12 von 12 im Juli

Die anderen 12 von 12 aus dem Juli finden sich wie immer hier bei Caro.

Der matheaffine Sohn baut zum Frühsport Zahlenmauern. Er macht so etwas gerne, auch stundenlang, auch zum Einschlafen. Und auch gerne mit sehr, sehr vielen Kästchen. Interessantes Hobby, aber warum auch nicht. Andere schreiben Tausende von Internetseiten mit Text voll.

Sein Bruder übt währenddessen am E-Piano, da gibt es in der Schule nämlich bald ein Konzert. Und es klingt recht gut, was er da spielt.

Man hört so ein Lied natürlich enorm oft, wenn ein Kind übt. Zu jeder Tageszeit. Es handelt sich im Moment um ein französisches Stück, wir sind hier mittlerweile auch alle textsicher.

Mir fällt am frühen Morgen ein, dass ich am Wochenende eine Lesung habe. Ich suche hektisch nach dem dort vorzulesenden Text, den es gedruckt noch gar nicht gibt. Ich finde ihn, ich drucke ihn, ich erinnere mich ganz dunkel an die Geschichte. Offensichtlich bin ich länger nicht dazu gekommen, die Fortsetzung zu schreiben. Schlimm.

Ich fahre zur Arbeit ins idyllische Hammerbrook. Es regnet, alle sehen nach unten, hängende Köpfe und Schultern. Nicht einmal der Saxophonist an der Haltestelle ist da, und der hat sonst nie frei. Über die Arbeit gibt es wie immer nichts zu berichten.

Abgesehen davon, dass ich mittags Stachelbeeren esse. Stachelbeeren sind super, denn niemand mag Stachelbeeren. Also außer mir. Von Stachelbeeren muss ich nie welche abgeben, nicht im Büro, nicht in der Familie. In den Garten kommen also definitiv mehrere Sträucher mit Stachelbeeren. Vermutlich mögen die Vögel die auch nicht, alles meins.

Ich fahre wieder nach Hause, es regnet, es sieht nach Herbst aus, es wird früh dunkel.

Im Hauptbahnhof schreiben die jungen Leute neuerdings keine wüsten Texte mehr an die Baustellenabdeckwände, nein, da stehen jetzt Kalenderweisheiten. Und man steht davor und murmelt nur ganz leise: “Ja, du mich auch.”

Ich muss wegen eines Termins in die Nähe des Hafens, da liegen die Fleete leer und trübe und grauschlammig vor den Büroklötzen. Und wenn man lange genug wartet, dann regnen sie wieder voll, das ist hier der Lauf der Natur. So schön.

Anschließend gehe ich einkaufen und besorge einen Hotdog-Bastelsatz, natürlich auf besonderen Wunsch eines Sohnes. Dieser Sohn ist dann aber gar nicht zuhause, weswegen ich ihm aus reiner Bockigkeit sofort einen Hotdog wegesse, das hat er nun davon. Ja, die haben es hier auch nicht immer leicht, die Herren Söhne.

Bis zum Frühling muss ich mich aus naheliegenden Gründen in Richtung Garten etwas weitergebildet haben, deswegen lese ich alles, was man mir so als Tipp zuwirft, etwa das Gartenbuch von Jakob Augstein. Ja, das ist der von der Zeitung. Und das ist ein erstaunliches Buch. Der Mann kann zweifellos schreiben, das ist ein gepflegter, aber völlig unangestrengt wirkender Plauderton, dem man die umfassende Allgemeinbildung an jedem Absatz anmerkt. Aber wenn das, was der Mensch über den Garten denkt, etwas damit zu tun hat, was der Mensch sonst noch so denkt – ist das so? – dann möchte man den Herrn Augstein nach Lektüre dieses Buches für einen etwas starrsinnigen Anhänger drastisch ausgeprägter Ordnungspolitik halten, intolerant, festgefahren und dogmatisch. Das aber auf eine wirklich unterhaltsame und humorvolle Art, da habe ich dann also den seltenen Fall, dass ich mit einem Autor nahezu in gar nichts übereinstimme, das aber dennoch interessiert durchlese. Unsere Wege trennen sich schon beim Rhododendron, den ich nicht ausstehen kann, den Herr Augstein aber für unverzichtbar hält. Und er hat die Zeilen dazu mit erhobenem Zeigefinger geschrieben, wie auch immer das genau ging. Man liest es jedenfalls deutlich heraus.Schön illustriert von Nils Hoff, bevor ich es vergesse.

Das 12. Bild ist bei mir wie immer gar keines, das 12. Bild ist ein Musikclip, und zwar eine Empfehlung der Herzdame. Wieso aber hört sie eigentlich Musik aus Holland? Versteht sie das, kann sie Holländisch? Ich müsste sie vielleicht mal fragen, aber man kommt ja zu nix. Schönes Video jedenfalls.

12 von 12 im Juni

In den letzten paar Monaten habe ich 12 von 12 nicht geschafft, vielleicht gelingt mir die regelmässige Teilnahme jetzt wieder. Wer es nicht kennt: Hier ist die Erklärung und hier sind die anderen 12 von 12 aus diesem Monat.

Am frühen Morgen gelingt mir ein überaus erstaunliches Bild, es sieht darauf so aus, als sei diese Wohnung aufgeräumt und halbwegs dekorativ hergerichtet. Das Gegenteil ist der Fall, aber uns bleibt jetzt immer dieses Bild. Voll schön.

Sohn II absolviert schon vor der Schule Lesezeit, ich berichtete bereits von den dafür auszumalenden Bären. Die Motivation hält.

Ich bringe Sohn I zum Start seiner Klassenfahrt. Er reist mittlerweile häufiger als der Rest der Familie, es ist interessant, wie früh sich so etwas Bahn bricht. Wo man doch meinen sollte, ein Kind in dem Alter könne so etwas kaum beeinflussen – aber die Umstände fügen sich oft elegant so, dass er unterwegs sein kann.

Ich fahre nach Mölln, wo ich ein- bis zweimal im Monat arbeite, die Firma hat dort einen weiteren Standort, hier im Bild der Parkplatz. Während ich früher gerne über Mölln gelästert habe, Kaff am Arsch der Welt eben, finde ich es heute dort ganz nett. Die Firma liegt quasi im Wald, wenn ich dort parke, steht manchmal ein Reh auf dem Parkplatz, das mir erst dann huldvoll Platz macht, wenn ich langsam näher rolle. Es riecht am Morgen nach Sommerregen, nach nassem Holz, Moder und Erde, es riecht sehr, sehr anders als in Hamburg-Mitte. Ich steige aus und finde alles schön. Schöner Wald, schönes Reh, schöne Morgenstimmung. Wenn man schon altersmilde wird, sollte man es auch geniessen – und ich nicke dem Reh vom Dienst betont freundlich zu.

Wieder in Hamburg gehe ich im Auftrag von Sohn II einkaufen, es gibt schon wieder Weißwurst. Vielleicht gibt es jetzt auch wochenlang Weißwurst, das wird noch zu verhandeln sein. Auf dem Gehweg steht wieder alle paar Meter “Frei sein”, eine Dame malt das hier seit mittlerweile vielen Monaten überall hin, es soll Kunst sein. Natürlich halten das nicht alle für Kunst, natürlich gibt es in den Facebook-Gruppen des Stadtteils wüste Kommentare und Unfreundlichkeiten aller Art zum Thema. Neulich stand ich daneben, als die Polizei dieser Dame erstaunlich ruppig drohte, die Kreide demnächst sicherzustellen, das sei ja immerhin eine Ordnungswidrigkeit, diese Kreideschmiererei. Nun ja.

Ich singe ebenso verstimmt wie situationsbedingt beim Einkauf Teile einer alter Weise:

“Es regnet sehr und er ward –
nass.”

Und das Schaf auch.

Dann ein dringend notwendiger Rettungskaffee beim Portugiesen. Neben mir sitzen ein Vater und eine Tochter und unterhalten sich, sie sprechen Englisch. Nur eine deutsche Vokabel fällt, von beiden ganz selbstverständlich in den Redefluss eingebaut: “Schweinebaumeln.” Das ist natürlich ein wichtiges deutsches Wort, das kann man sofort nachvollziehen. Aber ob es keine englische Entsprechung hat?

Zwischendurch immer Laternenpfähle lesen, man könnte sinnvolle Hinweise finden. So wie den hier.

Bevor ich Sohn II an der Schule treffe, kann ich einer seltsamen Lieblingsbeschäftigung nachgehen, die andere nur begrenzt nachvollziehen können: Ich räume gerne das Kinderzimmer auf. Allerdings nur dann, wenn keine Kinder darin sind und widersprechen können. L’Ordnung, c’est moi.

Eigentlich lese ich ja was anderes, allerdings liegt der Kipling ganz dicht daneben, da muss ich also auch einmal schnell hineinsehen, es ist wirklich fatal. Nur ein paar Seiten! Das Buch ist neulich irgendwo – weiß der Teufel wo – jubelnd besprochen worden, deswegen ist es auf dem Nachttisch gelandet.

Das von Sohn II bestellte Abendessen, für Bayern ist das natürlich so nicht vorzeigbar, schon klar. Als Norddeutscher ist man da etwas freier. Ich stelle außerdem fest, dass die Herzdame leider auch Weißwürste gekauft hat. Es wird also in Kürze noch einmal Weißwürste geben müssen. Hm.

Der Rest des Tages wird mit Bildbearbeitung für die nächste Folge von “Was machen die da” verbracht. Es wird Bilder geben, die haben Sie so noch nie gesehen, wage ich einmal zu behaupten. Aus Gründen.

Nebenbei frisch auf Youtube gefunden: Eine Live-Aufnahme von Summer Wine, die ich noch nicht kannte.

12 von 12 im Oktober

Wer 12 von 12 nicht kennt, die Erklärung ist hier. Und die anderen 12-von-12-Ausgaben des Oktobers finden sich dort. Bei mir werden meist ein, zwei Bilder gegen Videos getauscht, das ist im Grunde ganz regelwidrig, machen Sie das lieber nicht nach. 

Die Herzdame liest am Morgen „Leo und der Fluch der Mumie“ von Claudia Frieser vor, und weil das Buch sehr spannend ist, liest Sohn I danach einfach selbst weiter. Das sei hier festgehalten, es passiert nämlich zum ersten Mal. Bisher war das Vorlesen einfach zu schön, da haben die Kinder eben geduldig auf die Fortsetzung gewartet. Das wird anscheinend anders, zack, wieder eine Phase vorbei. In dem Buch geht es am Anfang auch um Nazis, und zwar, wie man heute sagen muss, um die “echten” Nazis von damals, aber die sind ja wichtig, um die neuen Nazis von heute zu verstehen, das wissen die Söhne auch schon. Man führt dann recht merkwürdige Gespräche über solchen Büchern, Gespräche, die ich noch vor ein paar Jahren für eher unmöglich gehalten hätte. Wie man sich überhaupt auch mal klarmachen muss, dass diese Generation eben nicht mehr in der Gewissheit aufwächst, dass die Nazis weg sind. Bei mir damals waren sie zwar auch nicht weg, ein paar waren ja ganz offensichtlich noch da und gaben Sportunterricht etc., aber wir dachten doch immerhin ziemlich lange, sie kommen so leicht nicht als Bewegung wieder. Wir Dummerchen.

Wir haben ein neues Möbelstück geschenkt bekommen, so ein Buffet, das wir immer schon haben wollten. Das steht jetzt im Flur, wo vorher etwas anderes stand, das jetzt in der Kammer steht, wo vorher etwas anderes stand – kennen Sie den Diderot-Effekt? Ich wurde auf Twitter darauf hingewiesen, das werde ich mir merken müssen. Aber egal, wir werden also, langjährige LeserInnen kennen das, im vierten Quartal wiederum Möbel herumschieben und zu Weihnachten im Chaos sitzen, wir lernen es wohl nicht mehr. Noch fragt die Herzdame “Wollen wir gleich Möbel rücken” im fröhlichen Tonfall von “Wollen wir richtig, richtig Spaß haben?”, aber ich weiß, wo es enden wird. Im Schrank übrigens, raffiniert ins Bild gesetzt, der neue Band der Vegetarisch-Reihe von Katharina Seiser, diesmal mit den USA. Der Koch war der Herr Trific, den haben Isa und ich schon einmal interviewt. Einige Rezepte in Kürze sicher auch hier im Blog.

 

Im Kinderzimmer eine wilde Fischer-Technik-Explosion, Sohn II hat das gerade wieder entdeckt. Es führt dazu, dass er praktisch gar nicht mehr ansprechbar ist, weil er immer noch etwas fertig bauen muss. Und fertig, siehe auch Lego, das gibt es eben nicht. Mich freut Fischer-Technik jedenfalls, da werde ich ganz nostalgisch.

Dann fahre ich, wie sollte es anders sein, ins idyllische Hammerbrook und gehe dort ins Büro, wozu es keine weiteren Bilder gibt.

Auf dem Wochenmarkt in Hammerbrook erwerbe ich nach der Arbeit diesen Spitzkohl. Ein schlimmer Fall von Impulskauf, ich habe keine Ahnung, was ich damit anfangen soll – aber immerhin ist er recht attraktiv in der Küche. Und wohl auch gut zu Fisch, ich erinnere mich da dunkel an etwas.

Ich setze mich an den Schreibtisch, habe aber ein so überdimensioniertes Formtief, dass ich sofort einzuschlafen drohe. Ich brauche Bewegung und Zuspruch, beides finde ich vor der Tür.

Ich kaufe eine Mousse-au-Chocolat-Schnitte für die ebenfalls duchhängende Herzdame. Ja, so bin ich.

Dann setze ich mich wieder an den Schreibtisch und arbeite ernsthaft, mit anderen Worten, ich schreibe genau diesen Text hier.

Dazu läuft schöne Musik von depressiven Menschen. Nick Drake in diesem Fall, auch so ein tragisches Schicksal.

Die Söhne sind am Nachmittag bei Freunden, zwischendurch räume ich schnell den Zettelberg auf, unter denen sich theoretisch ihre Schreibtische befinden müssten. Solche Merksprüche für Buchstaben in der ersten Klasse muss ich kopieren und weglegen, denn wenn er abends darüber nachdenkt und auf einen davon nicht kommt, dann ist an Schlaf nicht mehr zu denken, wenn man das nicht mal eben nachlesen kann. Sohn II ist etwas strebsam, to say the least.

Ich bereite die Lesungen in den nächsten Wochen vor und suche hektisch in meinen Büchern nach tollen Texten herum. Finde alles doof. Muss doch mehr neue Sachen schreiben. Schlimm! Lese danach auch noch in alten Blogeinträgen und muss wenigstens über den hier lachen. Der ist aber eher nicht so lesegeeinet. Hm (Stimmungstief vor Lesungen ist handelsüblich, keine Sorge, alles gut).

Zwischendurch sehe ich mir Motivationsfilmchen an, da ich demnächst noch einen weiteren Tanz erlerne. Die Herzdame war der Meinung, Lindy-Hop könne auf Dauer nicht reichen. Und sie ist mir auch mit dem nächsten Tanz wieder ein Jahr voraus und kann schon alles. Balboa also, eine ziemlich schnelle Geschichte, entstanden in überfüllten Ballsälen, das ist eher nicht raumgreifend, ganz im Gegensatz zum Lindy. Hervorragend geeignet für Gipsy-Swing, das ist natürlich ziemlich verlockend. Dummerweise habe ich mich da jetzt mit einer der besten Tänzerinnen angemeldet, die mir bisher in Hamburg begegnet sind, da werde ich mir also auch noch richtig Mühe geben müssen. Vorsicht bei der Wahl des Freizeitsports!

Und damit zum Feierabendbier. Eher weniger als mehr verdient.

12 von 12 im Juni

Ich setze “12 von 12” mittlerweile als bekannt voraus, die anderen Ausgaben der zahllosen beteiligten BloggerInnen finden sich (ab 17 Uhr) hier. Wenn jemand “12 von 12” doch noch nicht kennt, man versteht das dann schon, wenn man sich dort etwas umsieht.
Moor

Der Tag beginnt mit längerer Bildbearbeitung, da wir gestern im Großen Torfmoor bei Hille/Lübbecke bei Minden waren. Ein Ausflug, ein Ausflug, da gibt es natürlich ein paar Fotos. Das ist übrigens ein empfehlenswerter Ausflug, hier noch etwas mehr zum Moor und in diesem Blog gibt es vermutlich auch in Kürze noch etwas. Norddeutsche singen bei einem solchen Anblick natürlich reflexmäßig alte Torfrock-Hymnen nach und haben dann tagelang höchst seltsame Ohrwürmer, es ist wirklich schlimm.

Wir sind also, man könnte ja auch vorne anfangen, in Nordostwestfalen, das erklärt auch diesen ländlichen Kaffeebecher.

Während ich also Bilder bearbeite und dann den Anfang vom nächsten Wirtschaftsteil schreibe, hört Sohn I Hörbücher, bzw. -spiele. Zu dem Buch im Bild kann man man natürlich einiges sagen, da fällt sozusagen pädagogisch einiges an, ich lese erst einmal heimlich in der Wikipedia nach, um hinterher profunde Allgemeinbildung vortäuschen zu können, ich habe hier auch einen Ruf zu wahren.

Danach geht es direkt mit dem nächsten Klassiker weiter, da lese ich aber nichts nach, der ist mir noch halbwegs präsent. Wenn ich mich recht erinnere, ist es der Roman von Verne, der in Hamburg beginnt.

Draußen auf den Feldern wächst das Getreide, an den Feldwegen blüht das Gras in wildester Pracht, das macht mich allergiemäßig fertig. Ich nehme Medikamente, die mich unsagbar müde machen. Versuche, mich am Vormittag deswegen noch einmal etwas hinzulegen, scheitern daran, dass die Söhne auf diesem Instrument aus der Hölle Musik machen, ich bin aber zu lethargisch, um ihnen hinterherzujagen. Ich schlafe dann doch kurz ein und träume irgendwas von Slash, das Unterbewusstsein ist schon faszinierend.

In Schwiegervaters Kochbuchsammlung finde ich dieses faszinierende Heftchen, interessant daran auch der Preis: stolze 4,80 DM hat die Broschüre des Vereins für die Deutsch-Chinesische Freundschaft damals gekostet, was mir irrwitzig teuer vorkommt, aber da täuscht die Erinnerung mittlerweile auch massiv, das habe ich schon mehrfach festgestellt. Es war eben nicht alles spottbillig, damals vor dem Euro.

Die Söhne bauen draußen auf dem Hof an Baumhäusern und sonstigen Gebilden, sie machen eben das, was in Hamburg nicht geht – und so muss das ja auch sein.

Und wenn man da etwas zusieht, dann hat man ganz erstaunlich lebhafte Erinnerungen an eigene Bauleistungen in der Kindheit oder in der Jugend, ich zumindest fühle da sofort mit, bis hin zu den Splittern in den Fingern und dem Hammer auf dem Daumen.

Wenn der Großvater mit im Einsatz ist, dann kommen auch solche tollen Rolldinger zustande.

Und ganz egal, was man baut, immer braucht man irgendwann Wasser, das hat mit Logik nichts zu tun. Zweck egal, Wasser gehört dazu, wenn man draußen spielt. Aus dem Schlauch, aus dem Eimer, aus der Regentonne, egal. Wasser ist eben eines der besten Spielzeuge überhaupt.

Zum Schluss gibt es im Garten noch Schokoladenkuchen von Oma, der so schmeckt, dass die Herzdame ihn demnächst auch einmal fürs Blog backen wird. Wenn wir dazu kommen sollten.

Und damit ab nach Hamburg, der Rest des Tages ist Autobahn und Auspacken, wir schließen hier.

12 von 12 im Mai

(The same procedure: 12 von 12 hier generell erklärt, die anderen Mai-Ausgaben von vielen, vielen Bloggerinnen findet man hier. Ich neige dabei zum Schummeln und trickse oft mit eingebauten Videos statt Bildern. Schlimm.)

Ich beginne den Tag mit dem Sisyphos-Syndrom der modernen Eltern, denn Steine herumzurollen ist irgendwie total vorchristlich, das macht man so nicht mehr, man sammelt jetzt im Kinderzimmer Bügelperlen auf. Der Effekt ist exakt gleich.
 

Danach Frühstück beim Portugiesen, also im zweiten Wohnzimmer, wo man jeden kennt, aber morgens nur reden kann, nicht reden muss. Das ist also sogar besser als im ersten Wohnzimmer, fällt mir gerade auf.

Danach schlendere ich mit der Herzdame über den Wochenmarkt und wir tun zehn Minuten lang so, als hätten wir Zeit, wie so ein entspanntes Pärchen aus einer Lifestyle-Zeitschrift. Das fühlt sich schon nett an, leider muss ich aber marktbedingt die ganze Zeit an den fürchterlichen Begriff Wechseljuicer denken, das stört doch sehr (wer das Wort nicht kennt, bitte auf eigene Gefahr googeln).

Dann geht es ins, nun ja, architektonisch reizvolle Hammerbrook. Und zwar mit der Bahn, weil ich auf dem Markt zu viel Zeit vertändelt habe, um noch zu Fuß gehen zu können. Schlimm.

Es folgen sechs Stunden im Büro. Ich denke nebenbei unentwegt darüber nach, mit welchem Symbolbild ich diese Zeit hier illustrieren kann. Mit fällt aber nichts ein.

Auf dem Rückweg gehe ich an dem vorbei, was Hammerbrook dann doch tatsächlich zu bieten hat: Wasser.

Da ich bei diesen Temperaturen meine Ernährung auf Wassermelone umstelle, gehe ich bei Sönmez vorbei. Wie das Schattenselfie beweist: “Ich habe eine Wassermelone getragen”. Quasi Baby Buddenbohm, und wer das jetzt nicht verstanden hat, der muss wirklich erstaunlich jung sein. Ob ich aber am Abend noch mit der Herzdame Hebefiguren übe – ich weiß ja nicht, wir haben beide Rücken.

Dann folgt der Bügelmarathon der Woche.

Wobei mich die Leserin Frau Z. aus H. nach meinem Podcastgejammere neulich darauf hingewiesen hat – ich habe nämlich durchaus fürsorgliche Leserinnen, das ist sehr erfreulich – dass man beim Bügeln auch gut Podcasts hören kann. Recht hat sie! Ich werde mehr und besser bügeln müssen. Frau Z. aus H. ist übrigens auch beruflich fürsorglich, denn sie ist Inhaberin der unlängst hier bereits bejubelten Villa Dorothea. Nein, keine bezahlte Werbung, reine Überzeugung. Gutes Haus, das.

Ich habe aber dann doch keine Podcasts gehört, ich habe einen Film gesehen. Das sollten Sie auch, und zwar den hier:

Das ist nicht gerade leichte Unterhaltung, da muss man aber durch, das ist nämlich das berühmte Mindeste, was man tun kann. Und hinterher reicht es dann wieder für etwas mehr, so ist zumindest der Plan.

Ich wechsele danach aber erst einmal ohne jeden sinnvollen Zusammenhang zu einem Lied, das mir gestern beim Tanzen im Lindy-Hop-Kurs wieder eingefallen ist. Lange nicht mehr gehört, das Stück, da sehe ich dann gerne bei Youtube nach, ob es einen Film dazu gibt. Gibt es tatsächlich:

Ein wunderbares Lied, wobei die Version, in der es jener Mann singt, der es geschrieben hat, noch besser ist. Das war Hoagy Carmichael, der in seiner Variante noch etwas besser rüberbringt, dass es halbgesprochen beginnt. Es ist ein Liedchen, aber ein recht kunstvoll gestaltetes. Man hört die Stimmung ganz genau, dieses wunderbare Gefühl, reichlich oder auch zu viel getanzt zu haben, sehr müde zu sein, vielleicht doch noch zwei, drei Schrittchen swingen zu können – oder doch lieber in einem Arm einzuschlafen – das ist ganz bezaubernd eingefangen. Es swingt so halb, es swingt also perfekt, es ist ein Tanzsehnsuchtslied. Man könnte einen sehr, sehr langsamen Lindy-Hop dazu tanzen, einen geradezu albern langsamen, und es würde genau passen.

Auf Spotify gibt es endlos viele Versionen des Liedes, auch die von Hoagy Charmichal, auch die von Fats Waller, auch die von Sammy Davis Jr., ich habe hier eine Playlist angelegt, fast zwei Stunden nur dieser Song. Ja, ich bin seltsam, ich weiß. Und übrigens! Eine fast spekatkuläre Erkenntnis nebenbei, es ist ein Lied, bei dem Dean Martin seine Version völlig vergeigt hat, wirklich schlimm. Dass der überhaupt irgendwas einmal nicht großartig singen konnte!

Wo war ich? Auf Youtube, genau. Zufällig sah ich nach dem Film zum Lied noch eine Tanznummer mit James Cagney und Bob Hope, die darf hier jetzt auch nicht fehlen:

Und, ich springe hier seltsam hin und her, aber egal: In meiner Playlist zu “Two sleepy people” gibt es auch eine Version von Carsie Blanton, die überhaupt wunderbar ist. Und die wiederum hat einen Song, der ganz ausgezeichnet zu einem heißen Tag in einer heißen Dachgeschoßwohung passt, also zu meinem Nachmittag heute zum Beispiel: Sweet Lorraine. Sehr, sehr entspannt, man möchte sofort auch in so eine Hängematte.

Entspannt geht es auch weiter, das Feierabendbier findet im Park statt. Daher kein Craftbeer, sondern eine konventionelle Marke.

Im Park dreht sich alles um die Panini-Karten, Kinder und Erwachsene tauschen hin und her, zahlen, klauen, es blickt ohnehin keiner mehr durch. Sohn II ist darauf gekommen, dass man mit gesammelten Pfandflaschen Geld vedienen kann, er braucht im Park nur zehn Minuten Suche für einen Euro in Pfand, ein Euro reicht für die nächsten Karten. Sein Geschäft läuft.

Da die Kinder bis zur letzten Minute tauschen, entfällt das gesunde Abendbrot, es wird Ersatz beschafft.

Und auf dem Heimweg darf ich wieder aktuelle Straßenkunst erklären. Es ist kompliziert.

Damit genug für heute, ich gehe gleich noch zu einer Lindy-Hop-Party, so viel Spaß muss sein. Danach werde ich aber sicher zu kaputt sein, um noch etwas zu bloggen.

12 von 12 im April

Was 12 von 12 ist, das setze ich jetzt einfach mal als bekannt voraus, alle anderen Beiträge aus vielen, vielen Blogs gibt es wie immer hier drüben.

Ich stelle beim Anziehen fest, dass meine Lieblingsjeans etwas spannt. Das könnte daran liegen, dass ich den Söhnen bemerkenswert viele Schokoladenostereier gestohlen habe, was tut man nicht alles für die Gesundheit des Nachwuchses, die essen ja viel zu viel Zucker. Ich beschließe sofort, nicht mit der S-Bahn zur Arbeit zu fahren, sondern wieder täglich zu Fuß zu gehen, das fällt dann quasi unter Spocht.

Der Weg führt durch das Tier- und Pflanzenparadies Hamburg-Hammerbrook, hier im Bild ein Bürobautenpfau und darunter eine Brachfläche, die gerade von gewiss hochinteressanten Kräutern, Stauden und Büschen erobert wird. So geht es hier zu, hier ist es sehr schön.

Nicht im Bild, da auf der anderen Straßenseite, ist eine neue Reklametafel für ein Landbier, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Irgendwas in einer historisierenden Buddel, im Hintergrund ist da ein lauschiges Fachwerkhaus am munteren Bächlein abgebildet. Das ist amüsant, so ein Plakat in Hammerbrook, denn es hängt hier vielleicht, weil es funktioniert. Kaum sitzt der Mensch in glitzernden Büropalästen, träumt er schon wieder von der Fachwerkbutze, in der er, säße er noch darin, von glitzernden Büropalästen träumen würde. Zur Überprüfung der These müsste man jetzt neben dem idyllischen Fachwerkhaus in ruhiger Lage nach dem Plakat für hypermoderne Büromöbel suchen, aber wer hat Zeit für so etwas.

Ich arbeite friedlich vor mich hin, bis mich eine Bildungseinrichtung wegen eines kranken Kindes anruft, was gefühlt zum 10. Mal in 14 Tagen passiert, der reale Wert kann etwas abweichen. Es ist alles nur eine Phase, und diese ist gerade etwas schwierig. Die Herzdame oder einer der Söhne, irgendwer schwächelt zur Zeit immer. Nur ich arbeite unentwegt vor mich hin wie ein Duracell-Hase. Ich verlasse also fluchtartig das Büro und bringe ein krankes Kind nach Hause, die Betreuerinnen geben mir “Sickness bags” für den Weg mit, sie wissen auch warum. Aber interessant, dass so etwas in Schulen vorrätig ist, wieder etwas gelernt.

Ich bette den Sohn auf das Sofa, kranke Kinder liegen hier aus strategischen Gründen nie im eigenen Bett, da kommt man nämlich, Stichwort Hochbett, zu schlecht dran, ich erspare allen die schrecklichen Details, die sich daraus bei gewissen Krankheitsbildern ergeben könnten.

Zu diesem Zweck betrete ich das Wohnzimmer, was ich sonst eher selten tue, denn vor dem Wohnzimmer steht mein Schreibtisch, und an dem komme ich normalerweise nicht vorbei. Ich stelle überrascht fest, dass im Wohnzimmer hübsche Deko steht, dass es überhaupt ganz gefällig aussieht und dass überall Wohnzeitschriften herumliegen, da könnte eventuell ein Zusammenhang bestehen. Das erklärt auch, was die Herzdame abends so macht, ich hatte mich das neulich schon mal irgendwann gefragt, als ich sie ins Wohnzimmer gehen sah. Ich kam dann aber nicht dazu, ihr hinterherzugehen, man kommt ja eh zu gar nix.

Das Kind liegt also auf dem Sofa, ich brumme beruhigend, wie es nur Väter und Katzen können, und blättere nebenbei in einer dieser Wohnzeitschriften. Da gibt es einen Artikel über die allerbesten Einrichtungstipps. Einer bezieht sich auf Boxspringbetten, die neuerdings alle haben, nur wir wieder nicht. Schlimm! Die müsse man jedenfalls vor dem Kauf “beherzt” testen, steht da. Und zwar nicht wie Sie jetzt denken, nein, sondern durch, so wörtlich, “wütendes Herumwälzen” der potentiellen Käufer. Vielleicht sollte ich öfter Wohnzeitschriften lesen, sie sind schon irgendwie lustig. Ich werde mir noch tagelang vorstellen, wie sich Kunden in Möbelhäusern ebenso entschlossen wie wütend auf Boxspringbetten herumwälzen.

Das kranke Kind spricht nicht, das liegt entweder an den Gebrechen oder aber an den neben ihm liegenden Comicheften aus meinen Uraltbeständen, man weiß es nicht genau.

Daraufhin muss ich noch einmal los, das Notebook ist noch in der Firma, das andere Kind in der anderen Einrichtung, die Einkäufe noch in den Läden, ich renne also zwar nicht planlos, aber doch gefühlt endlos durch die Stadtteile und von Pontius zu Pilatus, wie meine Oma gesagt hätte.

Zur Beruhigung starre ich zwischendurch auf das psychedelische Spielzeug in der Vorschule, an die folgende halbe Stunde kann ich mich nicht mehr erinnern. Schlimm.

Ich bereite dem kranken Kind liebevoll ein Abendbrot zu.

Das kranke Kind bildet sich mit letzter Kraft weiter. So ist es recht.

Zwischendurch fragt er sich, wie es ist, wenn man über Kopf kotzt, da muss man als Vater sein robustes Mandat auch einmal nutzen, um das Kind von fragwürdigen Experimenten abzuhalten. Ich nutze seinen Bildungseifer aber, um wieder einmal an der Kenntnis der Uhr zu arbeiten, wobei wir praktischerweise die Kirchturmuhr vor dem Fenster als Anschauungsmaterial nutzen können. Auf dem Bild nicht zu erkennen, aber das Ziffernblatt hat römische Zahlen, was bedeutet, es gibt eine Uhrzeit erschreckenderweise in der Form 3 Uhr, 15 Uhr und III Uhr, das ist wirklich sehr, sehr kompliziert.

Ich gehe noch einmal einkaufen, weil ja immer irgendwas fehlt. An den Häuserwänden des Stadtteils spiegeln sich Themen der Weltpolitik.

Und die größte Magnolie des Stadtteils blüht. Oder, wie ein gewisses Kind sagen würde: “Jetzt biste wieder tagelang ergriffen, was?”

Danach höre ich mir mit Sohn I die Sprachnachrichten aus dem Whatsapp-Kanal von Martin Gommel an, der gerade auf dem Weg nach Idomeni ist. Martin spricht sehr ruhig und deutlich und erklärt viel, das kann man gut machen. Dazu gibt es kein Bild, aber einen Link. Nebenbei rühre ich Essen zusammen, das wird ein Curry, später. Natürlich für die Herzdame, die Herren Söhne rühren so etwas nicht an.

Und dann geht es zum Lindy-Hop. Danach bin ich dann vermutlich wieder zu fertig, um noch etwas fortzuschreiben, deswegen endet der Tag genau hier.