Schnittlauch und der Rest vom Tag

Am frühen Morgen kurz auf Saatgutversandseiten herumgeklickt, dabei wieder ein wundervolles Wort entdeckt. Ganz sicher noch nie vorher gesehen oder gehört, ich hätte nicht einmal vermutet, dass es überhaupt Begriffe gibt, mit denen man das hohle Innenleben des Schnittlauchs klassifiziert, wer kommt denn auch auf so etwas. Aber da stand bei der einen Sorte als Beschreibung doch tatsächlich “mittelgrobröhrig”. Ist das nicht schön? Mittelgrobröhrig, man muss es mehrfach sagen, gerne auch im Tonfall des Meisters von Werner aus den Filmen damals, die Älteren erinnern sich, es wird dann immer besser. Mittelgrobröhrig.

In sehr feinen Hotels kann man es morgens im Frühstückssaal bei der Bestellung verwenden: “Ich hätte gerne ein Frischkäsebrötchen mit Schnittlauch, den Käse aus Heumilch und den Lauch bitte mittelgrobröhrig.” Und dann mal sehen!

Ansonsten ist das Wort im Alltag fern des Gartens natürlich schwer zu verwenden, was sollten einem für Anwendungsbeispiele einfallen? Also wenn man nicht gerade Urologe ist. Pardon.

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Home-Office mit dem kranken Kind gemacht. Ich mag Home-Office nicht, ich gehe morgens gerne raus und durch frische Luft irgendwo hin, der Tag fühlt sich sonst immer irgendwie an, als sei ich nicht richtig wach geworden und es würde noch etwas fehlen, ein eher unangenehmer Zustand. Außerdem ist mir die Arbeit auf diese Art räumlich zu nah, als würde man nach dem Schlafen direkt hineintreten, das möchte man doch auch nicht. “Als Maximilian Buddenbohm eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Konzernangestellten verwandelt.” Morgen wieder ins Büro!

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Danach mit dem kranken Kind stundenlang Deutsch für die Schule geübt und mit ihm Arbeitshefte ausgefüllt. Fühle mich jetzt höchst unwohl damit, in diesem Text hier die Verben nicht grün und die Adjektive nicht blau markiert zu haben. Hoffentlich stimmt wenigstens die Groß- und Kleinschreibung.