Die Fundstücke kommen diesmal fast alle aus der S-Bahn, nur den letzten Kurzdialog habe ich in einer Buchhandlung gehört. Zuerst ein Winterklassiker, auch wenn in Hamburg von winterlichen Temperaturen überhaupt keine Rede sein kann.

“Du hast drei Paar Socken an?”

“Ich kann ja wohl so viele Socken tragen, wie ich will.”

Und immer wieder diese Dialogtrümmer, in denen Familiendramen durchscheinen, wie Gespräche aus einem Roman, so zielgenau auf den Punkt:

“Pass bloß auf. In New York ist so ein Koffer ja sofort weg, wenn Du Dich nur umdrehst. Sofort!”

“New York. Das ist hier nicht New York, Mama.”

Wer hätte danach nicht einen spontanen Tocotronic-Uhrwurm?

Man muss aber nicht nur an Romane denken. Ich drehe mich in der S-Bahn nicht einmal nach den Leuten um, ich konzentriere mich nur aufs Hören und habe also ähnlich wenig Hintergrundinformationen wie Sie als Blogleserin, Blogleser sind mitgemeint. Und wenn man nicht hinsieht, dann kann man die Zeilen später auch wie in einem Drehbuch lesen, sich die Schauspielerinnen dazu vorstellen und wechselnde Besetzungen, Kostüme und Alterskonstellationen durchgehen:

“Ich meine das alles gar nicht so. Na ja. Eigentlich doch.”

“Du redest genau wie dein Vater.”

“Bitte!?”

Zwischendurch auch mal etwas Positives, ein Gesprächsfetzen voller Liebe und Zuwendung:

“Guck mal, die da hat voll schöne Haare.”

“Du hast viel schönere Haare, Baby. Und die Alte ist auch noch zu dünn.”

Und schließlich noch der Dialog aus der Buchhandlung, gehört kurz vor dem Jahreswechsel, ungeheuer passend zum Abschluss der letzten zwölf Monate:

“Würden Sie denn dem Autor zustimmen, dass ein Leben nicht für alles reicht?”

“Ach ja, man vermasselt doch so einiges, junge Frau.”

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