12 von 12 im Februar

Die anderen Ausgaben zahlloser Bloggerinnen wie immer hier.

Die Woche beginnt problematisch, ein krankes Kind, wir haben da gerade ein Abo. Dafür hatten wir in den letzten Jahren auch ziemlich viel Glück, statistisch ist alles okay. Kann man sich aber auch nichts für kaufen.

Also die übliche Spontanverhandlung mit der Herzdame, wer wie lange ins Büro kann, erfreulicherweise schaffen wir das regelmäßig ohne Streit.

Ich fahre kurz ins Büro, d.h. ich würde fahren, wenn die S-Bahn fahren würde, sie fährt aber nicht, sie steht. Der Herr mir gegenüber sieht, und das ist wirklich irritierend, aus wie Mr. Bean, macht aber nichts Lustiges. Das stelle ich mir sehr schwierig vor, wie Mr. Bean auszusehen. Nach zehn Minuten eingehender Mr.-Bean-Betrachtung fährt die Bahn dann doch einmal los.

Im Büro dann das Highlight des Tages, ein Kollege hat Hanseaten für alle mitgebracht. Hanseaten sind hier nicht nur die Bewohner der Stadt, Hanseaten sind auch Kuchenstücke. Da keiner weiß, warum die eigentlich so heißen, googeln wir das eben und guck an! Die kommen aus Lübeck, wie ich. So ein Büro ist also manchmal doch ganz sinnvoll, da lernt man was.

Danach verlasse ich die architektonische Perle Hammerbrook aber schon wieder. So schade.

Das kranke Kind braucht im Grunde gar keine Betreuung , das kranke Kind macht Sudokus und möchte nicht gestört werden. Wozu fahre ich dann durch die Gegend?

Danach liest das Kind in Tintenherz, weil der Bruder das auch gerade durchgelesen hat. Da könnte man ja sonst was verpassen, das immer noch eine der besten Motivationsstrategien ever.

Ich spiele währenddessen Home-Office und starre zwischendurch Tulpen an. Denn wenn ich rausgucken würde, ich müsste den Schnee wahrnehmen, das ist keine Alternative.

Das kranke Kind langweilt sich dann doch ein wenig und bastelt lieber Anzuchttöpfchen aus Toilettenpapierrollen. Wir haben jetzt sehr viele davon. Enorm viele. Wenn Sie nicht wissen, wie man so etwas bastelt – einfach hier abgucken.

Und weil das Kind danach immer noch alles langweilig findet, bügelperlt es eben etwas.

Ich hole den gesunden Bruder von der Schule ab und werde nass. Ich bringe den Bruder nach Hause, werde dabei wieder nass und gehe dann zum Einkaufen, wobei ich noch einmal nass werde. Meine Laune ist deutlich ausbaufähig, hier ein Symbolbild.

Später pikiert das kranke Kind Tomaten, alle Samen hat es natürlich selbstgewonnen, das Kind neigt in Gartenfragen zur Gründlichkeit. Die Tomaten wachsen vor sich hin, obwohl es noch viel zu früh ist.

Das andere Kind gewinnt gerade Hibiskussamen und tütet sie ein, eventuell sind wir alle etwas frühlingsreif. Eventuell ist auch die Küche voller Erde, wir haben etwas umgetopft. Schlimm.

Unterm Strich aber doch wieder so ein Tag, an dem es mir etwas hilft, abends brülllaut The Peddlers über Kopfhörer zu spielen. Irgendwo muss die Energie ja herkommen.

12 von 12 im Januar

(Die 12-von-12 der anderen Bloggerinnen wie immer hier bei Caro)

Morgens ins Büro, die Herzdame bleibt mit dem kranken Kind zuhause. Der Hamburger Hauptbahnhof zeigt sich in schönstem “Hier spricht Edgar Wallace”-Licht.


Ich fahre nach Hammerbrook. Wenn man da konzentriert auf die Fleete guckt und den Rest verbissen ausblendet, sehen einige Quadratmeter manchmal fast gut aus.


Arbeit im Büro, wie immer fotofrei, das wären aber auch bemerkenswert langweilige Bilder. Die Rollladen vor den Fenstern gehen wegen eines technischen Fehlers unmotiviert hoch und runter, es wird dunkel, es wird hell, das ist immerhin ganz unterhaltsam. Also wenn man keine hohen Ansprüche hat.

Das Wetter vor dem Fenster, wenn man denn gerade mal rausgucken kann, es ist grau, öde und bleiern, wie von einer GroKo beschlossen. Niemand will es, aber so ist es nun einmal, das nehmen wir jetzt also.

Nach der Arbeit zur Bücherei, in der Gartenbuchabteilung könnte es ja neue Bücher geben. Der Rücknahmeautomat nimmt ein Buch von mir nicht an, ich stecke es wieder und wieder rein, Medium nicht erkannt, immer wieder, Medium nicht erkannt. Was soll der Unfug, ich stecke es mit links rein, ich stecke unter einem Bein durch und über die Schulter, langsam und schnell und mit Gefühl, es geht nicht. Stelle mich schließlich in der Schlange bei den Problemfallbehandlungsmenschen an, die mich freundlich lächelnd und mit beruhigender Stimme darüber aufklären, dass das Buch mir gehört, nicht der Bücherei, weswegen es der Automat auch gar nicht erkennen kann. Ich könne das Buch aber gerne spenden. Wo man hinkommt, wird man gedemütigt. Schlimm.


Ich nehme ein Gartenbuch mit, das mir bisher immer zu dick war. Schluss mit der Faulheit! Das wird jetzt abgeschleppt. 630 Seiten Gemüsekunde, großartig.


Zuhause verweigert das Blinddarmkind seinen Kinderberliner, dann esse ich den eben. Was tut man nicht alles! Aber wieso isst das Kind keinen Kuchen? Sehr verdächtig. Das Kind möchte lieber einen Kräutertee, aber bitte ohne Kräuter. Hm. Immerhin gibt es auch dazu einen Asterix-Band.


Beim aufopfernden Kuchenessen störe ich, wo auch immer ich sitze, die Herzdame in einem akuten Anfall von Aufräumwahn und sehe mich gedrungen, den alten Loriotdialog mit “Ich wohne hier!” aufzuführen. Da mein Humor hier aber nur selten geteilt wird, verlasse ich noch kauend fluchtartig die Wohnung und gehe einkaufen. Nehme bei Edeka willenlos Küchenkräutertöpfe mit, damit in meiner Umgebung wenigstens irgendwas grünt und wächst, es ist doch eine wahre Last mit dieser drängenden Frühlingserwartung.


In der Wohnung werde ich neuerdings übrigens dauernd beobachtet, die Söhne haben gebastelt. Die Frisur entspricht in etwa meinen Haaren, wenn ich morgens aufstehe.


Ein Sohn studiert einen Bildband über Keith Haring, “weil der so ähnlich malt wie ich.” Es geht doch nichts über das Selbstbewusstsein in den Jahren vor der Pubertät.


Das andere Kind macht so eine Art Malen nach Zahlen per App, Kunst ist hier offensichtlich gerade Thema. Diese App (Pixelart Colour by number für iPhone) ist übrigens super zur Beruhigung geeignet, sagen die Söhne.


Traditionell ist hier ein Bild gar keines, es gibt meist ein Video. Heute Seasick Steve mit Gentle on my mind. Gute Version, das.

Insgesamt ein Tag mit Luft nach oben, wie mir scheint. Aber nun, der 12. ist eben irgendein Tag, so ist die Aktion ja gemeint, immer mitten rein ins Leben. Darauf ein Feierabendbier in frühlingsgrünem Design.

12 von 12 im Dezember

(All die anderen “12 von 12” von zahllosen Bloggerinnen und Bloggern wie immer hier drüben.)

 

Saatgutadventskalender Tag 12

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Am Morgen erst einmal nachsehen, was im Saatgutadventskalender zu finden ist. Nach wie vor ist das der beste Adventskalender, den ich je hatte. Auch wenn er bereits jetzt zu gewissen Problemen und etwas schärferen Diskussionen in der Familie führt, und zwar in Verbindung mit Mandarinenkistchen. Das ist eine nicht unbedingt einleuchtende Verbindung, deswegen muss ich das kurz erläutern: Ich habe im Winter einen sehr hohen Bedarf an Mandarinen. Mandarinen gibt es überall in formschönen Holzkistchen. Holzkistchen schmeißt man nicht weg, wenn man einen Schrebergarten hat, denn sie sind, wie der Name schon sagt, aus Holz – und also kann und muss man sie wiederverwenden. “Wertstoffe!”, wie ein gewisser Sohn hier aus vollster Überzeugung rufen würde. Was heißt würde, er ruft es tatsächlich, unentwegt ruft er das, seit wir diesen Garten haben, denn das Grundprinzip, dass man im Schrebergarten immer alles gebrauchen kann, das hat er verinnerlicht wie andere ein heiliges Gebot Gottes. Und so sehr hat er es verinnerlicht, dass wir die Grenze zwischen “Kann man gebrauchen” und “Das kannst Du doch nicht einfach mitnehmen” ab und zu pädagogisch aufbereiten müssen, etwa nachdem auf der Baustelle nebenan plötzlich etliche recht große Bretter fehlten. Prima Beetumrandungen! Das gute Kind. Die Holzkistchen stapeln sich jetzt jedenfalls im Flur, rein zufällig werden es am Ende des Winters 24 sein, die man dann also irgendwie gefällig zusammennageln kann, um sie anschließend mit den Saatgutadventskalendertütchen zu bepflanzen, jede Kiste natürlich mit einer anderen Blumensorte. Die mit den Pfahlwurzeln zuunterst, ja, ich weiß. Während also der gewisse Sohn und ich hellbegeistert von Upcycling, Installation und frühlingshafter Floralskultpur sprechen, spricht die Herzdame noch vor Errichtung unseres Kunstwerks abfällig von Schrott, Sperrmüll und Landschaftsverelendung, es ist wirklich etwas herausfordernd. Das sind so die familiären Gräben im Dezember. Egal.

 

Danach ins Büro. Was soll man dazu schon sagen. Dummerweise ist es nach der Bürozeit schon dunkel, das macht die Sache mit den zwölf Bildern auch nicht gerade einfacher.

Zurück ins kleine Bahnhofsviertel, quer durchs traumschöne Hammerbrook.

Weihnachtsfeier in der Klasse von Sohn II. Wenn man Kinder hat, hängen dauernd Zettel irgendwo, auf denen man eintragen soll, was man zur nächsten Party mitbringen möchte. Dort, ganz wichtiger Tipp für werdende Eltern, immer SOFORT Käsewürfel eintragen. Käsewürfel machen keine Mühe, kosten wenig und jeder mag sie, zumindest bei Gouda mittelalt. Käsewürfel sind super.

Ich sehe mich zwischendurch im Klassenraum um und lasse mich inspirieren. Das hier z.B. kann ich super in Support-Telefonaten unterbringen, wenn mich wieder Menschen anrufen, die irgendwie nicht weiterkommen. “Haben Sie das Problem schon eingekreist und durchgestrichen?”

 

Danach an den heimischen Schreibtisch, im Bild hier die üppige Weihnachtsdeko. Es ist ja nicht lieblos hier!

Ich gehe ein Buch durch, zu dem die Rezension noch aussteht. Gutes Geschenkbuch, das sieht man ja so schon. Mehr dazu in Kürze.

Im Briefkasten Trauerpost, die Großtante, der die Familienmühle gehörte, ist nicht mehr. Besonders die Söhne finden das ganz unvorstellbar, denn Mühlen gibt es immerhin nicht in jeder Familie und es ist noch unklar, was mit dieser jetzt wird. Wir werden dennoch weiterhin auf jeder Fahrt ins Heimatdorf gespannt sein, wer zuerst von der Landstraße aus “unsere” Mühle sieht.

Es folgt eine leichte Zwischenmahlzeit.

Auf meinem Schreibtisch liegen meine neuen Visitenkarten. Mit Visitenkarten geht das bei mir so: Ich treffe völlig unerwartet einen Menschen, der mir seine Visitenkarte gibt. Ich sage: “Oh, ich habe gar keine mit.” Am nächsten Tag treffe ich noch so einen Menschen, gleiche Antwort von mir, am übernächsten auch. Ich denke, oha, ich müsste wohl besser auch mal Visitenkarten dabeihaben, das ist ja voll der Trend gerade. Ich stelle fest, ich besitze gar keine brauchbaren Exemplare, weil ich umgezogen bin oder meinen Nachnamen geändert habe oder zumindest die Blogadresse, irgendwas ist ja immer. Ich bestelle also neue Visitenkarten. Ich habe fortan stapelweise Visitenkarten dabei. Ich werde etwa zehn Jahre nicht mehr auf Visitenkarten angesprochen und treffe auch niemanden mehr, der mir Visitenkarten überreicht. Repeat.

Neue Visitenkarten.

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Die Herzdame spielt währenddessen schwarzweißes Schneeflockenmemory gegen einen Sohn, die hat es also auch nicht immer leicht.

Und das letzte Bild zum Tag ist wie meistens bei mir gar keines, das ist ein Videoclip, denn einmal in der Weihnachtszeit muss der hochgeschätzte Manfred Maurenbrecher hier singen: Ende der Nacht.

12 von 12 im Oktober

(Die 12-von-12-Beiträge der anderen wie immer hier)

Nach drei Tagen Gekränkel mit Magendarmklimbim fühle ich mich zwar abgemagert und schwächlich, tendenziell aber doch schon wieder ganz goldig. Hier ein Symbolbild.

#12von12

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Apropos Magendarm, da hört der Humor ja nicht auf, noch lange hört der da nicht auf!

#12von12

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Aber lassen wir das.

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich am Mariendom vorbei, der ist, was man hier nicht sehen kann, untenherum komplett eingerüstet, und zwar kommt das Gerüst, wie ziemlich groß dransteht, von der Firma Rosenkranz. Rosenkranz, Mariendom. Witzig, ne? Fand ich jedenfalls.

#12von12

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Mein Arbeitsweg führt wie immer durchs traumschöne Hammerbrook. Hammerbrooklyn, wie diejenigen, die dort arbeiten müssen, manchmal liebevoll sagen. Ganz manchmal. Eigentlich nie. Egal.

#12von12

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Meine Stimmung ist bestenfalls als mäßig zu deklarieren, passt aber zu dem LBS-Gartenzwerg, der seit vielen Jahren im Schaufenster der Hammerbrooker Sparkasse steht. Warum auch immer.

#12von12

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Aber dann! Auf meinem Schreibtisch liegt Schokolade, von unbekannter Hand dort hingelegt. Irgendwer auf dieser Welt mag mich! Oder hat die Schokolade dort kurz abgelegt und dann vergessen. Man weiß es nicht. Ich esse sie auf, bevor sie jemand wieder abholen kann.

#12von12

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Zum Mittagessen dann feine Spezialitäten der Mittelmeerküche. So in etwa jedenfalls.

#12von12

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14:30 Feierabend.

Zurück ins kleine Bahnhofsviertel, durch die Mitte der sogenannten “schönsten Stadt der Welt” (Quelle: Hamburger).

#12von12

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Dann Einkauf im Bioladen. Ich kaufe nicht gerne im Bioladen ein, weil mich die demonstrativ langsamen Bewegungen der Angestellten dort aggressiv machen, ich bekomme da höchst befremdliche Drill-Sergeant-Fantasien und möchte Menschen anbrüllen, herumkommandieren und mit Marschgepäck über Hindernisse springen lassen. Schlimm.

#12von12

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Ich gehe mit Sohn I zum Zahnarzt, er ist aber nicht ansprechbar, weil er während des Wartens lesen möchte, wie alle. Außerdem möchte er bitte alleine ins Behandlungszimmer, weil schon groß. Da sitze ich dann und helikoptere ganz alleine durchs Wartezimmer. Man macht was mit!

#12von12

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Zuhause ein Feierabendbier. Aus Emmer, das gibt es ja heute kaum noch. Auch Trinken kann bilden!

#12von12

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Und weil am Anfang der Woche Sohn I und ich krank waren, ist es nur folgerichtig, dass jetzt gerade Sohn II damit anfängt und nach einer Schüssel fragt, weswegen dieser Text hier auch abrupt

12 von 12 im Juli

Die anderen 12 von 12 aus dem Juli finden sich wie immer hier bei Caro.

Der matheaffine Sohn baut zum Frühsport Zahlenmauern. Er macht so etwas gerne, auch stundenlang, auch zum Einschlafen. Und auch gerne mit sehr, sehr vielen Kästchen. Interessantes Hobby, aber warum auch nicht. Andere schreiben Tausende von Internetseiten mit Text voll.

Sein Bruder übt währenddessen am E-Piano, da gibt es in der Schule nämlich bald ein Konzert. Und es klingt recht gut, was er da spielt.

Man hört so ein Lied natürlich enorm oft, wenn ein Kind übt. Zu jeder Tageszeit. Es handelt sich im Moment um ein französisches Stück, wir sind hier mittlerweile auch alle textsicher.

Mir fällt am frühen Morgen ein, dass ich am Wochenende eine Lesung habe. Ich suche hektisch nach dem dort vorzulesenden Text, den es gedruckt noch gar nicht gibt. Ich finde ihn, ich drucke ihn, ich erinnere mich ganz dunkel an die Geschichte. Offensichtlich bin ich länger nicht dazu gekommen, die Fortsetzung zu schreiben. Schlimm.

Ich fahre zur Arbeit ins idyllische Hammerbrook. Es regnet, alle sehen nach unten, hängende Köpfe und Schultern. Nicht einmal der Saxophonist an der Haltestelle ist da, und der hat sonst nie frei. Über die Arbeit gibt es wie immer nichts zu berichten.

Abgesehen davon, dass ich mittags Stachelbeeren esse. Stachelbeeren sind super, denn niemand mag Stachelbeeren. Also außer mir. Von Stachelbeeren muss ich nie welche abgeben, nicht im Büro, nicht in der Familie. In den Garten kommen also definitiv mehrere Sträucher mit Stachelbeeren. Vermutlich mögen die Vögel die auch nicht, alles meins.

Ich fahre wieder nach Hause, es regnet, es sieht nach Herbst aus, es wird früh dunkel.

Im Hauptbahnhof schreiben die jungen Leute neuerdings keine wüsten Texte mehr an die Baustellenabdeckwände, nein, da stehen jetzt Kalenderweisheiten. Und man steht davor und murmelt nur ganz leise: “Ja, du mich auch.”

Ich muss wegen eines Termins in die Nähe des Hafens, da liegen die Fleete leer und trübe und grauschlammig vor den Büroklötzen. Und wenn man lange genug wartet, dann regnen sie wieder voll, das ist hier der Lauf der Natur. So schön.

Anschließend gehe ich einkaufen und besorge einen Hotdog-Bastelsatz, natürlich auf besonderen Wunsch eines Sohnes. Dieser Sohn ist dann aber gar nicht zuhause, weswegen ich ihm aus reiner Bockigkeit sofort einen Hotdog wegesse, das hat er nun davon. Ja, die haben es hier auch nicht immer leicht, die Herren Söhne.

Bis zum Frühling muss ich mich aus naheliegenden Gründen in Richtung Garten etwas weitergebildet haben, deswegen lese ich alles, was man mir so als Tipp zuwirft, etwa das Gartenbuch von Jakob Augstein. Ja, das ist der von der Zeitung. Und das ist ein erstaunliches Buch. Der Mann kann zweifellos schreiben, das ist ein gepflegter, aber völlig unangestrengt wirkender Plauderton, dem man die umfassende Allgemeinbildung an jedem Absatz anmerkt. Aber wenn das, was der Mensch über den Garten denkt, etwas damit zu tun hat, was der Mensch sonst noch so denkt – ist das so? – dann möchte man den Herrn Augstein nach Lektüre dieses Buches für einen etwas starrsinnigen Anhänger drastisch ausgeprägter Ordnungspolitik halten, intolerant, festgefahren und dogmatisch. Das aber auf eine wirklich unterhaltsame und humorvolle Art, da habe ich dann also den seltenen Fall, dass ich mit einem Autor nahezu in gar nichts übereinstimme, das aber dennoch interessiert durchlese. Unsere Wege trennen sich schon beim Rhododendron, den ich nicht ausstehen kann, den Herr Augstein aber für unverzichtbar hält. Und er hat die Zeilen dazu mit erhobenem Zeigefinger geschrieben, wie auch immer das genau ging. Man liest es jedenfalls deutlich heraus.Schön illustriert von Nils Hoff, bevor ich es vergesse.

Das 12. Bild ist bei mir wie immer gar keines, das 12. Bild ist ein Musikclip, und zwar eine Empfehlung der Herzdame. Wieso aber hört sie eigentlich Musik aus Holland? Versteht sie das, kann sie Holländisch? Ich müsste sie vielleicht mal fragen, aber man kommt ja zu nix. Schönes Video jedenfalls.

12 von 12 im Juni

In den letzten paar Monaten habe ich 12 von 12 nicht geschafft, vielleicht gelingt mir die regelmässige Teilnahme jetzt wieder. Wer es nicht kennt: Hier ist die Erklärung und hier sind die anderen 12 von 12 aus diesem Monat.

Am frühen Morgen gelingt mir ein überaus erstaunliches Bild, es sieht darauf so aus, als sei diese Wohnung aufgeräumt und halbwegs dekorativ hergerichtet. Das Gegenteil ist der Fall, aber uns bleibt jetzt immer dieses Bild. Voll schön.

Sohn II absolviert schon vor der Schule Lesezeit, ich berichtete bereits von den dafür auszumalenden Bären. Die Motivation hält.

Ich bringe Sohn I zum Start seiner Klassenfahrt. Er reist mittlerweile häufiger als der Rest der Familie, es ist interessant, wie früh sich so etwas Bahn bricht. Wo man doch meinen sollte, ein Kind in dem Alter könne so etwas kaum beeinflussen – aber die Umstände fügen sich oft elegant so, dass er unterwegs sein kann.

Ich fahre nach Mölln, wo ich ein- bis zweimal im Monat arbeite, die Firma hat dort einen weiteren Standort, hier im Bild der Parkplatz. Während ich früher gerne über Mölln gelästert habe, Kaff am Arsch der Welt eben, finde ich es heute dort ganz nett. Die Firma liegt quasi im Wald, wenn ich dort parke, steht manchmal ein Reh auf dem Parkplatz, das mir erst dann huldvoll Platz macht, wenn ich langsam näher rolle. Es riecht am Morgen nach Sommerregen, nach nassem Holz, Moder und Erde, es riecht sehr, sehr anders als in Hamburg-Mitte. Ich steige aus und finde alles schön. Schöner Wald, schönes Reh, schöne Morgenstimmung. Wenn man schon altersmilde wird, sollte man es auch geniessen – und ich nicke dem Reh vom Dienst betont freundlich zu.

Wieder in Hamburg gehe ich im Auftrag von Sohn II einkaufen, es gibt schon wieder Weißwurst. Vielleicht gibt es jetzt auch wochenlang Weißwurst, das wird noch zu verhandeln sein. Auf dem Gehweg steht wieder alle paar Meter “Frei sein”, eine Dame malt das hier seit mittlerweile vielen Monaten überall hin, es soll Kunst sein. Natürlich halten das nicht alle für Kunst, natürlich gibt es in den Facebook-Gruppen des Stadtteils wüste Kommentare und Unfreundlichkeiten aller Art zum Thema. Neulich stand ich daneben, als die Polizei dieser Dame erstaunlich ruppig drohte, die Kreide demnächst sicherzustellen, das sei ja immerhin eine Ordnungswidrigkeit, diese Kreideschmiererei. Nun ja.

Ich singe ebenso verstimmt wie situationsbedingt beim Einkauf Teile einer alter Weise:

“Es regnet sehr und er ward –
nass.”

Und das Schaf auch.

Dann ein dringend notwendiger Rettungskaffee beim Portugiesen. Neben mir sitzen ein Vater und eine Tochter und unterhalten sich, sie sprechen Englisch. Nur eine deutsche Vokabel fällt, von beiden ganz selbstverständlich in den Redefluss eingebaut: “Schweinebaumeln.” Das ist natürlich ein wichtiges deutsches Wort, das kann man sofort nachvollziehen. Aber ob es keine englische Entsprechung hat?

Zwischendurch immer Laternenpfähle lesen, man könnte sinnvolle Hinweise finden. So wie den hier.

Bevor ich Sohn II an der Schule treffe, kann ich einer seltsamen Lieblingsbeschäftigung nachgehen, die andere nur begrenzt nachvollziehen können: Ich räume gerne das Kinderzimmer auf. Allerdings nur dann, wenn keine Kinder darin sind und widersprechen können. L’Ordnung, c’est moi.

Eigentlich lese ich ja was anderes, allerdings liegt der Kipling ganz dicht daneben, da muss ich also auch einmal schnell hineinsehen, es ist wirklich fatal. Nur ein paar Seiten! Das Buch ist neulich irgendwo – weiß der Teufel wo – jubelnd besprochen worden, deswegen ist es auf dem Nachttisch gelandet.

Das von Sohn II bestellte Abendessen, für Bayern ist das natürlich so nicht vorzeigbar, schon klar. Als Norddeutscher ist man da etwas freier. Ich stelle außerdem fest, dass die Herzdame leider auch Weißwürste gekauft hat. Es wird also in Kürze noch einmal Weißwürste geben müssen. Hm.

Der Rest des Tages wird mit Bildbearbeitung für die nächste Folge von “Was machen die da” verbracht. Es wird Bilder geben, die haben Sie so noch nie gesehen, wage ich einmal zu behaupten. Aus Gründen.

Nebenbei frisch auf Youtube gefunden: Eine Live-Aufnahme von Summer Wine, die ich noch nicht kannte.