Am Morgen liegt schon wieder ein Buch am Straßenrand: “Revolution und nationaler Befreiungskampf”. Na, ich weiß ja nicht. Es weht ein auffrischender Wind aus Südwest um die Ecke des Blocks, und er fährt ins Buch und blättert die ersten Seiten auf, so fangen doch Filme an, das kennt man. Nahaufnahme des Titels, dann Wind und die immer schneller umschlagenden Blätter, dann Abblende und danach entspinnt sich allmählich die Handlung, Kapitel für Kapitel, am Ende klappt das Buch zu, alles schon genau so gesehen, sogar mehrfach. Da aber sonst nichts weiter passiert, gehe ich irgendwann einfach aus der Szene, ich kann da auch nicht ewig warten, dass der Regie endlich etwas einfällt, ich habe zu tun. Und der Titel des Films war sowieso nicht mein Fall, nationaler Befreiungskampf, meine Güte. Einfach mal nicht mitspielen!

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Die Herzdame und ich haben am Wochenende ein Regal hinter den Kühlschrank gebastelt und standen dann staunend eine Weile davor, denn die Idee, da ein Regal hinzubauen, die hätten wir auch gerne schon vor zehn Jahren haben können. Das Regal ist dort ebenso nützlich wie unauffällig, das passt sich ein, wie vom Architekten reingezeichnet und bestellt. Und was heißt gebastelt, wir haben es einfach nur gekauft und da aufgebaut, zack, fertig, genormte Maße, gar kein Ding. Wieso aber sind wie da nie drauf gekommen, dass dort ein Regal passt, wo wir doch seit unserem Einzug in diese Wohnung permanent über Platzmangel in der Küche schimpfen? Wir haben den Kühlschrank nur um 5 cm verrücken müssen, das war sehr einfach. Was hat man denn bloß manchmal für unbegreifliche Blockaden im Kopf? Ich gucke mir jetzt sehr misstrauisch den Rest der Wohnung an, Quadratmeter für Quadratmeter. Da geht bestimmt noch was.

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Dann den Wetterbericht gelesen. Und das, liebe Leidtragenden der Wintermonate, war ein Fehler.

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