“Mein Leben mit Zombies und Kürbisbomben” von Christian Tielmann, illustriert von Zapf

Ein Text von Jojo Buddenbohm, neun Jahre alt.

In dem Buch geht es um einen Jungen namens Max, der in eine neue Schule kommt, in die fünfte oder sechste Klasse. Er bekommt dort schon am ersten Tag Feinde, aber nicht durch eigene Schuld, er setzt sich nur gleich auf den falschen Platz im Schulbus. Der Platz gehört Edgar, zu Edgar gehören zwei Schlägertypen. Max hat zwar auch zwei Freunde, Nico und Jamal, die fahren aber nicht mit dem Schulbus, denn Jamal wohnt direkt neben der Schule und Nico verpasst den Bus immer, deswegen fahren ihn seine Eltern.

Max zeichnet in seine Mathehefte Zombiecomics. Darin geht es immer um den Mathelehrer, Herrn Brockmann, der da auch als Zombie dargestellt wird. Der Lehrer will die Hefte kontrollieren und sammelt sie ein. Damit der Lehrer den Comic nicht entdeckt, versucht Max, das Matheheft zu klauen. Mehr erzähle ich nicht von der Handlung.

Die Zeichnungen sind sehr gut gemacht, sie sehen aus wie Bleistiftzeichnungen und sind auch gut abzuzeichnen. Ich zeichne so etwas gerne ab, weil ich Zeichnen mag und man dabei üben kann. Es gibt auf jeder Seite Bilder, oft sogar mehrere, das sind also sehr viele. Die Zeichnungen sind auch lustig.

Das Buch ist witzig, spannend und interessant. Es ist passend für Kinder ab etwa zweiter Klasse, auch wenn es darin nicht mehr um die Grundschule geht. Den zweiten Band möchte ich auch noch gerne haben.

Es ist nicht gruselig, auch wenn im Titel was mit Zombies steht, Angst kriegt da keiner. Es sei denn, jemand hat sowieso vor allem Schiss. In dem Buch geht es einfach nur um Spaß.

Eine etwas frühe Sommerbuchempfehlung

Nachdem ich hier neulich den drei- oder sogar vierfach verschachtelten Rahmenhandlungseinstieg in Theodor Storms Schimmelreiter erwähnt habe, fiel mir noch eine andere etwas spezielle Erzählsituation ein, in einem Buch, das ich längst empfohlen haben wollte, im letzten Sommer schon, aber man kommt ja zu nix: “Der Garten über dem Meer” von Mercé Rodoreda, übersetzt von Kirsten Brandt, herausgegeben und mit einem kenntnisreichen und auffallend liebevollen Nachwort versehen von Roger Willemsen. Das Buch erschien beim Mare-Verlag, ich habe die Ausgabe der Büchergilde gelesen.

Das spielt in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts in Spanien, pardon, in Katalonien. Es geht um die Liebe, natürlich geht es um die Liebe, andere Bücher scheinen mich, wenn ich mir den Stapel auf dem Nachttisch ansehe, ohnehin nicht besonders zu interessieren. Um die Liebe unter jungen und betont feinen Leuten geht es, man hat Geld und zwar reichlich. Da verwickelt es sich, es geht hin und her, es wird auch dramatisch. Alles spielt auf einem größeren Anwesen in bester Lage an der Küste, man ist eben in der High-Society, man residiert. Erzählt wird das aber von jemandem, der der Handlung gleich drei- oder vierfach entfremdet ist. Es ist der alte Gärtner, der die Geschehnisse im Haus, das er nicht betritt, auf etwas unorthodoxe Weise wiedergibt, der Herr ist kein Autor, schon gar kein Romanschriftsteller. Der Spaß beim Lesen steigt, wenn man immer wieder darauf achtet, wie Mercé Rodoreda das nun hinbekommt, so eine Geschichte aufzubauen. Und wenn man sich ab und zu fragt, was man da als Leser eigentlich zu deuten hat – die Geschichte oder den Erzähler?

Die wahre Autorin des Buches übrigens kannte sich aus mit der Botanik, das merkt man dem Text auch an. Was ich dann teilweise bilderblind lese, weil ich als Naturbanause nicht zu jeder erwähnten Blume sofort ein passende Blüte im Kopf habe. Ich rate da dann googlefaul herum, das kenne ich schon aus den Romane des vorletzten Jahrhunderts, da duftet es auch dauernd aus den Gärten nach irgendwas und es sagt mir nichts, ich sage nur Heliotrop. Der Gärtner jedenfalls ist für Pflanzen zuständig, nicht für Menschen oder Geschichten. Aber beobachten kann man ja alles, was im Garten so vorkommt, Lupinen, Leute und Liebesgeschichten.

Der Gärtner ist wesentlich älter als die Hauptpersonen, er gehört einer anderen Schicht an, er wohnt in einem anderen, viel kleineren Haus am Rande des prächtigen Gartens. Er ist durch seine Generation, durch gesellschaftliche Konventionen und auch räumlich von der Liebesgeschichte in der Villa entfernt. Und wenn er auch nicht der sortierteste Erzähler ist, was er als Gärtner auch nicht sein kann, so ist er doch besonnen in seinen Betrachtungen und Stimmungen, was man von den jungen Leuten wiederum nicht behaupten kann.

Er arbeitet im Garten, seit vielen Jahren schon, er bekommt dabei nur nebenbei einiges mit, er ist nicht einmal übertrieben neugierig, er hält sich höchst anständig zurück. Er erzählt uns zwischendurch von den wenigen und bescheidenen eigenen Erlebnissen, immer wieder auch vom Blühen und Vergehen im Garten, der ihn vor allem anderen interessiert, der ihm auch wichtiger als die Geschichten im großen Haus ist. Wobei sich die Wichtigkeit des Gartens auch durch eine Geschichte erklärt, da ist man dann schon im Dickicht der Erinnerungen. Von den jungen Leuten, die er vom Garten aus gelegentlich beobachtet, spricht er mit Respekt und wohlwollendem Interesse. Weil er ein freundlicher alter Mann ist, reden die ab und zu gerne mal mit ihm, wobei die Distanz nie überwunden wird. Auch die anderen Dienstboten bekommen hier und da etwas aus der besseren Gesellschaft mit und fügen so in Erzählungen, in Vermutungen und in schnellem Klatsch nebenbei immer mehr Einzelteile zusammen, es ergibt sich eine Art Wurzelwerk der Geschichtchen, aus dem allmählich etwas anderes wächst.

Ein Garten ist keine Geschichte, ein Garten ist eine Bildersammlung, könnte man meinen. Ein Garten hat keinen Spannungsbogen, in einem Garten passiert alles zyklisch, ein Garten läuft auf nichts hinaus, er ist immer gegenwärtig. Und es ist wunderbar, wie es Rodoreda nur mit dem Blick des Gärtners, der im Garten gemächlich Blumenbilder und Erinnerungen arrangiert, zu einer ausgereiften Geschichte schafft, einer gar nicht mal so kleinen Geschichte, wie es sich bei Liebesgeschichten gehört, es geht am Ende natürlich um alles. Oder vielleicht geht es doch nur um ein saisonales Aufblühen, wer weiß. Die einen sagen so, die Gärtner sagen so. Wobei in dem Buch metaphorisch übrigens nichts überstrapaziert wird, auch nicht das Meer, das ebenfalls eine große Rolle spielt.

Ich kenne mich mit Gärten nicht aus, ich hatte nur einmal im Leben einen, an dem ich prompt grandios gescheitert bin, das hatte ich doch neulich gerade irgendwo geschildert? Ah ja, hier. Ich war zu jung und viel zu cool, um mich um Pflanzen zu kümmern. Blödes Blühzeug, egal. Das würde ich mittlerweile anders angehen, aber nun habe ich gerade keinen Garten. In diesem Buch von Rodoreda schien mir aber alles interessant, was den Garten betraf, sozusagen jedes einzelne Beet.

Es ist ein herrlich trauriges Sommerbuch, ungeheuer kunstvoll aufgebaut. Draußen zu lesen, wenn es denn geht, wenigstens auf einem Balkon oder zur Not auch neben dem Basilikum in der Küche bei offenem Fenster. Jedenfalls eine große Empfehlung für wärmere Tage.

Kleine Anmerkung zu Storm

Als ich neulich bei einem meiner quartalsweise vorkommenden Versuche, mich doch noch mit dem Medium Hörbuch anzufreunden, den Anfang von Storms Schimmelreiter nachgehört habe, hat sich ein Verdacht bestätigt, den ich schon länger hatte, den zu verifizieren ich aber in den letzten Wochen nie Zeit oder Gelegenheit hatte. Es ist nämlich tatsächlich so, dass die Geschichte vom Schimmelreiter einen immerhin dreifach gestaffelten Erzählrahmen hat. Ein Erzähler erzählt einem Erzähler, was ihm ein Erzähler erzählt hat. Oder nein, genau genommen erzählt der Erzähler, wie er als Kind ein längeres Stück in einer Art Zeitschrift gelesen hat, in dem jemand erzählt, wie ihm etwas in einer Sturmnacht in einem Wirtshaus an der Nordsee erzählt wurde, wobei übrigens nicht einmal endgültig klar wird, ob der Erzähler auf der dritten Stufe die Geschichte im Dorf selbst mitbekommen oder womöglich auch nur erzählt bekommen hat, von wem auch immer.

Und man merkt das als Leser gar nicht, wenn man nicht sehr genau aufpasst, man sitzt da wie in einer Zaubershow und bekommt den Trick nicht mit, obwohl man doch weiß, dass gleich getrickst wird. Man gleitet so in den Bericht hinein und ist nach wenigen Minuten ganz auf der Höhe des Geschehens, im Scheinwerferlicht nur noch Hauke Haien, der Deiche modelliert und darüber nachsinnt. Die Erzähler treten alle drei zurück ins Dunkel, bis man sie schnell ganz vergessen hat, obwohl doch zumindest einer von ihnen durch seine Begegnung mit dem Schimmelreiter erheblich zum Wahrheitsgehalt der Geschichte beiträgt. Das hat er schon verdammt gut gemacht, der olle Storm, so ein kompliziertes Konstrukt erst auf der Bühne zu inszenieren und dann umgehend wieder verschwinden zu lassen, das ist äußerst gekonnt eingefädelt.

Oder, wie es die Berufsschüler ausdrücken würden, die vormittags kiffend vor unserer Haustür herumlungern: “Respekt, Digger. “

Die Herzdame liest: Schlaf gut, Baby!

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die gerade ein Schlafbuch für Eltern von Kindern von 0-6 Jahren gelesen hat (keine bezahlte Werbung)

Wie einige hier vielleicht wissen, gebe ich unter anderem auch Babykurse, genauer gesagt DELFI® Kurse. Eigentlich mache ich beruflich was ganz Anderes, bin da aber in der Elternzeit mit Sohn 2 so reingeschlittert. Ich habe ein Jahr Weiterbildung gemacht, seitdem bin ich montagsnachmittags glückliche Kursleiterin, während der Gatte sich um unsere Kinder kümmert. Ein großes Thema, wenn nicht das größte Thema überhaupt, ist da immer wieder das Thema „Schlafen“. Es gibt kaum eine Woche, in der nicht wenigstens eine übermüdete Mutter über das nicht ein- oder durchschlafende Kind berichtet.

Auch wir hatten mit unseren Kindern und vor allem mit Sohn 1 viele schlaflose Nächte. Rückblickend habe ich den Eindruck, dass wir uns da viel zu sehr haben von anderen Meinungen verunsichern lassen. Vor bald 10 Jahren gab es noch zu viele Eltern und Ratgeber aus der „Jedes Kind kann schlafen lernen“-Fraktion um uns herum. Für die Leser, denen das nichts sagt, es geht da um einen Ratgeber, der empfiehlt, die Kinder abends und nachts so lange schreien zu lassen, bis sie vor Verzweiflung und Erschöpfung einschlafen (die Methode ist vor allem auch hervorragend geeignet für eine gestörte Eltern-Kind-Bindung, echte und dauerhafte Schlafstörungen und den Geldbeutel der späteren Psychiater.)

Ich habe mich ständig als Versagerin gefühlt, weil mein Kind lange nicht im eigenen Bett ein- und vor allem nicht durchschlief. Gleichzeitig sagte mir mein Gefühl aber auch, dass mein Kind sich gerade nachts geborgen fühlen soll. Und dass es richtig ist, ihm die Zuwendung und den Körperkontakt zu geben, den es offensichtlich braucht. Am einfachsten war das im Familienbett, da musste ich nicht zum Stillen und Trösten ständig aufstehen. Wie viele von uns Erwachsenen schlafen wirklich gerne allein? Also ich nicht! Aber warum soll mein Baby das dann gerne tun? Vor allem wenn es am Anfang noch so hilflos ist, dass es sich nicht mal den Schnuller alleine in den Mund stecken kann? (Ja, es gibt Ausnahmen, bei Kindern wie bei Erwachsenen.)

Ich war also lange Zeit zerrissen zwischen meinem Gefühl und den Ansichten meiner Umwelt. Mit großer Freude stelle ich jetzt aber immer wieder fest, dass die Schreien-lassen-Fraktion auf dem Rückzug ist und sich der bindungsorientierte Kinderschlaf durchsetzt, zumindest in meinem Umfeld. In meinen ersten DELFI-Kursen hatte ich noch Mütter, die den anderen diese fürchterlichen Schlaflernprogramme ernsthaft empfohlen haben. Inzwischen habe ich keine einzige mehr. Im Gegenteil, mir hat eine Mutter gerade ein relativ neu erschienenes Buch empfohlen, welches sich eher mit dem Verständnis des kindlichen Schlafes und sanften Strategien beschäftigt.

Es handelt sich um das Buch „Schlaf gut, Baby! – Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten“ von Nora Imlau und Dr. med. Herbert Renz-Polster.

Nora Imlau habe ich schon damals gerne gelesen, als ich noch die Zeitschrift „Eltern“ regelmäßig gekauft habe. Und von Herbert Renz-Polster kann ich den dicken Wälzer „Kinder verstehen. Born to be wild. Wie die Evolution unsere Kinder prägt“ nur empfehlen (auch wenn ich ihn nie zu Ende gelesen habe, weil er einfach kein Handtaschenformat hatte und ich ihn daher nicht mitnehmen konnte).

„Warum Kinder anders schlafen“

Am Anfang geht es erstmal darum, den kindlichen Schlaf zu verstehen: Fakten, Schlafzyklen, vor allem aus evolutionärer Sicht. Die Autoren werfen einen Blick zurück in die Geschichte der Menschheit, als der Schlaf noch eine gefährliche Sache war und Gefahr bestand, im Schlaf in der Höhle zu erfrieren oder vom Säbelzahntiger gefressen zu werden. Welches Baby war da im Vorteil? Gewiss nicht das, welches friedlich und alleine ohne Körperkontakt in einer Ecke schlummerte (und erfror…). Leider haben es heutige Babys noch nicht kapiert, dass sie sicher und behütet sind, auch wenn die Eltern sich jetzt lieber nebenan um den Haushalt kümmern oder ihre Ruhe wollen. Ihr biologisches Programm ist immer noch auf Steinzeit gepolt.

Guter Schlaf funktioniert nur durch Entspannung, wie wir Erwachsenen aus eigener Erfahrung wissen. Die Autoren schreiben „Der Schlaf gehorcht nicht der Anspannung, sondern der Entspannung. Ihn beeindruckt nicht das Festhalten, sondern das Loslassen“. In der modernen, hektischen Welt, in der alles auf Effizienz und Produktivität ausgerichtet ist kommen Babys einfach noch nicht mit. Wer kann sich schon entspannen beim Gedanken an einen Säbelzahntiger vorm Höhleneingang? Da bleibt man lieber wach und sorgt durch Weinen und Schreien dafür, dass ein Erwachsener einen in den Arm nimmt und beschützt.

Man darf aber nicht vergessen, dass der Schlaf bei Kindern wie Erwachsenen verschiedene Phasen durchläuft und während des REM-Schlafes (Rapid Eye Movement) Erlebnisse und Eindrücke des Tages verarbeitet werden. In der Regel werden hier alle kurz wach, Erwachsene haben aber gelernt schnell wieder einzuschlafen und erinnern sich am nächsten Tag meist nicht mehr daran. Babys müssen den Übergang von einer Schlafphase in die nächste noch lernen. Schlafen lernen ist wie Laufen lernen. Es braucht seine Zeit und man muss akzeptieren, dass es schnellere und langsamere Kinder gibt.

Mir ist es sehr wichtig, „meinen“ Müttern dieses Verständnis mit auf den Weg zugeben. Weil ich finde, dass es einen großen Unterschied macht, ob sie das Gefühl haben, das Kind schreit und will nur nicht schlafen, weil es seinen Willen durchsetzen will – oder ob sie denken, es kann einfach noch nicht alleine schlafen und will seinen Eltern seine Bedürfnisse mitteilen.

„Eine Begegnung mit Ängsten, Mythen – und uns selbst“ und „Was uns Mut machen kann“

Im weiteren Verlauf des Buchs geht es darum, den gemeinsamen Schlafstress zu reduzieren, sich frei zu machen, von den Ansichten anderer Leute oder von fremden Erziehungsidealen, was am Ende nur zu Beziehungsstress mit den Kindern führt. Gut finde ich immer wieder den Blick auf andere, ursprünglichere Kulturen. Die können z.B. mit dem Begriff „ins Bett bringen“ gar nichts anfangen, da ihre Kinder einfach einschlafen, wann und wo sie wollen. Auf dem Schoß am Feuer, an der Brust oder im Tragetuch auf dem Feld. Auch bei uns war das Jahrtausende so. Wir in den modernen Kulturen sind die einzigen, die den Knall haben, die Kinder „bettfertig“ zu machen und sie dann alleine, abgeschoben im Kinderzimmer in ihr Bett zu legen, um dann endlich Erwachsenenzeit zu haben.

Letzten Endes gehen die meisten Schlafprobleme von Eltern aus. Die Kinder wollen einfach nur geborgen schlafen. Wir sind diejenigen, die da ein Ding draus machen. Die Kinder haben keine Probleme, wir haben sie.

Die Autoren plädieren dafür, die Schuld nicht beim Kind oder sich selbst zu suchen, oft stimmen einfach nur die Bedingungen nicht und daran lässt sich arbeiten. Schuld, dass es mit dem Schlafen nicht klappt, ist niemand.

„Warum wir gegen Schlaftrainings sind“

Einfach sind die Methoden, die Programme, das Sich-bedienen-lassen aus den Bauchläden der Kenner und Experten. Der eigene Weg fordert uns ganz schön was ab, und er ist mal so, mal so, mal auf, mal ab, lebendig eben, aber paradiesisch gewiss nicht.“ So heißt es im Buch. Und genau das ist auch meiner Meinung nach das Problem. Es ist viel schwieriger, auf die Bedürfnisse aller Familienmitglieder einzugehen und tragfähige Kompromisse zu finden, als die elterliche Macht auszuspielen und die eigenen Wünsche und Vorstellungen durchzusetzen. Das gilt auch bei allen anderen Erziehungsfragen. Aus diesem Grund sterben Ratgeber und Methoden à la „Jedes Kind kann schlafen lernen“ auch nicht ganz aus: einfach macht das Leben leichter. Aber auf Kosten der Kinder.

Die Autoren erläutern die Methode, die dahintersteckt. Im Prinzip gehen alle Schlafprogramme auf Richard Ferber zurück. Man spricht hier deshalb auch von der Ferber-Methode, man „ferbert“ das Kind ein. Wobei der Herr Ferber seine eigenen früheren Aussagen heute selbstkritisch sieht. Die theoretische Grundlage basiert auf der Theorie des Behaviorismus, wodurch das Verhalten von Mensch und Tier durch die Verbindung positiven (Belohnung) und negativen (Bestrafung) Reizen verstärkt bzw. abgeschwächt oder gar ausgelöscht wird. Wer sich noch an seinen Biologieunterricht in der Schulzeit erinnert, dem werden gleich die Ratten von Skinner oder die Pawlowschen Hunde einfallen. Auf dieser Basis sollen wir unsere Kinder in einen sicheren, wohligen Schlaf begleiten und eine dauerhafte, positive Bindung zu ihnen entwickeln? Viel Erfolg!

Bevor ich mich in Rage schreibe, zurück zum Buch. Was lernen die Kinder wirklich? „Das beherrschende Motiv ist […] Stress – die Kinder werden so lange mit Frustration und ihren negativen Emotionen konfrontiert, bis sie einschlafen. […] Das Kind lernt nicht alleine zu schlafen, es wird gezwungen.“ Nun werfen die die Autoren die Frage auf: „Was bedeutet es für die Kinder, wenn ihre Eltern sie tagsüber verlässlich trösten und feinfühlig auf ihre Bedürfnisse eingehen, aber sie dann ganz anders behandeln, sobald der Zeiger der Uhr über die Acht geglitten ist?“ Kann so eine Ein-Aus-Behandlung förderlich sein? Das kann ich mir nicht vorstellen.

„Alles was wichtig ist“

Aber wenn Schlaftrainings nicht das Richtige sind, um Kinder geborgen durch die Nacht zu begleiten, was ist es dann? Nach dem Buch ist guter Schlaf vor allem eine Frage des Timings, des Settings und der Schlafqualität. Schlafen ist auch Typsache, wie bei Erwachsenen gibt es bei Kindern gute und schlechte Schläfer, Eulen und Lerchen. Das sollte man akzeptieren und individuell günstige Schlafbedingungen schaffen. Hier werden kleine Tipps gegeben, etwa das individuelle Schlaffenster auszunutzen, in dem es besonders leicht ist, in den Schlaf zu finden. Von festen Schlafenszeiten abzuweichen, wenn sie nicht zur inneren Uhr des Kindes passen und so weiter. Es muss nicht immer das eigene Bett sein. Kinder schlafen am besten da, wo sie sich wohlfühlen und nicht alleine sind. Wenn es sein muss, auch kuschelig zwischen den Eltern vor dem Fernseher. Hauptsache, es geht allen gut. Und ansonsten gerne auch tagsüber: kuscheln, kuscheln, kuscheln.

Die meisten Tipps sind kein Hexenwerk und jeder halbwegs normale Mensch könnte selbst draufkommen, man muss sich nur etwas zutrauen. Dann beschäftigen sich die Autoren noch mit dem Thema „Gewohnheiten liebevoll verändern“. Hierunter fällt auch der Dauerbrenner in meinen Kursen; das nächtliches Dauerstillen abgewöhnen. Es gibt den ein oder anderen Tipp, wie man hier schrittweise vorgehen kann und worauf man achten sollte. Zum Schluss widmen sie sich dem Familienbett, geben Ratschläge zur Sicherheit und gehen vor allem auf die Vorteile ein. In diesem Zusammenhang wird auch der plötzliche Kindstod (sudden infant death syndrome, kurz SIDS) behandelt und was man hierbei beachten sollte.

Mein Fazit

Ich finde das Buch sehr gelungen. Es sorgt für ein grundlegendes Verständnis der kindlichen Verhaltensweisen und räumt mit Mythen und Ängsten rund um den Babyschlaf auf. Außerdem macht es Mut, sich vom ewigen „Durchschlafstress“ zu befreien und liebevolle Wege zu gehen. An einigen Stellen habe ich gedacht, das habe ich doch schon mal hier und hier gelesen. Aber für Eltern, die noch unentschlossen sind, wie sie ihre Kinder in den Schlaf bringen wollen, kann man das wahrscheinlich nicht oft genug sagen. Und grundsätzliches scheint mir, gute Ratgeber zum Thema Schlafen geben keine konkreten Methoden vor, sondern versuchen, zu einer positiven Haltung gegenüber dem Kind anzuregen und für mehr Gelassenheit zu sorgen.

Ach, hätte es doch vor 10 Jahren schon mehr von diesen Büchern und Ratgebern gegeben.

Ninjagobücher aus dem Ameet-Verlag

(Ein Text von Johnny Buddenbohm, sieben Jahre alt. Dies ist keine bezahlte Werbung, aber der Verlag hat uns die Bücher zugeschickt.)

Ich bin in der ersten Klasse und für einen Erstklässler kann ich schon ganz gut lesen. Diese Ninjagobücher sind für Kinder in der ersten oder zweiten Klasse.

In dem einen Buch geht es um Giftnattern, in einem anderen um goldene Waffen, in einem auch um die Ninja-Legenden, da wird erklärt, wie es überhaupt zu allem kam. Die Hauptfiguren kennt man natürlich alle vom Legospielen.

Die Geschichten fand ich sehr gut, sie sind aufregend und spannend. Die meisten Geschichten sind nicht schwer zu lesen, die kann man auch als Anfänger schaffen. Ich habe immer einige Sätze gelesen und mir dann noch ein paar Sätze von meinen Eltern vorlesen lassen. Einmal hat auch mein Bruder geholfen. Ich könnte aber auch eine ganze Geschichte ohne Hilfe lesen, aber zu lange mag ich noch nicht alleine.

Die Geschichten passen zu dem, was man sich beim Spielen ausdenkt, nur bei den Ninja-Legenden nicht, da geht es ja auch um früher und so, das ist alles aus einer anderen Zeit.

Es gibt auch ein Stickerheft aus der Reihe. Da sind sehr, sehr viele Sticker drin, das macht Spaß. Und da sind Rätsel drin, davon sind einige aber ziemlich schwer. Ich habe aber auch davon schon einige gemacht.

Wenn es in dieser Art auch noch Sachbücher geben würde, die würde ich gerne lesen.

Timm Thaler

Timm Thaler, das Kinderbuch von James Krüss, ist neu verfilmt worden, man kann sich das Ergebnis gerade im Kino ansehen. Der Film ist glänzend besetzt, im Grunde hat man schon deswegen Spaß, weil man dauernd jemanden erkennt, das geht übrigens auch den Kindern schon teilweise so. Wir waren mit vier Erwachsenen und fünf Kindern im Kino. Fünf Kinder fanden den Film langweilig bis “so mittel”, vier Erwachsene fanden ihn ganz nett bis „sehr gute Unterhaltung“. Ich setze die Geschichte von Timm Thaler unter uns Möchtegernbildungsbürgern mal als bekannt voraus, Rezensionen kann man woanders nachlesen, ich möchte nur kurz schildern, was mir am Rande auffiel.

Die von den Kindern wahrgenommene Langeweile liegt an einem etwas ruhigen Fluss der Erzählung. Dafür kann der Film eigentlich nichts, die Ruhe ist schon in Ordnung und auch passend, dafür können aber alle anderen Filme etwas. Denn die meisten oder doch sehr viele Kinderfilme sind nun einmal eher hektisch. Ich finde das natürlich schade, ich kann mit langsamen Erzählungen und weniger als -zig Schnitten pro Minute noch umgehen, aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe. Oder doch nur sekundär. Anders ausgedrückt – ohne Kinder wäre mir die Langsamkeit des Films gar nicht aufgefallen. Ich fand ihn am Ende sogar etwas zu schnell. Wie die Kinder von heute wohl später einen grandios langsamen Filmanfang wie in “Spiel mir das Lied vom Tod” oder ähnlichen Klassikern finden? Vermutlich schlafen sie nach zehn Minuten ein.

Für Menschen, die viel Wert auf Ausstattung und Kostüme legen, also für Menschen wie mich, geht es bei Timm Thaler etwas sehr durcheinanderig zu. Die Mode und die Kulissen meinen die Zwanziger, zwischendurch driftet es aber, besonders wenn es teuflisch zugeht und die Hilfskräfte des Bösen nachts auf Motorrädern durch die Szene brausen, recht deutlich plötzlich in die Achtziger oder in beliebige James-Bond-Filme, das habe ich nicht verstanden. Aber ich bin auch im Kino und im Theater ein krückstockfuchtelnder Ausstattungsspießer.

Die Kinder wiederum haben über die Sache mit der Wette gestaunt, dafür kann der Film wieder nix. Wenn nämlich Timm sein Lachen beim Teufel persönlich dagegen eintauscht, künftig jede Wette garantiert zu gewinnen – dann ist es doch pappeinfach, auf eine Wette zu kommen, mit der man diesen Plan durchkreuzen kann? Und nicht nur diesen einen Plan, sondern gleich noch ein paar andere? Sie kamen gleich auf mehrere Optionen, da hätte es dann übrigens auch keinen toten Vater mehr gegeben, wenn man schon dabei ist, logisch. Und nun weiß ich gar nicht recht – kam ich da als Kind damals auch drauf, als ich das Buch gelesen habe? Als ich später die Serie gesehen habe? Oder hab ich alles eher einfach so hingenommen? Hat das Buch da eine erhebliche Schwäche in der Konstruktion oder sind Kinder heute schlauer, pragmatischer, einfach weniger leicht zu beeindrucken, als wir es wohl noch waren? So leicht würde der Teufel den Nachwuchs heute mit einem so simplen Trick jedenfalls nicht reinlegen können.

Wobei, das wurde mir dann erst im Gespräch nach dem Film klar, meine Generation mit dem Teufel selbst noch mehr Inhalt verbunden hat. Da müsste man vermutlich kulturgeschichtlich weit ausholen, aber offensichtlich ist es so, dass der Teufel als Inbegriff des Bösen, als höllisches Drohszenario und Fürst der Finsternis, als Gottseibeiuns mit Heulen und Zähneklappern einfach nicht mehr recht zieht. Wir entfernen uns immer mehr von der Zeit, in der Märchen und andere uralte Geschichten noch abends am langsam ausgehenden Kaminfeuer erzählt oder vorgelesen wurden, während draußen die Wölfe am Waldrand heulten und der aufbrisende Wind mit den klappernden Fensterläden am Haus spielte, die im Licht des Vollmonds gespenstische Schatten an die Wand über dem Bettchen warfen, in dem die Kinder bebend lagen, Stoßgebete murmelnd und sich aneinander klammernd. Das war in meiner Kindheit schon weit weg, es rückt natürlich mit jeder Generation immer weiter von uns. Mittlerweile haben sich so viele Horrorfilmbösewichte in Zeichentrick-, Sammelkarten- oder Plüschpuppenversionen in den Kinderzimmern angesiedelt, da muss man schon etwas auffahren, um noch wohliges oder wirklich furchtsames Schaudern zu erzeugen. Der Teufel jedenfalls ist heute eher eine der Figuren aus dem Kasperletheater, und das ist nun einmal albern und etwas für kleinere Kinder. Da hat sich etwas verschoben, das Böse ist heute anderswo, es ist nicht mehr unten in der Hölle. Auch interessant. Wenn im Film klar wird, was dann mit gesenkter Stimme zögernd geraunt wird, nämlich dass der Baron Lefuet ja rückwärts gelesen – oha! Dann ist das bei heutigen Kindern einfach kein nennenswerter Effekt mehr.

Schön war aber, dass man im Kinosaal genau merkte, wer wie alt ist. Als nämlich Thommy Ohrner einen kurzen Auftritt hatte, hörte man von den Plätzen der Älteren ein gezischtes “Ha, da isser doch!” Und als Antwort der Jüngeren natürlich ein komplett ratloses “Hä? Wer?”

Schön auch, dass der Gruselfaktor mit Kostüm- und Bühnenzauber und filmischen special effects für Sieben- bis etwa Zehnjährige dann doch genau richtig war. Als der Teufel sich am Schluß der Handlung endlich doch noch zu Horrorfilmhöhen aufschwang und so ernsthaft böse wurde, wie es sich für den Herrn nun einmal standesgemäß gehört, da waren es die genau richtigen Effekte für das Alter der Zielgruppe, das muss man auch anerkennen. Denn leicht zu treffen ist das sicher nicht. So gruselig, dass dann doch ein deutlicher Nervenkitzel entsteht und der eine oder andere sich lieber etwas am Kinositz oder an den Eltern festhält, aber nicht so gruselig, dass die Kinder wochenlang von finsteren Träumen verfolgt werden und abends doch lieber wieder bei den Eltern schlafen gehen. Perfekt.

Schade schließlich, da bin ich bei eigenem Verschulden, dass wir es hier nicht geschafft haben, das Buch vorher zu lesen. Andere Krüss-Bücher waren in den letzten Jahren im Bettkantenprogramm dabei, dieses leider nicht. Wobei die Handlung des Films dann doch so stark abweicht (für Kenner – es fehlt der Reiseteil, es fehlt Hamburg, es fehlt der spätere Timm), man könnte fast noch einmal darüber nachdenken. Oder wetten, dass man es noch liest ….

(Regie: Andreas Dresen, mit Arved Friese, Justus von Dohnanyi, Jule Hermann, Charly Hübner, Axel Prahl, Nadja Uhl, Fritzi Haberlandt und anderen)