In unserem kleinen Bahnhofsviertel gibt es zwischen zwei Straßen einen kleinen Weg, der ist nur für Fußgänger und Radfahrer, nicht aber für Autos. Dieser kleinen Weg wird ziemlich stark frequentiert, weil er eine wichtige Abkürzung ist, er hat dennoch keinen Namen und wird allgemein nur der Durchgang genannt. Das ist bemerkenswert unspezifisch, aber wenn man bei uns vom Durchgang spricht, dann wissen vermutlich fast alle im Stadtteil sofort, welcher gemeint ist. Und in diesem Durchgang steht eine Magnolie. Die ragt da so hinein, und es ist egal, von welcher Seite man hineingeht, man sieht sie sofort, die Äste hängen sozusagen immer im Bild.

Nun findet in diesem Stadtteil nicht so viel Natur statt, wenn man nicht gerade runter zur Alster geht oder weiß, wo der eine Park ist, das ist hier eben die Stadtmitte, etwas zugebaut, etwas eng, etwas viel Mensch und entschieden zu viele Autos. Aber es gibt die Magnolie! Die kennt jeder. Da gucken alle immer hin, und die ist hier für den Frühling zuständig. Weil Krokusse nun einmal nicht auf Straßen wachsen und Vorgärten nicht vorgesehen sind. An der Magnolie sind jetzt schon Knospen dran, ziemlich dicke Knospen sogar, die sind ganz gut zu erkennen, auch wenn man noch weiter weg ist. Und es ist, das wollte ich eigentlich nur sagen, sehr schön zu sehen, wie alle, alle, die da im Laufe des Tages durch den Durchgang schlendern, hetzen, joggen, spazieren, radeln, Hunde hinter sich herziehen, Kinderwagen vor sich herschieben oder dort an Rollatoren gelehnt kurz mal verweilen, wie die also alle mindestens einmal nach oben sehen, wenn sie gerade unter der Magnolie sind. Kurzer Knospen-Check, hui, doch so dick schon, dann weiter und dabei kurz überlegen – sind wir nicht noch mitten im Winter?

Und in ein paar Wochen, ich mache das ja schon achtzehn Jahre mit, ich kenne das, bleiben dann alle auch kurz mal stehen, wenn sie da unter dem immer wieder überraschend schönen rosaweißen Blütendach vorbeikommen, sehen hoch und lächeln und sind kurz verzückt. Was natürlich bedeutend ist, denn wann ist man schon verzückt, das gibt es ja heute kaum noch, man hat doch gar keine Zeit, verzückt zu sein. Ich komme heute später ins Büro, ich bin noch zu verzückt – so geht das nun einmal nicht. Man müsste diese Magnolie also schon deswegen unter Schutz stellen, weil es so eine hohe Verzückungsdichte unter ihr gibt.

Na, aber das dauert noch. Erst einmal die Knospen, die schwellen noch den ganzen Februar über an, das zieht sich alles wieder, es ist ein Elend. So viel zur Naturbeobachtung! Weiter im Text.

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Dieses Nachdenken über die Bloggerei, das zu Jahresanfang so einige umgetrieben hat, das hat nun also, das muss ja auch zwischendurch mal erklärt werden, dazu geführt, dass hier auf einmal ziemlich viel und ziemlich unsortiert erscheint. Und da fragt sich die eine oder andere Leserin vielleicht: Warum ist das so? Was ich wie folgt beantworten möchte: Es ist kompliziert.

Und nun die Langversion. Als Blogs vor etwa 15 bis 20 Jahren aufkamen, gab es lustigen Spott über sinnlose private Internettagebücher, die dann eine ganze Weile brauchten, um auf die eine oder andere Weise anerkannt zu werden. Erst galten sie als alberner Spielkram, dann galten einige als womöglich irgendwie literarisch, andere als ergiebig für irgendein Spezialthema, viel später galten sie in gewissen Kreisen als aufregend influencend – und heute gelten sie vielen einfach als irgendein weiteres Medium, ob das nun Blog heißt oder peng. Irgendwer schreibt irgendwo, alle können es lesen, so ist das eben heute, get over ist, wie man so sagt.

Ich habe aber, und das ist doch irgendwie ein historisches Versäumnis, eigentlich über die ganze Entwicklung hinweg nie so ein Internettagebuch geführt. Obwohl ich großen Respekt vor z.B. der Tagebuchleistung der Kaltmamsell habe, ich halte so ein Journal für eine großartige Quelle, auch für die, die nach uns kommen übrigens. Und ich finde es sehr sportlich, jedem Tag etwas Bemerkenswertes abzuringen, denn das ist doch im Grunde der gute alte Blogsport, den gibt es heute ja kaum noch. Ich habe aber meist nicht in diesem Journalsinne geschrieben, sondern eher formatorientiert, wobei die Formate und Themen über die Jahre wild gewechselt haben. Dabei kann es auch spaßig sein, einfach stur jeden Tag zu schreiben und ihn damit zu beschreiben, wie ich gerade mit ein paar Jahren Verspätung merke, ich brauche eben manchmal länger. Deswegen erscheinen hier also im Moment und auch noch eine Weile lang recht unsortierte Beiträge, die aus mehreren Themen bestehen, die mehrere Kategorien erschlagen, die vielleicht ohne Pointe oder sogar Sinn auskommen müssen, die mir aber eben an dem Tag einfallen, heute einfallen. Warum auch nicht, ich kann hier ja machen, was ich will. Ich hatte bis zum ersten Eintrag dieser Art gar keine Ahnung, wie so etwas Tägliches oder Fast-Tägliches bei mir aussehen würde, aber allmählich sehe ich klarer und das bewusst Formatlose wird mir dabei also wieder zum Format, das ist auch interessant. Zumindest für mich. Das ist das eine.

Das andere ist Muskeltraining. Wie schon manchmal anklang, war das letzte Jahr und war besonders das letzte Halbjahr etwas suboptimal für mich, was sich auch darin zeigte, dass ich sehr wenig geschrieben habe. Das habe ich mir mit meiner Laune und den Umständen erklärt, es geht eben alles nicht, ich kann so nicht arbeiten, mimimi, die Welt ist schlecht, Sie kennen das. Und das ist falsch. Denn wenn man schreiben möchte, und das möchte ich praktisch immer, dann muss man das auch machen – ganz egal, unter welchen Umständen man gerade herumkräpelt. Weswegen ich gerade wieder übe, unter allen Bedingungen zu schreiben. Das ist mir nämlich irgendwie abhanden gekommen, aber das ist für mich nicht richtig so, habe ich gemerkt. Also ändere ich es. Und auch deswegen steht hier gerade dauernd was. Sie müssen also entschuldigen, ich trainiere hier. Das Blog als Muckibude betrachtet, so geht es eben auch.

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Gestern am Abend in der S-Bahn gehört, junge Leute haben ganz andere und überraschende Probleme:

“Schnürsenkel machen mir mega Stress, deswegen finde ich Klettverschlüsse geil.”

“Ja, kenne ich.”

Heute morgen im Vorbeigehen gehört, zwei junge Männer vor dem Hauptbahnhof mit seltsamen Vögeln im Freundeskreis:

“Digga, der hat seinen Tannenbaum noch nicht weggeschmissen. Stell dir mal vor!”

“Alter! Krass.”

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Ansonsten nach der Arbeit mit dem kranken Kind Englisch geübt. Überlege, mich dabei künftig etwas stilvoller anzuziehen.

 

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