Die Herzdame hat ein Problem

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die keine gescheite Klobrille findet.

Im Moment befinde ich mich in einer sehr unangenehmen Situation, ich kann nicht mehr auf die Toilette. Nicht etwa wegen Verdauungsschwierigkeiten, nein, ich kann mich nicht draufsetzen.

Das ganze Problem fing schon vor etlichen Jahren an, als die Kinder noch sehr klein waren. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was mit unserer Klobrille seinerzeit war, warum wir sie getauscht haben, ich glaube sie war einfach nur unansehnlich geworden. Jedenfalls haben wir sie ersetzt durch eine neue. Da ich mich mit Sanitär nicht auskannte, war ich dankbar, dass es Ikea gab und kaufte dort. Und weil mir die Toilettensitze aus Kunststoff zu popelig wirkten, gab es die gute aus Holz.

Leider fing das Holz untendrunter ziemlich bald an, aufzuquellen und aufzuplatzen. Da ich den Kassenbon nicht mehr hatte, dachte ich mir „Montagsproduktion, Pech gehabt“ und kaufte eine neue. Gleiches Model. Dieser Toilettensitz zeigte dann aber auch bald schon wieder die gleichen Mängel. Ich schob das auf den günstigen Preis und die schlechte Qualität. Und da ich mit Kleinkindern für nichts anderes Zeit hatte, saßen wir dann die nächsten Jahre auf der immer weiter aufplatzenden Klobrille. Langsam lernten sie das Klo zu benutzen, aber nicht immer klappte es, wie es sollte. Der WC-Sitz wurde gerne auch von unten gewässert und man kann sich nun ausmalen, wie er sich stetig weiter vollsog. Ich vertiefe das hier jetzt nicht.

Dann waren die Söhne endlich alt genug fürs Småland und ich habe einen weiteren Versuch gestartet. Dieses Mal aber mit einem Kunststoffmodell. Dass ich WC-Sitze immer nur bei Ikea gekauft habe, lag daran, dass ich einfach nichts anderes kannte und mir Baumarkt und Sanitärfachhandel Angst machten.

Der Kunststoff-Toilettensitz hatte dann zwar keine Probleme mehr mit dem Holz, dafür konnte ich schrauben, wie ich wollte, er war einfach nicht dauerhaft festzubekommen. Und spätestens, wenn eines der Kinder auf die Toilette kletterte, um sich die Hände zu waschen oder Zähne zu putzen, war die Klobrille wieder locker und man rutschte beim Pinkeln hin und her.

Die nächste Klobrille kam dann unvorhergesehen zu uns, via „jede Woche eine neue Welt“. Als gerade Badezimmer-Welt bei Tchibo war, habe ich die alte Klobrille gar nicht erst wieder festgeschraubt, sondern kurzer Hand ersetzt. Das war schön! Ein paar Wochen mal nicht zu wackeln und nicht zu schrauben. Und das Beste – der neue Toilettensitz war sogar mit Absenkautomatik. Also kein Runterdengeln mehr, wenn die Söhne auf dem Klo waren.

Aber dann ging es wieder los. Die Klobrille wackelte und ich musste schrauben. Täglich, jahrelang. Die Schrauben rosteten und ließen sich immer schlechter festschrauben. Komischerweise hinderte der Rost sie aber nicht daran, sich immer wieder zu lösen.

Vor einigen Monaten hatte Sohn 2 dann ein Einsehen mit uns und hat mal eben während eines Wutanfalls den Klodeckel geschrottet. Das heißt, der Deckel hatte erst nur eine kleine Stelle, aber als ich mich dann draufsetze, brach er komplett zusammen und ich rutschte weiter ins Klo. Jetzt versuchte ich noch mal mein Glück und fuhr dieses Mal in den Baumarkt.

Der Baumarkt hatte eine ziemlich große Sanitärabteilung, auch eine enorme Auswahl an Toilettensitzen. Ich war wirklich willig, dieses Mal Geld in eine anständige Klobrille zu investieren. Leider war weit über die Hälfte der Klobrillen indiskutabel – durchsichtig und mit Fischen im Deckel, mit Stacheldrahtmotiv, mit NY-Skyline oder Blümchen. Dann gab es eine Auswahl an billigen Brillen und eine kleine Auswahl viel zu teure. Am Ende blieben eigentlich nur zwei Klobrillen übrig: aus Holz, einmal Beige, einmal Weiß. Beide von der Marke POseidon (Ich könnte mich jetzt noch bepinkeln bei dem Namen.) Was die im Detail konnten, das war für mich nebensächlich, Hauptsache ohne Blumen.

Ich habe mich dann für die beigefarbene Version entschieden. Fragt mich nicht, was mich da geritten hat. Zu Hause habe ich sie dann nur angehalten und direkt festgestellt, dass sie „scheiße“ aussieht. Da ich es dann aber erstmal wochenlang nicht in den Baumarkt zum Umtauschen geschafft habe, saßen wir dann erstmal weiterhin auf unserem halben Wackelklo. Auf den letzten Drücker habe ich es dann endlich doch noch mal geschafft sie gegen die Weiße umzutauschen, was nicht ganz einfach war, obwohl sie noch original verpackt war.

Die neue Klobrille war weiß, aus Holz, mit Absenkautomatik, hieß POseidon und war für unsere bisherigen Verhältnisse auch ziemlich teuer. Aber man saß nicht gut drauf (sagten alle) und vor allem – nach einer (!) Woche quoll und platze sie von unten auf. Es wurde dann auch schnell immer schlimmer und da habe ich die alte Klobrille aus dem Müll geholt und die neue wieder in den Baumarkt gebracht.

Die Verkäuferin hielt mich für völlig bescheuert und wollte die Reklamation auch erst nicht annehmen, weil man „eine Holzklobrille doch nicht mit Wasser reinigen kann“. Ja, Gott, wie denn sonst? „Nur mit Desinfektionsmittel!“ Ich durfte dann aber doch eins zu eins tauschen, was ich gar nicht wollte, weil ich meine Klobrillen ja auch weiterhin mit Wasser reinigen möchte. Nach weiteren Diskussionen wurde das dann gegen beliebige Ware getauscht, worüber sich der Gatte freute, weil er die Klobrille dann in Samen und Erde anlegen konnte. In ziemlich viel Erde.

Seitdem sitze ich wieder auf meinem halben Wackelklo, welches jetzt noch mehr wackelt, weil die rostigen Schrauben nun auch noch verbogen sind und recherchiere im Internet, welches denn der beste Toilettensitz ist. Am Ende lande ich immer bei Amazon, weil der Sanitärfachhandel um die Ecke keine brauchbaren Webseiten hat, wo ich mich vorab informieren kann. Und mit den ganzen Onlineshops bin ich auch nicht zufrieden. Bei Amazon habe ich auch schon gar nicht mehr auf Preise oder Ausstattung geachtet, sondern nur noch darauf, dass bei mehr als 100 Bewertungen der Durchschnitt bei 4,5 – 5 Sternen liegt. Leider sind diese Toilettensitze dann doch alle in D-Form. Ich brauche aber O-Form. Was mir erst jetzt klar wurde, dass es da auch noch Unterschiede gibt.

Und nach nächtelanger Suche habe ich endlich die perfekte Klobrille gefunden: super Bewertungen, O-Form, Absenkautomatik, Kunststoff, wackelt nicht und gar nicht mal teuer… aber sie ist nur in der Farbe „Ägäis“ verfügbar.

Nun ja, man kann nicht alles haben. Nun muss ich nur noch dem Gatten erklären, dass wir jetzt das Bad komplett neu streichen und dekorieren müssen.