Heimwerken, Festhalten

Beim abendlichen Besteigen seines Hochbettes kracht Sohn I eine der Latten unter seiner Matratze runter, was ihn vom Schlafen abhält, da er verständlicherweise Angst hat, der Rest der Bretter könnte im Laufe der Nacht auch nachgeben und er auf seinen unter dem Bett befindlichen Schreibtisch abstürzen, was wiederum schon deswegen schlimm wäre, weil darauf sein Computer steht, so dass der Schaden am Bett also sofort repariert werden muss. Und auch repariert werden kann, denn es geht nach meiner Diagnose nur um eine einzige große Schraube, die wohl beim Aufbau damals nicht fest genug gedreht worden ist. Es ist die letzte in einer langen Reihe von Schrauben, da hatte jemand wohl keine Lust mehr oder schon Wochenende. Allerdings ist die Schraube an einer Stelle, die der Teufel selbst ausgesucht haben muss, sie ist nur unter üblen Verrenkungen zu erreichen und wir brauchen mindestens sechs Hände, um dort mit einem Werkzeug heranzukommen. Ein Vater, zwei Söhne, das sind allerdings genau sechs Hände, manchmal muss man eben auch Glück haben bei der Familienplanung. Wir stehen, knien und hocken also so um das Hochbett drapiert, als wollten wir mit der Nummer im Zirkus auftreten, einer hebt von oben die Matratze und zieht am Brett, einer drückt von unten alles in Position, einer hockt auf dem Schreibtisch und dreht in Yogapose über Kopf die Schraube. Zu dritt müssen wir dabei auch noch die Herzdame aus dem Zimmer werfen, die vorbeikommt und im falschen Moment besser weiß. Die Übung gelingt aber tatsächlich, auch ganz ohne Herzdamenspezialwissen, was vor allem daran liegt, dass Sohn II bei handwerklichen Problemen nur Lösungen sieht, so albern das klingt. Das Kind ist die personifizierte Heimwerkermarktreklame, es gibt immer etwas zu tun oder wie das heißt. Und er ist vor allem immer selbst zuständig und schafft es dann auch, es ist sehr faszinierend, mit welcher Kraft Begabungen über die Menschen kommen können.

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In der FAZ war ein kurzer Text über eine der Glaubensfragen im Garten, über “EM”. Effektive Mikroorganismen, die Kennerinnen verwenden stets nur die Abkürzung, das gehört zum Spiel. Es ist sehr kompliziert und etwas esoterisch.

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Außerdem habe ich mich bei der abendlichen Lektüre in einem Buch über den Gemüseanbau verlesen, denn der Satz “Halten Sie den Boden fest, bis die ersten Blätter sprießen”, der stand da gar nicht wirklich, da stand natürlich feucht, nicht fest. Danach aber das Licht ausgemacht und im Geiste immer weiter den Boden festgehalten, dabei sehr gut eingeschlafen. Besser als die Nummer mit den Schafen!

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Herr M. macht nicht mehr mit.

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“Papa, warum steht da ein Buch “Kinder verstehen” im Regal?”

“Was?”

“Warum das Buch da steht?”

“Ich verstehe dich nicht?”

“Papa! Das ist nicht lustig!”

“Was?”

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