werden, und darin liegt so viel von der Dramatik der stets verkannten Kinderspiele, man erinnert sich nur mit Schaudern an ähnliche Erfahrungen. Empfehlenswertes Buch! Es ist, kommen Sie mal näher ran, ich muss ein peinliches Wort benutzen, das schreibt man nicht gerne laut, es ist poetisch. Ja, schlimm. Als würde man André Heller sagen, huah! Dabei kann das Wort ja gar nichts dafür, es ist eben nur etwas unzeitgemäß und abgenudelt.

Mir kommen im Zuge meiner Beschäftigung mit Gartendingen übrigens dauernd Wörter von besonderem poetischem Reiz unter, ich hatte das neulich schon am Beispiel des Mulchens erläutert, aber das hört gar nicht auf. Und irgendwo hatte ich gerade einen Artikel verlinkt, in dem es um das Verschwinden der Natur aus der Sprache ging, wir alle und natürlich besonders die Jüngeren benutzen angeblich immer weniger Vokabeln und Metaphern aus der Natur, stand da. Und da möchte man ja aus reiner Reaktanz sofort zum Naturdichter werden und ostentativ Gänseblümchen besingen, mir fällt nur gerade gar kein Reim darauf ein, irgendwas ist immer. Was bohrt sich durch die Ackerkrume? Ist das nicht eine Gänseblume? Na ja. Da nochmal drüber nachdenken!

Zu den poetischen Begriffen aus dem Gartenbereich gehört zum Beispiel einer, der bezeichnet ein Mittelchen, das man einfach so kaufen kann. Aber wie das klingt! Es klingt so, als würde man es beim Zauberer seines Vertrauens holen müssen. Als würde man dort ganz verstohlen hingehen, wenn die Nachbarn gerade nicht hinsehen, in der Abenddämmerung vielleicht, als würde man da leise anklopfen und warten, dass der alte Mann endlich öffnet. Man würde schüchtern seinen Wunsch murmeln, während der Greis sich am selbstverständlich sehr langen Bart krault. Er würde eine Augenbraue heben und sagen, dass das aber schon wirklich lange niemand mehr bei ihm bestellt hat. Und er würde einen hinein bitten, man würde ihm zögernd ins Lager folgen, durch unvorstellbar unaufgeräumte Gänge. Lauter Kisten und Kasten und Tiegel und Schachteln und verstaubte Gläser mit dem absonderlichsten Inhalt und Beutel und Fässer, aus denen hier und da etwas ragt, das man lieber nicht so genau ansieht. Er würde kramen und wühlen und räumen und endlich würde er ein schillerndes Reagenzglas sinnend ins allerletzte Tageslicht halten, sachte dagegenklopfen und sagen: “Ich wusste doch, ich habe noch etwas.” Und er würde einen erstaunlich geringen Betrag nennen, bevor es dann den Besitzer wechselt, das Bewurzelungspulver. Das doch beim besten Willen überhaupt nicht so klingt, als sei es ein normales Mittel im Garten, eher so, als würde man es ruhelosen Menschen heimlich nachts in die Schuhe stäuben, damit sie endlich irgendwo ankommen. Wir haben das Zeug jetzt jedenfalls hier und ich überlege noch, was ich damit mache. Und bei wem.

Ein anderes Wort, einem Gartenblog entnommen, ist eine wunderschöne Beleidigung für missliebige Senioren. Und wer würde da nicht irgendein Beispiel kennen, die alte Hexe von nebenan, den Rumpelgreis von um die Ecke, den besorgten Nörgelrentner vom Dienst in der Warteschlange vor einem. Für diese Beispiele bitte einmal vormerken, sie bei passender Gelegenheit mit “Sie Fruchtmumie!” zu beschimpfen, einfach nur, um das Wort einmal im Leben so wunderbar treffend angebracht zu haben. Und nicht, wie es eigentlich gemeint ist, als Bezeichnung für verschrumpelte Äpfel oder Birnen, die aus irgendeinem Grund nicht vom Baum gefallen, sondern oben vergammelt sind, als hätten sie ein Recht auf ewiges Leben.

Egal. Ich lese weiter Bücher an und werfe weg. Macht dann doch auch Spaß.

 

Die Herzdame geht ins Konzert: Shantel & Bucovina Club Orkestar

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, seit 100 Jahren zum ersten Mal wieder im Mojo Club und das erste Mal bei Shantel gewesen.

Ich war im Konzert. Das war am 22. November. Schon etwas her. Aber auch ich komme ja zu nichts und frage mich immer, wie das die ganzen „echten“ Blogger machen, regelmäßig und zeitnah Texte zu veröffentlichen. Ich will immer so viel schreiben – wenn die Kinder groß sind vielleicht.

Stefan Hantel, eher bekannt unter seinem Künstlernamen Shantel begleitet mich schon seit dem Ende der 1990er: ich Anfang 20, neu in Hamburg und möglichst jeden Abend in Clubs unterwegs. Ach, das waren noch Zeiten als man endlich 21 war und in den Mojo Club durfte ohne zu mogeln.

Was viele nicht wissen, Shantel hat nicht immer Balkan-Pop gemacht. Angefangen hat er als DJ in den 90ern mit Downbeat – elektronische, eher langsame Lounge-Musik. Das Album „Higher than the Funk“ von 1998 steht immer noch bei mir im Regal und ist auch immer noch gut.

Zwischendurch hatte ich ihn aus den Augen verloren und mich dann erstmal kurz gewundert, dass es noch einen weiteren Künstler mit dem Namen Shantel gibt, der aber nicht Downbeat sondern Balkan-Pop macht. Die Sache war aber schnell aufgeklärt. Stefan Hantels Großeltern kamen aus der Bukowina und bei einer Reise in deren Heimatstadt Czernowitz in der heutigen Ukraine begann er sich für osteuropäische Musik zu erwärmen und diese mit elektronischen Klängen zu mixen.

2003 und 2005 veröffentlichte Shantel dann zwei Compilations unter dem Titel „Bucovina Club“, mit dabei eigene Songs, Remixe sowie Songs anderer osteuropäischer Künstler. Der Sound ist super tanzbar und trug massiv zum Erfolg des Balkan-Pops bei.

Seitdem tourt Shantel abwechselnd mal alleine als DJ durch die Clubs oder gibt mit seinem extra hierfür ins Leben gerufene Bucovina Club Orkestar Konzerte.

Zu seinen erfolgreichsten Stücken gehören „Disko Partizani“ oder „Disko Boy“. Ich glaube, die hat der Gatte hier im Blog auch schon mal verlinkt:

Seit Jahren schon wollte ich immer mal zu einem Konzert des Bucovina Club Orkestars gehen, aber irgendwas war immer. Nun habe ich es endlich mal geschafft, mir meine Freundin S. geschnappt und sie dahingeschleppt. Und es hat sich wirklich gelohnt.

Das Konzert fand, wie geschrieben, im Mojo statt, wo ich seit der Neueröffnung auch noch nicht gewesen bin. Der Sound war eher die Kategorie „geht so“. Ich weiß nicht, ob das an der Akustik des Clubs lag, ob ich ungünstig gestanden habe oder ob die Trompeten verbogen waren. Aber wirklich schlimm fand ich das nicht, wenn ich guten Sound möchte, kann ich auch die teuren Boxen meines Vaters aufdrehen.

Viel entscheidender als den Sound fand ich die Stimmung und die war großartig. Mit den ersten Klängen fingen auch gleich die ersten Leute um mich herum an zu tanzen. Es dauerte auch nicht lange und der ganze Saal hüpfte und tanzte mit. Und das, obwohl bestimmt so manch steifer Hanseat anwesend war. Auch die haben es nicht ausgehalten, nur mit dem Fuß zu wippen. Und schön war auch, dass die ganzen „Ausdruckstänzer“, über die man sich normalerweise gern lustig macht, nicht großartig auffielen.

Das Orkestar hat es immer wieder geschafft, die Menge neu anzuheizen und zum Schluss stand das halbe Publikum auf der Bühne zwischen den Musikern und hat da getanzt. Meine Freundin und ich hatten lange nicht mehr so viel Spaß und sind ganz beglückt nach Hause.

Der Schweiß läuft in die Schuhe: Shantel & Bucovina Club Orkestar

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Leider habe ich den Anfängerfehler begangen und mich für den Weg „schön warm“ angezogen – mit meinen dicken Winterstiefeln. Sehr schlau. Nicht nur, dass es sich beim Tanzen anfühlte, als hätte ich Beton an den Füßen, es dauerte auch keine 15 Minuten und in den Schuhen stand das Wasser bis zum Rand. Das nächste Mal weiß ich es besser und es wird ein nächstes Mal geben. Da bin ich sicher!

Shantel & Bucovina Club Orkestar

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Währenddessen …

hatte die Herzdame gerade einen runden Geburtstag und wurde von der allerliebsten morgendlichen Kaffeerunde beim Portugiesen mit einer Geburtstagstorte bedacht, die Maßstäbe gesetzt hat. Es dürfte nicht einfach sein, die noch jemals zu toppen, nein, im Grunde kann man den Gedanken gleich aufgeben: Das war die Torte schlechthin.

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Es gab beim Morgenkaffee einige Spekulationen über den Unterleib der Dame in der Torte, hat sie nun Beine oder nicht? Und wenn nicht, trennt dann jemand im Bäckereibetrieb Tortenbarbies durch? Mit einem Hieb, routininiert wie im Schlachthof? Um die Beine anschließend vielleicht anderweitig zu verwenden, etwa für die Torten, die man zum Geburtstag von Synchronschwimmerinnen überreicht, bei denen dann nur Damenbeine aus blauem Zuckerguss ragen? Aber wie viele Synchronschwimmerinnengeburtstage werden schon feierlich mit großen Torten begangen? Oder kann man irgendwo halbe Barbies kaufen, speziell für Torten – und was ist das dann wieder für ein absurder Markt?

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Um das Rätsel aufzulösen: Nei, sie hat keine Beine. Sie endet hüftabwärts in einer Art Plastikpflock, man könnte sie problemlos damit in etwas anderes rammen als in eine rosafarbene Torte, etwa in einen Kürbis. Pardon, ich denke nach wie vor sehr gartenorientiert, da kann man nichts machen. Oder in einem Komposthaufen, versteht sich. Als Zucchinikönigin mit segnend erhobenen Armen auf die Fruchtbarkeit des Gemüses um sie herum hinweisend? So in der Art. Wir werden dann berichten.

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