Beifang vom 21.05.2017

Ein Mann rezensiert vergessene Bücher.

Bei Read on wird getanzt. Oder auch nicht.

Hier geht es um die zweite Schulzeit, ein Thema, das mich auch zusehends fasziniert.

Für die GLS Bank habe ich hier sechseinhalb Links zum Wochenende zusammengestellt. Mit blühenden Landschaften! Und Fahrstühlen!

Ich war heute in Husum, habe dort am Deich und zwischen Heckenrosen gelegen und “Der Mensch erscheint im Holozän” von Max Frisch durchgelesen, man kann hier in der Wikipedia wieder erstaunlich viel über das Buch nachlesen. Das ist natürlich etwas seltsam, mit Blick auf die Nordsee ein Buch zu lesen, dass hoch in den Bergen spielt, aber egal. Unterm Strich könnte man das Werk recht leicht ins Norddeutsche übertragen, mit aller Metaphorik, gar kein Problem wäre das, gewaltige Natur können wir hier immerhin auch. Das Buch gefiel mir sehr, wie der Mensch da erst sich und dann der Welt abhanden kommt, doch, das ist gut. Und bemerkenswert fand ich, wie niederschmetternd einer der so harmlos wirkenden Schlüsselsätze im Text wirken kann: “Der Mensch bleibt ein Laie.”

Der Musiktipp kommt heute einmal von der Herzdame, das hatten wir bisher noch gar nicht. Aber nachdem Jojo aka Sohn I jetzt öfter etwas zu dieser Rubrik beisteuern möchte, kann der Rest der Familie ja auch nachziehen.  

Ich: “Sag mir mal einen Musiktipp fürs Blog, bitte.”

Die Herzdame: “Ich weiß nix.”

Ich: “Dann denk eben nach.”

Und dann hat sie stundenlang nachgedacht, war für den Rest des Tages kategorisch nicht mehr ansprechbar und hat mir hochkonzentriert für diese Rubrik eine Playlist mit satten 214 Songs zusammengestellt. Es gibt Menschen, die neigen in ganz seltsamer Weise zur Gründlichkeit. Die Musik der Herzdame ist meist flotter und tanzbarer als meine, aber das wird der einen oder der anderen vermutlich recht sein.

Beifang vom 18.05.2017

Ein Test für Frau Novemberregen.

Frank Drieschner über Gutmenschen.  Ich weiß ja nicht, aber ich glaube, ich bin bestenfalls ein Mittelmensch. Ein Stetsbemühtmensch vielleicht.

Sehr gerne gelesen – ein Abschied von den Piraten, ganz ohne Häme. Und es geht ja weiter, hier etwa geht es um eine Hip-Hop-Partei. Warum auch nicht.

Radium Girls. Klingt wie eine Band, ist aber schlimmer. Gefunden via Meike Lobo auf Twitter, glaube ich.

Ich lese die Erzählungen von Arthur Miller, “Presence”, aus dem Amerikanischen von Uda Strätling. Mir war gar nicht klar, dass “Misfits” eine Story von Arthur Miller ist, dabei ist das ja einigermaßen naheliegend. Man hat aber auch Bildungslücken! Schlimm. Es ist übrigens schwül da draußen, und falls Ihnen auch gerade unangenehm heiß ist, hier zur Abkühlung der Anfang einer eiskalten Story aus dem Buch, “Die Wahrsagung”:

Nicht alle, aber manche Winter sind in der Gegend fast unerträglich. Ende November setzt sich in den ehemals holländischen Tälern der Nebel fest und verzieht sich bis Ende April nicht mehr richtig. Manchmal taucht er nachts auf den Bergkuppen auf, während das Tiefland frei bleibt, und obwohl kein Mensch weiß, warum er wandert, tut er das, legt sich manchmal tagelang um ein einzelnes Haus und sonst nirgends hin. Dann zieht er ab und belagert ein anderes Haus. In manchen Wintern kommt die Sonne zwei Monate am Stück nicht richtig zum Vorschein. Wie Wasser ersäuft das Grau jede Aussicht, und es tropft den lieben langen Tag von den Bäumen, sofern die Äste nicht von knarrendem Eis umschlossen sind.

Bei Anbruch des Winters besteht natürlich immer die Hoffnung, dass es ein guter wird. Aber wenn Tag für Tag, Woche für Woche derselbe gleichtönende Wind alle Wärme aus dem Haus zieht und sich am stählernen Himmel nicht der kleinste Riss zeigt, dann leidet das Gemüt erst der Alten und dann aller anderen. Es kommt zu unerklärlichen Streitereien in den Supermärkten und an den Zapfsäulen, es entstehen lebenslange Feindschaften, Nachbarn beschließen, für immer fortzuziehen, und tun es, es häufen sich unnötige Verkehrsunfälle. Die Leute brechen sich die Arme, krachen in Bäume, deren Standort sie eigentlich im Schlaf kennen, ein bis zwei werden immer in der eigenen Auffahrt von ihren zurückrollenden Wagen erfasst, und es werden aus Verzweiflung Entscheidungen gefällt, die etliche Leben für immer verändern.

Der abschließende Musiktipp kommt heute wieder einmal von Jojo aka Sohn I, eloquent begründet mit den Worten: “Cooles Video, coole Musik.” Und für nächste Woche weiß er auch schon was, sagt er.

Beifang vom 15.05.2017

Nachrichten von der Lieblingsinsel: Meerglas ist wertvoller als Bernstein. Beim nächsten Besuch besser hinsehen! Viel besser. Und ich darf gar nicht daran denken, wieviel von dem Zeug ich damals in Travemünde nicht aufgesammelt habe. War ja nix wert.

Zwischendurch immer wieder und unbedingt: HONY. Etwa mit diesem Eintrag. Ganz groß.

Peter Glaser über Online-Werbung.

Eine Sendung im Deutschlandfunk über Roger Willemsen.

Don über Müßiggang. Ich arbeite ja auch hart daran.

Meike Lobo über die SPD. Im Zusammenhang mit aktueller Politik eine kleine Szene aus der Hamburger Innenstadt. Ich habe wie fast immer ein Rudel Kinder dabei und ziehe durch die Fußgängerzone. An einem CDU-Stand gibt es Gummibärchen, ein älterer Mann im Anzug will den Kindern welche geben. Die Kinder sind aber mit gesunder Skepsis gesegnet und fragen mich erst, welche Partei denn noch einmal die CDU war? “Das ist die mit der Merkel”, sage ich. “Ach die”, sagt das Kind. “Na, wenigstens keine Nazis. Geht ja noch.” Aber Gummibärchen wollten sie dann lieber doch nicht, das Thema Politik war ihnen insgesamt zu verdächtig. Auch interessant.

Und nun noch schnell ein Lied. Unpolitisch. 

Beifang vom 12.05.2017

Drüben bei der GLS Bank habe ich einige Links zum Thema Fahrrad. Ich schreibe da auch vom Neid auf Berlin, was das Thema Verkehrspolitik angeht. Da ich in den letzten vierzehn Tagen ungewöhnlich viel Fahrrad in Hamburg gefahren bin, weiß ich, wovon ich rede, das Fahrradfahren ist hier nach wie vor kein Vergnügen. Jedenfalls nicht in der Stadtmitte. Die drüben erwähnte Velostadt findet hier sicher nicht statt.

Der mit dem Käse spazierte.

Ein grandioses und langes Interview mit Joachim Kaiser von 2008. Er ist gestern gestorben.

Mirna Funk über die allgemeine Nichtzuständigkeit für Kinder in Deutschland.

Und nun trällern wir uns durch den Freitag.

Beifang vom 09.05.2017

Wir zoomen in eine Landkarte und lernen etwas über Hanka, die hier keiner kennt. In Polen ist das etwas anders.

Ein Artikel über Georg Stefan Troller, den kennen hier immerhin ein paar mehr.

Zur Motivation der Eltern und zur Schulleistung der Kinder. Man muss Mathe also mögen. Okay, das kriege ich mittlerweile hin, ziemlich gut sogar. Ich habe eben nur ein paar Jahrzehnte Anlauf gebraucht.

Hier geht es um ein neues Portal für geflüchtete Schriftstellerinnen.

Ich habe ansonsten gar keine Zeit für Links oder Texte oder irgendwas, denn ich bin wieder in einer Gerhard-Henschel-Lesephase und muss also Langstrecke lesen. Ich freue mich dabei königlich, dass er dauernd genau die Liedzeilen von Dylan, Cohen, deutschen Liedermachern etc. zitiert, die mir auch in Alltagssituationen einfallen, man möchte dauernd alles noch einmal nachhören, stundenlang, meine Tage reichen dafür gar nicht aus. Komm, gieß mein Glas noch einmal ein. Und es ist immer noch ein komplett ungelesener Roman aus der Reihe über! Herrlich.

Was fehlt noch? Passende Musik.

Beifang vom 06.05.2017

Bei der GLS Bank habe ich sechs Links zu Geschäftsmodellen zusammengestellt. Fast für jeden was dabei. Wobei – für mich irgendwie nicht. Weitersuchen.

«Wenn du das Dörte-Hansen-Wunder bist, warum habe ich dann immer noch kein Pferd?»

Hütt erinnert an Hüsch. Hübsch.

Die taz mit einer wichtigen und sehr naheliegenden Anmerkung zum neuen Gedenkort in Hamburg.

Romantik auf ganz neuer Ebene.

Patricia hat hier etwas über Sprachnachrichten geschrieben, das ist alles richtig und wichtig. Was Kinder als Anwender betrifft, ist damit auch schon alles gesagt und kann unterschrieben werden. Ich erlebe das Thema allerdings gerade eher, weil die Herzdame neuerdings eine Freundin hat, mit der sie nur noch per Sprachnachricht kommuniziert, statt normal zu chatten, wie es alle Leute seit gefühlten Jahrhunderten tun. Um diese neumodischen Sprachnachrichten austauschen zu können, zieht sich die Herzdame irgendwohin zurück, denn in unserer Wohnung kann man normalerweise exakt gar nichts in Ruhe machen, schon gar nicht konzentriert in ein Gerät sprechen oder es so abhören, dass man alles versteht, weswegen hier auch selten jemand telefoniert, das geht einfach nicht ungestört. Wenn man in dieser Familie telefoniert, kommen drei Leute und fragen, was man mit wem warum bespricht und warum der Lautsprecher denn nicht an ist. Telefonieren macht keinen Spaß.

Wenn die Herzdame sich für Sprachnachrichten zurückzieht, etwa ins äußerst raffiniert gewählte Versteck Schlafzimmer, kommt nach maximal zehn Sekunden von irgendwo ein Kind zu mir und fragt beunruhigt: “Wo ist Mama?” Denn es ist den Söhnen kategorisch unmöglich, unsere kleine Dreizimmerwohnung selbst abzusuchen, ohne mich vorher um Auskunft zu fragen, auch dann, wenn sie sich einfach nur umdrehen müssten, um die Herzdame einen Meter hinter sich zu finden. Mein Schreibtisch steht leider in der Mitte der Wohnung, er wirkt deswegen auf die Söhne immer schon wie der Auskunftsplatz in der Zentralbücherei. Wenn man mit irgendwas nicht weiter weiß, geht man da hin, denn dort sitzt ein allwissender Erwachsener. Da ich die Frage nach dem Verbleib der Mutter aber sehr oft höre, viel zu oft, antworte ich seit etwa sieben Jahren mit “Im Kühlschrank”. Das ist auch Bestandteil meiner Mission, den Söhnen etwas Humor nahezubringen. Und seit sieben Jahren antwortet das jeweils fragende Kind mit einem ratlosen “Hä?” Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, vielleicht verstehen sie den Witz doch noch, bevor sie irgendwann ausziehen.

Wegen des nicht kooperativen und überhaupt wieder seltsamen Vaters machen sich die Kinder dann murrend und knurrend selbst und alleine auf die mühsame Suche nach der jetzt schon immerhin minutenlang verschollenen Mutter. Dabei müssen sie durch drei Zimmer, Küche, Bad, Flur, Abstellkammer und kurz auch an den Kühlschrank, man weiß ja nie. Das ist ein weiter Weg, es ist hart und dauert lange, manchmal sogar mehr als zehn Sekunden. Wenn sie die schwer vermisste Mutter dann endlich, endlich gefunden haben, stürzen sie sich vor Erleichterung jubelnd auf sie und fragen, was sie da macht. Woraufhin diese ihre aktuelle Sprachnachricht entnervt abbricht und mit allem von vorne anfängt, nachdem sie dem Fragesteller erklärt hat, dass sie jetzt gerade nicht gestört werden möchte, was natürlich erst einmal diskutiert werden muss, da das Konzept von “Nicht stören” Kindern frühestens in der Pubertät einleuchtet, dann aber gründlich, jedenfalls erinnere ich das so aus meiner Kindheit. Eine Tür geht schließlich wieder zu, ein Kind zieht mehr oder weniger beleidigt ab, man hört die Herzdame noch leise “Also …” ins Gerät murmeln. Eine Minute vergeht. Das andere Kind kommt aus einem anderen Zimmer zu mir: “Wo ist Mama?”

Sprachnachrichten sind eigentlich mehr was für kinderlose Singles, glaube ich. Wenn überhaupt.

Und was man sonst noch so findet: Die Bee Gees singen “Blowing in the wind”.