Spontaner Wochenend-Hinweis für Hamburger Eltern

Am 19.03. läuft noch die Ausstellung “Floatingbricks” im Hamburger Hafen. Wir haben uns die heute angesehen, die Söhne waren sehr zufrieden, ich war auch einigermaßen beeindruckt (die Titanic! Alter Schwede!). Es gab wirklich viel zu entdecken, die Söhne sehen ihre Legosteine jetzt mit neuen Augen und werden vielleicht sogar in den nächsten Wochen wieder mit etwas mehr Ausdauer bauen.

Wie der Hobby-Baumeister dort, der eine gigantische Strandszene aus St. Peter-Ording nachgebaut hat, daneben stand und wie entschuldigend sagte: “Es sollte eigentlich gar nicht so groß werden.”

Alle Details zur Ausstellung hier. Was dort nicht steht – man kann sehr gut mit der Fähre hinfahren. Ab Landungsbrücken mit der 62er Richtung Finkenwerder, Dockland aussteigen.

Fair ins Museum: Game Masters

Vermutlich wird Sohn I auch noch etwas zur Ausstellung “Game Masters” über Video- und Computerspiele im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe schreiben, ich beschränke mich daher auf eine kleine Anmerkung aus Sicht eines nicht spielenden Vaters, der sich sogar in aller Regel nicht einmal ansatzweise für Spiele interessiert, weder für solche auf Brettern, noch für solche auf Konsolen oder Tablets.

Museum für Kunst und Gewerbe - Foto: Roman Henze

(Foto freundlich zur Verfügung gestellt von Roman Henze, das ist ein Fotograf aus unserem kleinen Bahnhofsviertel)

Ich möchte diese Ausstellung aus pädagogischen Gründen nämlich ausdrücklich gerade Elternteilen empfehlen, die mir in dieser Aversion ähneln. Nicht, weil wir da etwas lernen würden, man lernt ja eher nichts, wenn man sich nicht interessiert – sondern weil es so fair gegenüber den Kindern ist, dort hinzugehen. Denn da hat man endlich einmal vertauschte Rollen im Museum! Die Kinder bleiben dauernd entzückt vor vollkommen nichtssagenden Ausstellungsstücken stehen, wollen alles ganz genau wissen, vertiefen sich, lesen alles nach, wollen gar nicht wieder gehen. Man steht ratlos daneben, guckt an die Decke, guckt auf den Boden, guckt in die Gegend. Man fragt nach zehn, fünfzehn endlosen Minuten vor nur einem Ausstellungsstück vorsichtig: “Können wir weitergehen?” Die Frage wird nicht einmal gehört, die Kinder sind so konzentriert, es muss ja alles angesehen und ausprobiert werden (und man kann übrigens alles ausprobieren, jedes Spiel – stundenlang). Man kann nicht begreifen, was an den Spielen so toll sein soll, zumal die sich alle ähneln, kennste eines, kennste alle. Man möchte weiter, man möchte an die frische Luft, man möchte was trinken, man muss mal, man meint, an der Bewegungslosigkeit nervlich Schaden zu nehmen. Den Kindern ist das egal, die Kinder machen hier in Kultur und verweisen zwischendurch kurz auf die Wichtigkeit der Ausstellung, hallo, das ist hier im Museum, Papa! Da lernt man was!

Man sieht auf die Uhr, man setzt sich irgendwo hin, nicht genau wissend, ob man da überhaupt sitzen darf oder ob es am Ende ein Ausstellungsstück ist, was man nach erster Einschätzung für einen Hocker hält. Man rollt mit den Augen, man stöhnt, man fragt noch einmal … egal. Es hört sowieso keiner zu. Man übt sich in Duldungsstarre, wie damals im Schulunterricht in der siebten Stunde. Die Kinder fachsimpeln, die Kinder probieren und beurteilen, die Kinder freuen sich sichtlich über das kulturelle Angebot. Die Kinder sagen irgendwann, man könnte doch auch öfter ins Museum gehen.

Es ist ein Gebot der Fairness, dass ich mich an diese Szenen unbedingt wieder erinnere. Und zwar dann, wenn ich mit den Söhnen wieder einmal irgendwo in einem anderen Museum verzückt vor einer Galerie alter Ölbilder stehen werde, gähnende Kinder in fortgeschrittener Duldungsstarre neben mir. Kinder, die mit den Augen rollen, die zur Decke sehen, zum Boden, die sich schließlich irgendwo hinsetzen, ganz egal, worauf. Die nicht begreifen, was an alten Bildern toll sein soll, zumal die sich auch noch alle ähneln, kennste eines, kennste alle. Und die dann nach zehn, fünfzehn Minuten leise fragen, ob wir nicht vielleicht endlich, endlich einmal weitergehen können. Und die mal müssen. Und frische Luft brauchen, weil sie sonst vielleicht nervlich Schaden nehmen. Und man möchte gerade etwas von Kultur murmeln – dann muss man sich erinnern.

Doch, ich glaube wirklich, es ist ein Akt der Erwachsenenbildung, sich diese Ausstellung anzusehen.

Apfelernte im Alten Land

Apfelernte

Das ist auch schon Ritual geworden, dass wir im Herbst ins Alte Land fahren, und uns Äpfel von den Bäumen holen. In den letzten Jahren waren wir auf einem der kleineren Höfe, jetzt waren wir auf einem ganz großen, auf dem Herzapfelhof in Jork.

Apfelernte

Ein großer Hof hat den Vorteil, dass es dort auch ein Hofcafé und also auch Apfelkuchen gibt, er hat aber auch den Nachteil, dass an einem sonnigen Wochenend- und auch noch Feiertag die ganze Metropolregion Hamburg dorthin fährt. Und da auf dem Hof keine S-Bahn hält, fahren alle mit dem Auto, Idylle geht wirklich anders. Aber man verschuldet das natürlich selbst, schon klar.

Apfelernte

Auf dem Hof kann man auch Sorten finden, die einem nicht gerade im Discounter begegnen werden, das ist natürlich erfreulich.

Apfelernte

ApfelernteApfelernte

ApfelernteApfelernte

Apfelernte

Die Kinder mögen diese Ausflüge sehr, ohne Apfelernte ist es kein Herbst.

Apfelernte

Und es tritt auch wieder der seltsame und ausgesprochen lehrbuchmäßige Effekt ein, dass die Jungs plötzlich Unmengen Obst essen.

ApfelernteApfelernte

Sie nagen sich durch diverse Sorten, sie probieren links und rechts, vom Boden und von ganz oben, es ist so, wie man sich das Essverhalten der Kinder immer wünscht und sonst nie erlebt. Offen, interessiert, neugierig.

Apfelernte

Kein Kind fragt nach geschälten Äpfeln, niemand verlangt geschnittene Stückchen in Tupper, alles läuft ganz natürlich ab. An immerhin einem Tag im Jahr, da muss man auch dankbar sein, erntedankbar.

Apfelernte

Und wenn man sich komplett mit Äpfeln vollgefressen hat, dann kann man sich landlustmäßig ausruhen, das passt da alles zusammen.

Apfelernte

Die Eltern pflücken weiter, wobei man da übrigens leicht in einen gewissen Erntewahn gerät und sich am Ende fragt, was genau man eigentlich mit einer Schubkarre voller Äpfel vorhat.

Apfel

Aber egal, man kann ja nichts hängen lassen, was so gut aussieht.

Apfelernte

Und sie schmecken eben auch so, wie sie aussehen.

Apfelernte

Zwischendurch singt man pflichtgemäß die alte Hamburger Hymne vom Äpfelklauen, allerdings sind weit und breit keine Zäune, über die man ruckzuck könnte. Egal.

Apfelernte

Nächstes Jahr wieder. Eh klar.

Apfelernte

Zur Hetlinger Schanze

Hetliger Schanze/Elbe mit Boot

Wir haben neulich beim Besuch der Langen Nacht der Museen festgestellt, dass wir da sieben Jahre lang nicht mitgemacht haben, das war tatsächlich eine etwas irritierende Erkenntnis. Kaum bekommt man ein, zwei Kinder, zack, sind schon sieben Jahre um? Hat man denn womöglich noch mehr Unternehmungen sieben Jahre lang einfach ausfallen lassen, nur weil man zu nichts kam? Es sieht ganz ganz so aus.

Die Hetlinger Schanze – hier die Wikipediaseite dazu – ist ein Elbstrand und Naturschutzgebiet kurz hinter Wedel, von Hamburg aus betrachtet. Da waren wir früher öfter, da waren wir immer gerne. In einem Früher, das fast schon ein Damals geworden ist. Jetzt fuhren wir also mit den Söhnen dahin, denn es ist immerhin auch eine Art Bildungsauftrag, ihnen die die obligatorischen Ausflugsziele ihrer Heimat nahezubringen.

Wenn man nicht gerade an den strahlenden Feriensommertagen hinfährt, an denen ganz Norddeutschland rudelweise überall grillt, wo man sich auf Sand oder Wiese setzen kann, dann ist das ein verblüffend menschenleerer Strand. Vor allem, wenn man ihn mit dem Elbstrand bei Hamburg vergleicht, mit den Massenwimmelszenen vor der Strandperle. Und wenn der Himmel etwas bedeckt ist, so dass etliche Ausflügler gleich zu Hause bleiben, dann ist es ein perfekter Tag für die Hetlinger Schanze.

Hier kommt alle paar Minuten ein Radfahrer vorbei, zwei, drei Familien liegen im Sand herum, ein einsamer Spaziergänger starrt sinnend in die Wellen – das war es. Sonst trifft man nur Schafe, die auf den Deichen grasen, ganz so, wie man es vielleicht aus Nordfriesland gewohnt ist. Irritierenderweise kann man hier übrigens Schafe und Deiche sehen und dennoch Netz auf dem Handy haben, das ist für den Eiderstedtliebhaber eine höchst verblüffende Erfahrung.

Man kann Schafe und Schiffe gucken, man kann Hände und Füße ins Wasser halten. Und mehr brauchen Kinder auch nicht für ein, zwei perfekte Stunden.

Hetliger Schanze/Sohn I gräbt

Hetliger Schanze/Sohn Imit den Füßen in der Elbe

Zwischendurch etwas Treibholz zurück ins Wasser befördern und zusehen, wie es langsam Richtung Nordsee treibt. Schon hat man einen wunderbaren Nachmittag.

Hetliger Schanze/Die Söhne am Strand

Man kann die beiden höchsten Strommasten Europas, die hier am Ufer der Elbe stehen, ignorieren oder auch bewundern. Ich halte es wie die Schafe, ich gucke da gar nicht hin. Man kann immerhin in zwei Richtungen von den Strommasten wegwandern, dann sieht man sie sowieso nicht mehr. Man könnte natürlich auch ganz herausragend gut radfahren, wenn man denn Räder dabei hätte.

Hetliger Schanze/Strommast und Radweg

Ich finde das ja äußerst entspannend, Schafe und Deiche und Schiffe. Ganz ohne weitere Zutaten. Na gut, etwas Wind, etwas aufblitzendes Sonnengefunkel auf dem Wasser noch. Man fühlt sich so angenehm norddeutsch dabei, so küstennah. Und man hat fast unweigerlich so ein kleines erholungsurlaubsähnliches Gefühl. Auch wenn man nur zwei Stunden da ist.

Hetliger Schanze/Schafe

Und wenn man einen lernwilligen Nachwuchsblogger dabei hat, dann kann er sich sehr schön darin üben, geduldige Schafe zu instagrammen. Sohn I macht das hier gerade vor.

Hetliger Schanze/Sohn I fotografiert

Es ist nicht ganz der freie Blick, denn man von Eiderstedt kennt, aber es ist so nah dran, wie man dem eben kommen kann, wenn man nur ein ganz kleines Stückchen aus der Stadt hinaus fährt.

Hetliger Schanze/Schafe

Es gibt einen Bauernhof an der Hetlinger Schanze, den man nicht übersehen kann, weil man geradezu zwingend vor ihm parkt. Was man aber leicht übersehen kann, ist das Café auf dem Hof.

Hetliger Schanze/Hinweisschild Café

Da sitzt man entweder im Garten oder quasi beim Bauern im Wohnzimmer, bekommt Kaffee und hausgemachten Butterkuchen und Eis für die Kinder. Und das Café ist so dermaßen unspektakulär, dass man es schon dafür lieben muss. Besonders wenn man aus einem Szeneviertel kommt, in dem mittlerweile jedes Etablissement gnadenlos durchgestylt und inszeniert ist. Hier ist gar nichts gestylt. Hier stehen einfach Tische und Stühle. Und das kann auch einmal erholsam sein.

Ringsum ist reichlich Natur, man kann endlos gehen und wandern, wenn die Kinder denn endlos können. Können sie aber nicht, sie müssen z.B. Blumen pflücken. Das ist dann eben wichtiger, versteht sich.

Hetliger Schanze/Sohn II pflückt Blumen

Und das macht auch nichts. Dann hat man eben noch mehr Gelegenheit, sich die Schafe anzusehen. Das passt schon.

Hetliger Schanze/Schafe

Ich glaube, wir fahren da jetzt wieder öfter hin.

Lange Nacht der Museen

Am letzten Wochenende war in Hamburg die Lange Nacht der Museen, das ist dieser Abend, an dem alle Hamburger Museen bis weit in die Nacht geöffnet sind und ein unfassbar vielseitiges Programm anbieten. Mit Performances, Shows, Führungen, Konzerten, Vorträgen, Events und Bespaßungen aller nur vorstellbaren Art. Das Programm des Abends ist ein Taschenbuch von respektabler Dicke, und auch wenn man schon etliche Museen in Hamburg kennt – man entdeckt immer noch welche, in denen man nie war. Es gibt wirklich sehr viele in dieser Stadt. Die Veranstaltung hat mittlerweile etliche Ableger, es gibt die Lange Nacht der Theater, der Kirchen, der Industrie, womöglich gibt es längst auch die Lange Nacht der Blogs und ich habe nur wieder nichts mitbekommen. Das Prinzip scheint sich jedenfalls bewährt zu haben.

Früher waren die Herzdame und ich in jedem Jahr an diesem besonderen Abend in den Museen, das war eine Veranstaltung, die wir immer sehr genossen haben. Es gab wunderschöne und sommerlich anmutende Abende mit grandioser Live-Musik, bei denen wir gleich bei der ersten Band hängengeblieben sind. Es gab geradezu grotesk verregnete Abende mit klitschnassen und durchgefrorenen Besuchermassen, die sich in schlecht beheizte Hallen drängten, weil irgendwo irgendwer etwas vorlas, mit dem man nicht gerechnet hat. Es war immer spannend und sehr unterhaltsam. Dann haben wir Kinder bekommen und kurz Pause gemacht. Und zack, waren ganze sieben Jahre um, manchmal ist es ja erstaunlich. Nach sieben Jahren war es natürlich höchste Zeit, endlich wieder mitzumachen – und zwar mit den Kindern. Kann man da gut mit Kindern hingehen? Das haben uns andere Eltern mehrfach gefragt, und bevor ich das gleich en detail beantworte, schnell die Kurzfassung für Eilige: Jo!

Man kann da tatsächlich sehr gut mit Kindern hingehen. Man muss nur auf zweierlei unbedingt verzichten – auf einen Plan und auf jeden Ehrgeiz, irgendwas zu schaffen.

Statue vor der Kunsthalle

 

Wir haben mit der Kunsthalle und der Galerie der Gegenwart angefangen, weil sie so überaus praktisch vor unserer Haustür liegen. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen fanden beide Kinder das Treppenhaus dort spannend und mussten erst einmal ganz rauf und ganz runter laufen. Da es selbstverständlich brechend voll war, dauerte das ziemlich lange und brachte die umwerfende Erkenntnis, dass man von oben runter gucken konnte. Toll!

Danach fanden wir das “Kinderzimmer”, einen Raum speziell für die kleineren Gäste. Dort liegt ein von einem Künstler entwickeltes Konstruktionsspielzeug aus, ich habe den Namen leider nicht parat. Die Kinder können zugreifen und einfach bauen.

Konstruktionsspielzeug

 

Fertig gebaute Exponate stehen überall herum, es ist nicht ersichtlich, ob von Besuchern oder von Künstlern montiert und es ist ja auch vollkommen egal. Teils fortgeschritten kunstvolle Modelle, teils wildeste Konstruktionen. Man steckt eben so vor sich hin. Oder man lässt die Kinder stecken und basteln, dann kann man in Ruhe Besucher beobachten, das ist ja in Museen oft mindestens ebenso interessant wie die Ausstellung. Der Vater als solcher, das zeigte die Beobachtung in dem Raum dort wieder, der Vater als solcher hat ja doch bedeutende Schwierigkeiten, den Nachwuchs einfach irgendwas basteln zu lassen. Denn der Durchschnittsvater kann, selbst wenn er als Bildungsbürger im Museumsbesucherlook daherkommt, seinen inneren Funktionswestenträger und Dremelinhaber so wahnsinnig schlecht verleugnen. Also erklärt der Vater dem Kind wie man richtig baut – und nicht etwa nur irgendwas.

Konstruktionsspielzeug

 

Ich habe die Jungs dennoch irgendwas bauen lassen, mir fehlt da jeder pädagogische Ehrgeiz. Ich neige ohnehin nicht zu ungefragter Einmischung, ich glaube eher an das Bestellerprinzip – wenn die Kinder etwas brauchen, dann melden sie sich schon. Und wenn sie sich nicht melden, dann kann man sie auch machen lassen. Das gilt auch dann, wenn sie am Wochenende einen ganzen Tag lang im Kinderzimmer versonnen Legosteine herumschieben oder im Sommer stundenlang draußen Fussball spielen. Ich dränge mich nach Möglichkeit eher nicht auf.

Konstruktionsspielzeug

 

Die Kinder haben fast eine Stunde mit diesem Steckspielzeug zugebracht und fanden das immerhin so toll, dass sie am nächsten Tag sogar noch einmal in dieses Museum gehen wollten. Mit dem Zeug mussten sie ganz dringend noch mehr machen. Vom Rest der Ausstellungen im Haus haben wir tatsächlich kein Stück gesehen.

Dann sind wir in das Museum für Kunst und Gewerbe und haben uns die große Tattoo-Ausstellung angesehen, jedenfalls so viel davon, wie man bei den Besuchermassen wahrnehmen konnte, es war wirklich enorm voll, das folgende Bild täuscht etwas.

Die Söhne im Museum

 

Die Söhne werden vor allem Besucherbeine gesehen haben. Die ausgestellten Tattoos haben die Kinder teils begeistert, teils verwirrt, teils abgeschreckt, das wird für die meisten ausgewachsenen Besucher ähnlich gültig sein. Künstler malten Besuchern Fake-Tattoos auf die Haut, Sohn II hat sich sofort angestellt, geduldig gewartet und sich dann ein prachtvolles Herz mit Flügeln auf den Hals zeichnen lassen. Schon diese Aktion war für ihn den ganzen Abend wert, so ein geflügeltes Herz ist doch etwas ganz anderes als die niedliche Tierschminke in der Kita. Sohn I hat (leider erfolglos) versucht, das frische Tattoo des Bruders instagramgerecht zu fotografieren, so konnte jeder seinen Neigungen nachgehen.

Anschließend irrten wir des längeren durchs Museum, weil sich Sohn I vage an einen schiefen Stuhl erinnerte, den er dort einmal vor Jahren gesehen hatte, den wollte er gerne noch einmal sehen. Weder er noch ich wussten noch, wo der Stuhl war und wie er genau aussah, das dauerte daher etwas und wir haben auf diese Art ziemlich viele Exponate gesehen. Ohne jeden Erklärdruck, einfach vorbeigehen, gucken und staunen und weiterrennen. Wenn man sich ganz zurücknimmt und die Kinder machen lässt, dann geht das sehr gut. Es ist vollkommen unkalkulierbar, was sie interessant finden. Sohn II dachte plötzlich über Holztäfelungen nach (“Das ist wie bei Jesus in der Krippe, da war auch alles mit Holz”), Sohn I grübelte über barocke Stühle (“Die konnte man gar nicht drehen? Wann hat man denn Drehen erfunden?”). Wir fanden nach schier endlosen Wanderungen durch die Flure endlich den schiefen Stuhl wieder, der den Sohn sofort nicht mehr interessierte: “Is’ auch egal, wir können weiter.” Der Weg ist das Ziel und so, schon klar. Wobei Wege auch etwas ermüden können.

Sohn I schläft im Museum

 

Dann fuhren wir mit einem der Sonderbusse zum Museum der Arbeit, weil dort Ole mit seiner Band auftrat. Sohn II war glücklich, weil er Swingmusik hören und dazu tanzen konnte, Sohn I war glücklich, weil es Limo und Crêpes gab, denn mit Limo in der Hand kann man gut Tanzenden zusehen und muss selbst nichts machen. Die Kinder fallen in Bezug auf das Mitmachen etwas verschieden aus, genau wie die Eltern. Während ich mit Sohn I eher am Rand der Veranstaltung stand und mir alles aus sicherer Entfernung ansah, gingen Sohn II und die Herzdame näher an die Band und ins Getümmel, bei so etwas teilt sich die Familie ganz friedlich und stimmig auf. Es war bereits neun Uhr, die Kinder waren dezent müde, aber die Aufregung hielt sie noch wach.

Im Museum der Arbeit kamen wir etwa zehn Meter weit, dann fand auf unserem Weg eine Vorführung zum Thema Bonbonherstellung statt. Die Bonbons wurden da auf alten Pressen geformt und hinterher verteilt, wir hatten also nicht die leiseste Chance, die Kinder daran vorbei zu bekommen. Nun dauert die Bonbonherstellung aber eine ganze Weile, denn das Zeug muss ja erst schmelzen, aromatisiert werden, geknetet werden, wieder fest werden… Die Söhne lehnten an der Wand und lauschten den Erklärungen der Dame, die den Herstellungsprozess und auch in epischer Breite die Geschichte des Zuckers in Deutschland erklärte. Und allmählich rutschten die beiden immer tiefer und tiefer, die Augen wurden kleiner und kleiner, es ging auch schon auf zehn Uhr zu. Als die Bonbons endlich ausgeteilt wurden, klaubten wir die Söhne vom Boden und trugen sie halb schlafend nach Hause.

Machen wir das wieder? Unbedingt. Hat es den Kindern gefallen? Und wie. Schon diese wimmelnde Bienenstockatmosphäre der überfüllten Museen, die überall heranwehende Musik, die Museumsangestellten mit den aufgeregt roten Bäckchen, diese Ahnung, dass überall etwas geboten wird, da vorne, da auch, und guck mal da… Man braucht wirklich keinen Plan. Man geht einfach irgendwo hin, fängt irgendwo an und lässt die Kinder mal gucken. Die finden dann schon was. Ich kann das sehr empfehlen.