Die Herzdame reist nach Helgoland (Teil 3)

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die am Ende doch noch rechtzeitig nach Hause gekommen ist.

Wie es an Abreisetagen meisten so ist, muss man das Zimmer schon vergleichsweise früh für die nächsten Gäste räumen, was auf Helgoland ein bisschen doof ist, weil man ja einfach nicht vor 16 Uhr von der Insel kommt. Aber man kann es ja verstehen.

Blick vom Hotelbalkon. #Helgoland #HotelAufDenHummerklippen

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Also haben wir uns nach dem Frühstück auf den Weg übers Oberland zur Langen Anna gemacht. Allerdings kamen wir nicht weit, ein Regenschauer hat uns ins Sekunden total durchnässt. Also erstmal zum Aufwärmen das nächste Café aufsuchen. Die Betonung liegt auf „suchen“, denn um 11:30 Uhr hat auf Helgoland noch weit und breit kein Café auf. Die Tagesgäste kommen ja erst so ab 12/13 Uhr und warum soll man schon vorher öffnen? Und so ohne kuscheliges Zimmer als Rückzugsort war die Laune dann ziemlich schnell ganz weit unten.

Auch schön – passiert ja nicht so oft, dass man sein eigenes Zimmer hat. #Helgoland #HotelAufDenHummerklippen

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Gott sei Dank kamen wir dann doch noch zu unserem Kaffee (und Kakao!). Die Rettung war ein neuer Coffeeshop im Unterland, direkt an der Ecke Lung Wai / Kurpromenade. Also ein richtiger Coffeeshop mit richtig gutem Kaffee, wie man es aus Szenevierteln der Großstädte kennt. Ein Stück Heimat in der stürmischen See. Ich hoffe sehr, dass bis nächste Jahr noch eine weitere Filiale im Oberland aufgemacht hat, damit man nicht immer für jeden Kaffee runterrennen muss. Und damit Ihr ihn auch findet, wenn Ihr mal da seid, der Laden heißt Kaffeeklatsch.

Nachdem der Regen aufgehört und der Sturm uns trocken gepustet hatte, haben wir einen zweiten Versuch gestartet, bis zur Langen Anna zu kommen. Und es hat sich gelohnt. Auf dem Weg dahin kam ein Regenbogen nach dem anderen aus dem Himmel. Nein, eigentlich kamen sie eher aus dem Meer. Und es waren auch doppelte Regenbögen dabei. Viele! Ein grandioses Farbenspiel.

#helgoland

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Allerdings keine Regenbogen ohne Regen, wir wurden auf der Strecke mehrfach nassgeregnet – waren bei dem Wind aber auch immer schnell wieder trocken.

#helgoland

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Ganz großes Kino dann auch der Wind, die Wellen und die Söhne, die sich immer wieder lachend vom Sturm umwehen ließen. Sowas hatte noch keiner von uns je erlebt. Außer dem Gatten natürlich, aber das war auch schon vor dem Krieg.

#Helgoland

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Dann ließen wir uns vom Wind zum Hafen wehen, wo wir uns mit unzähligen anderen Gestrandeten auf das letzte Schiff quetschten, das überhaupt noch fuhr, und bei Windstärke 8 sind wir immerhin bis Cuxhaven gekommen, von wo aus es dann mit dem Bus durch die niedersächsische Nacht zurück nach Hamburg ging.

#LangeAnna #Helgoland

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Fazit des Tages: Ich habe es überlebt, auf meinen Mann gehört zu haben. Und irgendwann werde ich Kurdirektor von Helgoland und sorge dafür, dass es auch schon Kaffee gibt, bevor die Tagestouristen kommen.

Die Herzdame reist nach Helgoland (Teil 2)

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die Vorträge über Klippenkohl gehört hat

Nachts kam dann der Sturm, den der Gatte nicht vorausgesagt hatte. Die komplette Familie hat ihn mitbekommen, nur ich habe geschlafen wie ein Stein. Der Blick morgens aus dem Fenster war atemberaubend. Die Düne – vor fünf Minuten noch zu sehen – war innerhalb kürzester Zeit komplett im Nebel verschwunden und fünf Minuten später wieder klar zu sehen. Und die Wellen, die da an den Strand rollten …. und die Gischt … und die überspülte Hafenmole …. ganz großes Kino.

Guten Morgen! Etwas stürmisch hier. #Helgoland

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Nach dem Frühstück dann erstmal ein kleiner Spaziergang: Oberland, Mittelland, Unterland. Für jeden was dabei und die Söhne habe ihre neue Berufung gefunden: Schneckenumsiedlungsexperten. Die mussten nämlich alle von den Wegen zurück ins Grün befördert werden. Der Gatte geriet bei jedem wildwachsenden Helgoländer Klippenkohl in botanische Totalverzückung und ich liebte es, über die Kante aufs Meer zu schauen, besonders mit Wind und Wellen und Gischt.

Schnecken an Klippenkohl. #Helgoland

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Es war die ganze Zeit übrigens erstaunlich warm. Aber dafür ist Helgoland ja auch bekannt, dass die Temperatur hier immer deutlich milder als an der restlichen Küste ist. Und das trotz des Sturms.

Bisschen windig hier. #Helgoland

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Und dann das Highlight eines jeden Schrebergartenbesitzers: der Besuch des Helgoländer Kleingartenvereins. Zugegeben, das war im Oktober nicht allzu spannend, aber immerhin ist es der einzige Kleingartenverein auf einer deutschen Hochseeinsel.

Besuch im #Kleingartenverein #Schrebergarten #Garten auf #Helgoland

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Und weil man auf Helgoland ja „ach so günstig“ zollfrei einkaufen kann, haben es die Jungs sich nicht nehmen lassen uns so lange vollzunörgeln bis sie ihre absolut „ich werde sonst nie wieder glücklich und du willst doch, dass ich glücklich bin“ Helgolandandenken bekommen haben. Sohn I die Nachplapper-Möwe „Laber-Kuddel“ und Sohn II einen Schokolinsen-Spender in Form eines ziemlich großen und sehr unhandlichen Flugzeugs. Für diesen ganzen Schund hasse ich Helgoland dann doch ein bisschen.

Ich verstehe auch gar nicht, warum man nach Helgoland zum Einkaufen kommt. Ich finde hier nichts günstig. Es gibt alles nur in gigantisch großen Verpackungseinheiten und wenn man dann noch die Überfahrt und die unverschämt teuren Bockwürstchen an Bord dagegen rechnet, die man unter Umständen eh wieder erbricht … Aber gut, irgend wovon müssen die Helgoländer leben, warum nicht von einem Mythos.

Dann gab es Kaffee und Kuchen im Café Krebs, mit der angeschlossenen ältesten Diskothek Deutschlands übrigens. Die Diskothek kann ich nicht beurteilen, aber zumindest im Café hat sich seit der Eröffnung jedenfalls nichts mehr geändert. Irgendwann zeigten die Söhne fasziniert auf so einen riesigen schwarzen Kasten, der ein Fernseher sein sollte, noch älter als der Röhrenfernseher, den wir schon vor ein paar Jahres entsorgt haben. Und auch sonst, modern und schön geht anders. Kaffee und Kuchen waren anständig, aber auch wenn da hauptsächlich Senioren hinkommen, wollen die es nicht mal etwas moderner haben?

Der nächste Programmpunkt war das Helgoländer Schwimmbad. Jetzt weiß ich auch, warum wir in den ganzen zehn Jahren noch nicht einmal da waren. Es besteht aus einem kleinen Indoorplanschbecken, das mit 10 Kindern bereits überfüllt ist und einem großen Außenbecken. Durchaus beheizt, aber man muss es mögen. Irgendwann nahmen mich die Söhne zur Seite und bekundeten ihr grenzenloses Mitleid mit den Insulanerkindern, die nie in ihrem Leben lernen würden vom Einer oder Dreier zu springen oder gar das Vergnügen kennenlernen würden, die eine Wasserrutsche bereitet. Das Leben auf so einer Insel kann hart sein.

Ein Highlight hat das Mare Frisium aber, den Panorama-Ruheraum mit Blick aufs Meer und die Düne, den die Söhne aber leider nicht genießen konnten, weil ist ja Ruhe-, nicht Toberaum.

Draußen vor dem Schwimmbad gab es ein großes Schachbrett, von dem die Jungs erstmal nicht mehr wegzukriegen waren. Wir haben sie dort gelassen und sind schon mal ins Hotel gegangen. Das ist wieder das Schöne, wenn die Kinder erstmal ein gewisses Alter haben, kann man sie auf der Insel gut alleine lassen. Die Gefahr, von einem sehr langsamen Elektroauto überfahren zu werden, halte ich für gering und die Insel ist so klein, sich zu verlaufen wird da schwierig.

Die Jungs kamen dann irgendwann auch wieder, sie hatten sich vorher noch bei fremden Leuten zum Minigolfen eingeladen.

Zum Abendessen ging es ins Aquariumcafé, das ist einer der wenigen brauchbaren Läden dort und deshalb immer voll. Der Gatte war mit seinem Helgoländer Pannfisch sehr zufrieden, die Kinder mit ihren Fischstäbchen mit Pommes und mein Steak war auch sehr in Ordnung.

Wo ein Regenbogen ist, muss auch Sonne sein. Aktuell hier auf #Helgoland

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Fazit des Tages: Die armen Kinder von Helgoland haben ja nix. Und Helgoland ist auch bei Nebel, Regen und Sturm sehr, sehr schön.

Fortsetzung folgt.

Die Herzdame reist nach Helgoland (Teil 1)

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die gerade entgegen aller Wettervorhersagen auf ihren Mann gehört hat und nach Helgoland gereist ist.

Unseren Helgolandaufenthalt hatten wir schon vor einem halben Jahr im Frühjahr gebucht. Da denkt natürlich niemand an Herbststürme und wetterbedingt ausfallende Katamarane oder Schiffe.

Nach dem Kindergeburtstagsmarathon im September hatten wir es uns dann endlich verdient – ein langes Wochenende auf Helgoland. Leider sagten alle meiner Wettervorhersagen Sturm mit Windstärke 8 voraus. Der Gatte hingegen sagte was anderes voraus – meistens Sonnenschein, ein bisschen Wind. Nun ja, dann wollen wir mal alle Bedenken fahren lassen und ihm glauben….

Auf nach #Helgoland!

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In der Tat hatten wir auch strahlenden Sonnenschein als wir auf Helgoland ankamen. Ist es in Norddeutschland auch noch so grau und nass, Helgoland hat uns noch nie enttäuscht. Und selbst wenn es mal geregnet hat, war das immer nur kurz.

Und die Sonne scheint. #Helgoland

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Wir sind dann sofort mit der Fähre zur Düne (die kleine Nachbarinsel mit Sandstrand), um da gemütlich in deinem der Strandkörbe des Dünenrestaurants zu chillen, Kaffee zu trinken und den Kindern beim Buddeln zuzusehen. Für gemütlich war das aber irgendwie der falsche Tag – bestes Wetter und langes Wochenende mit Brücken- und Feiertag. So voll haben wir es da noch nie erlebt, Hochsaison war nichts dagegen. Bis wir überhaupt bestellen konnten, haben wir bestimmt erstmal eine halbe Stunde warten müssen, zu den weiteren Wartezeiten muss man dann nichts mehr sagen.

Kann man aushalten hier. #Helgoland #Düne

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Im Grunde war das aber auch egal, meine Laune war eh schon auf dem Tiefpunkt. Exakt beim Betreten der Düne war die Nachricht gekommen, dass der Katamaran die nächsten beiden Tage sturmbedingt nicht fahren würde. Und wenn es einen Zeitpunkt gab, der so gar nicht passte, dann diese Woche. Dass es nicht so richtig viel Internet auf der Düne gab, um Umbuchungsmöglichkeiten zu recherchieren, machte die Laune dann auch nicht besser. Erst als ich unsere Freundin und Helgolandexpertin Iris erreicht hatte, die uns dann weiterhalf, konnte ich so langsam wieder auf Entspannungsmodus umschalten.

Sturm kommt auf. #Helgoland #Düne

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#Südstrand #Helgoland #Düne

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Nach Pommes, Kaffee und Apfelschorle im Dünenrestaurant gab es das Pflichtprogramm, ohne das ich schon wieder in schlechte Laune verfallen wäre: Inselrundgang mit Friedhofsbesuch. Die meisten Menschen bevorzugen es ja eher, die Inseln am Strand entlang zu umrunden und dabei Robben und Seehunde zu beobachten. Ich nicht! Ich muss einmal quer durch – auf schmalen Holzplanken quer durch das ganze Gestrüpp aus leuchtendem Sanddorn und diesen gruselig, kahlen Büschen, was auch immer das ist. Mindestens bis zum Friedhof der Namenlosen. Wie der Name schon sagt, sind dort die Toten bestattet, die das Meer auf Helgoland oder der Düne angespült hat. Ich liebe diese besinnliche Atmosphäre hier, wenn nicht gerade die Kinder lautstark die Grabsteine diskutieren oder die Gedenkglocke läuten.

Friedhof der Namenlosen #Helgoland #Düne

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Sohn 2 läutet die Gedenkglocke für die Namenlosen Toten. #Helgoland #Düne

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Friedhof der Namenlosen #Helgoland #Düne

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Friedhof der Namenlosen #Helgoland #Düne

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#Helgoland #Düne

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Zurück auf Helgoland haben wir erstmal „unser“ Zimmer und den Ausblick vom Balkon aus genossen und darauf gewartet, dass es Zeit war Essen zu gehen. Essen gehen auf Helgoland ist eine echte Herausforderung. Das, was gut ist, ist in der Regel auch etwas teurer und mit Kindern nicht unbedingt eine Freude, weil sie da nicht so oft vorkommen. Das, was mit Kindern machbar ist, ist für unseren Geschmack eher eine Zumutung. Manchmal frage ich mich, ob Helgoländer wirklich denken, dass Essen so schmecken muss. Oder ob es denen einfach nur egal ist, wie es schmeckt, weil die Tagestouristen eh nicht wiederkommen und die Übernachtungsgäste einfach keine andere Wahl haben. Die wenigen Restaurants, die für uns in Frage kommen, sind jedenfalls immer komplett überfüllt. Dieses Mal hatte ich die geniale Idee, vorher zu reservieren. Leider war ich aber nicht das einzige Genie. So landeten wir dann im Restaurant „Düne Süd“ im Lung Wai. Für Helgoländer Verhältnisse kann man das als Familie ganz gut machen, es gibt anständige Kinderteller und die Jungs fanden ihre Chicken Nuggets mit Pommes „super lecker“. Der Gatte wurde von seinem Schnitzel Hamburger Art satt und der Rand meiner Pizza Parma-Rucola war so vorzüglich, dass mir die Jungs nicht viel davon übrig gelassen haben.

Jetzt betrinken im Hotel auf den Hummerklippen. Festsitzen auf #Helgoland

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Dann sind wir mit zwei völlig erschöpften Kindern zurück ins Hotel und sofort ins Bett. Hier muss ich noch mal lobend erwähnen, wie schön das Hotel ist und wie stilvoll und heimelig die Zimmer eingerichtet sind. Und zwar nicht, weil wir ein nach dem Gatten benanntes „Buddenbohm“-Zimmer haben, sondern weil wir uns megawohl gefühlt und fasst gar nicht gestritten haben, obwohl das Zimmer wie die meisten Zimmer auf Helgoland (wenig Platz eben …) ziemlich winzig für eine vierköpfige Familie war.

Fazit des Tages: Höre bei Wettervorhersagen nie auf deinen Ehemann. Und ein Familienzimmer für zwei Nächte muss nicht groß, aber unbedingt kuschelig sein.

Fortsetzung folgt.

Was schön war

Ein Großparkplatz in Nordfriesland, einer dieser Plätze, wo alle Touristen irgendwann landen, wenn sie hier mehrere Tage verbringen und Attraktionen abklappern. Ein Auto hält dicht neben unserem, darin auch eine Familie, auch Mutter und Vater, auch zwei Kinder, allerdings Töchter. Alle vier sehen schwerst genervt aus. Die Mutter und der Vater bleiben diese eine Sekunde zu lange sitzen, atmen einmal zu viel tief durch, bevor sie zur Autotür greifen und aussteigen. Diese eine Sekunde, in der man sich einen Ruck gibt, um das hinter sich zu bringen, was da eben gerade Programm ist, zu dem niemand Lust hat, so etwas kommt wohl in jeder Familie manchmal vor. Sie gehen ums Auto herum zum Kofferraum, während die Kinder laut streitend aussteigen und sich anpöbeln, finstere Blicke, verheulte Gesichter, dieser Morgen ist ihnen irgendwie entgleist, und zwar gründlich. Dabei regnet es gerade nicht einmal.

Der Mann macht den Kofferraum auf. Es ist ein SUV-ähnliches Auto, so dass die Sachen im Kofferraum nicht vor einem liegen, wenn man ihn aufmacht, sondern sich vor einem aufstapeln. Er nimmt ein Paar Kindergummistiefel heraus, nein, er möchte es herausnehmen, er zieht nur etwas daran. Dadurch gerät aber das ganze Gefüge des Familienausflugsgepäcks in Bewegung, er versucht noch, mit der anderen Hand etwas aufzuhalten, aber vergeblich, das ganze Gemenge aus Schuhwerk, Strandspielzeug, Proviantkorb, Picknickdecken, Trinkflaschen, Laufrad, Kescher, Kekspackungen, Sonnenmilch, Regenschirmen, Regenjacken, Thermoskannen und so weiter, es fällt ihm alles komplett vor die Füße. Es sieht ein wenig so aus, als hätte sich der Kofferraum direkt vor ihm erbrochen. Er steht da, rührt sich nicht und guckt. Die Frau steht daneben und guckt auch, schweigend starren sie auf das Chaos, das einer von ihnen vielleicht vor wenigen Minuten erst in den Kofferraum hineingestopft hat, man kann sich vorstellen, in welcher Stimmung. Vermutlich läuft da vor ihren Füßen gerade irgendwas aus, der Kaffee für später, der Apfelsaft. Die Kinder gucken und lachen jetzt, die Eltern starren weiter mit hängenden Schultern.

Schließlich bücken sich beide zum exakt gleichen Zeitpunkt. Man ist ja auch schon länger Paar und schon länger Eltern, man weiß, auch da muss man jetzt durch. Und ganz egal, wie bescheuert der Rest der Familie oder der Rest des Tages oder diese Phase ist, das Zeug da muss zurück in den Kofferraum, es nützt nun einmal nichts. Die Kinder werden es wohl kaum aufräumen und liegenlassen kann man es nicht. Und weil sie sich genau zeitgleich bücken, müssen sie einander nichts vorwerfen, da müssen sie auch nicht weiter herumschmollen, nein. Sie können jetzt etwas zusammen machen, das verbindet wieder. Sie basteln also mühsam alles zurück und streiten dabei auch nicht neu. Sie reden ganz friedlich und überlegen zusammen, wie man das alles irgendwie besser stapelt. Sie schließen den Kofferraum und nehmen jeder ein Kind an die Hand und gehen dann machen, was man als Tourist eben macht.

Nehme ich jedenfalls an, wir gehen in eine andere Richtung. Aber dieser kurze Moment des perfekt synchronen Bückens – schon schön.

Im Grunde ist es egal

Einer der Texte, die ich in der letzten Woche gebloggt hätte, wenn ich online gewesen wäre.

Es ist kalt in Nordfriesland, man ist sogar in Versuchung, so etwas wie saukalt zu sagen. Es sind vielleicht die kältesten Tage, die ich überhaupt je im August erlebt habe, es ist so verdammt kalt, man möchte morgens das Bad beheizen und abends am Kamin sitzen und Herbstgedichte lesen und heiße Getränke mit Schuss zu sich nehmen, so lange, bis einem das Wetter da draußen wirklich egal ist. Dazu ist es windig, damit einen die Kälte auch ja überall erreicht, dazu regnet es, natürlich regnet es auch, wie könnte es in diesem seltsamen Sommer anders sein, und der Wind haut einem den Regen mit erstaunlicher Kraft quer um die Ohren. Es ist ein so ausdrücklicher Verpiss-Dich-Regen, dass man definitiv lieber drinnen bleibt, wenn es irgend geht.

Weil man aber nicht im Strandkorb auf dem Ferienhof sitzen kann, fahren die Menschen alle nach Sankt Peter-Ording, da kann man in die Dünen-Therme gehen. Die ist beheizt, da stehen die Strandkörbe drinnen und man kann dann immerhin sagen, man habe im Strandkorb gesessen, wozu macht man sonst Urlaub an der deutschen Küste. Und weil es einerseits Sommer ist und man ja Ferien hat, es andererseits aber so schweinekalt ist, dass man sich dem doch irgendwie stellen muss, tragen die Leute auf dem Weg in die Therme oben herum dicke Outdoorjacken und Wollmützen – und unten herum kurze Hosen und Sandalen.

Die Kinder rutschen in der Therme stundenlang, denn die Wasserrutschen in der Therme sind das, worum es hier eigentlich geht, zumindest aus ihrer Sicht. Noch einmal und noch einmal – und dann bitte doch noch ein einziges Mal, so vergeht dann schließlich auch ein grauer Vormittag und die Kinder sind zufrieden.

Hinterher gehen wir in einen Fischimbiss mit auffallend unfreundlichem Personal, aber das macht nichts, das passt zum Wetter, zum Himmel, zum Wind – und das Essen schmeckt trotzdem. Eine Frau fragt die Imbissmannschaft nach Frau Merkel, wo die denn wohl sei. Der Mann an der Fischbrötchentheke denkt etwas nach, bevor er antwortet, das macht man hier so. Dann sagt er: „Zu Frau Merkel gehen Sie rechtsherum, dann kommen Sie zu ihr.“ Die Frau nickt. Der Mann an der Fischbrötchentheke ist aber noch nicht fertig, der denkt immer noch nach: „Sie können aber auch linksherum gehen, dann kommen Sie auch zu Frau Merkel.“ „Ach“, sagt die Frau. „Jo“, sagt der Mann an der Fischbrötchentheke, „im Grunde ist es egal.“

Dann geht die Frau zu Frau Merkel, die da irgendwo öffentlich spricht, denn man merkt es zwar nicht recht, aber es ist doch Wahlkampf in Deutschland und da tritt sie eben irgendwo auf, morgen vermutlich auch in Ihrer Stadt. Es regnet nicht mehr, dann hört man sich die eben mal an. Während wir zum Auto gehen, hören wir noch ab und zu, wie sie in den Gesprächen der Passanten erwähnt wird. Seltsamerweise wird sie in jedem Fall Frau Merkel genannt, nie die Kanzlerin, die Merkel, die Angela, wir hören auch keine Beleidigungen. Sie ist immer Frau Merkel, und es ist ganz egal, ob man rechts oder links herum zu ihr kommt. Am Ende steht sie da mit Raute und allem und ist Kanzlerin, so wird es wohl auch im Herbst sein. Irgendwie regt es keinen mehr auf, weder so noch so.

Die Veranstaltung mit ihr verläuft friedlich, hören wir später im Radio. Da sind wir schon wieder drinnen und sehen an den Fensterscheiben, dass es noch einmal anfängt zu regnen.

Die Herzdame liest: Wanderspaß mit Kindern – Südtirol

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die nie im Leben gedacht hätte, jemals einen Wanderführer zu lesen.

„Lass uns mal in der Berge fahren“, hat mein Mann vor ein paar Jahren gesagt. Da habe ich ihm erst mal einen Vogel gezeigt. Der Mann hat sich sofort Wanderschuhe gekauft, weil er so ziemlich jedes Vorhaben erst mal mit neuem Zubehör startet. Ich habe darauf bestanden, mir keine Wanderschuhe kaufen zu müssen und in Flipflops auf den Berg steigen zu dürfen. Noch lieber am Pool bleiben zu dürfen, während er mit den Kindern und den neuen Wanderschuhen auf den Berg steigt.

Mittlerweile sind wir das dritte Mal in den Bergen, genauer gesagt in Südtirol. Ich steige nicht in Flipflops auf den Berg, sondern in meinen Lindyhop-Tanzschuhen und der Gatte hat sich angenähert und seine Wanderschuhe zu Hause gelassen. Wir sind also alle in gemütlichen Turnschuhen unterwegs, die Wander-Ausrüstung wird abgerundet durch zwei Wanderstöcke – für jedes Kind einen.

Nachdem wir die Kinder im ersten Jahr mit der Bobbahn auf dem Meran 2000 angefixt haben, auf einen Berg zu steigen, kam im letzten Jahr der Sessellift auf dem Vigiljoch dazu. Ansonsten sind wir immer ziemlich gut damit gefahren, einfach hinter unserem jeweiligen Hof mit dem Spazierweg zu starten und zu schauen, wo uns der Weg hinführt, immer der Nase nach. Oder auf der anderen Seite des Tales was Interessantes am Berg zu sehen und rauszukriegen, was es ist und wie man da hinkommt. Dieses Jahr sind wir auf diese Art zu den Eislöchern bei St. Michael/Eppan spaziert. Das sind Felsspalten im Berg, aus denen richtig kalte Luft kommt, sehr faszinierend besonders im Hochsommer.

Auf der Suche nach weiteren Attraktionen in der Höhe, habe ich dann in der Buchhandlung vor Ort etliche Kinder-Wanderführer studiert und mich dann für „Wanderspaß mit Kindern – Südtirol“ von Lisa und Wilfried Bahnmüller aus dem Bruckmann-Verlag entschieden. Die Autoren beschreiben 47 erlebnisreiche Touren in drei Schwierigkeitsstufen auf jeweils rund 4 Seiten, verteilt über ganz Südtirol. Den Fotos nach zu urteilen, auf denen gefühlt immer dieselben Kinder zu sehen sind, sind sie diese Touren auch alle selbst gewandert. Chapeau!

Wanderführer Südtirol Einband

Besonders überzeugt haben mich das Layout und die Aufbereitung der relevanten Informationen mit Piktogrammen zu dem, was die Tour zu bieten hat, Kartenausschnitt mit der angegebenen Route sowie einem Infokasten mit den wichtigsten Informationen wie Altersempfehlung, Tourencharakter, Strecke in Kilometern und Zeit sowie Anfahrt oder Einkehrmöglichkeiten. Für besonders ambitionierte Nerds sind noch GPS-Daten angegeben.

Wanderführer Südtirol Layoutbeispiel

Das Tolle daran ist, ich muss den ganzen Beschreibungstext nicht lesen. Erst mal nicht jedenfalls. Ich fahre mit dem Finger die Piktogramme ab, dann den Infokasten und weiß Bescheid – passt, passt nicht. Heute mal mit Seilbahn – zack, fertig. Und wenn es noch schneller gehen soll, gibt es im Anhang quasi eine Tourenmatrix, wo man auf einen Blick in einer Tabelle sehen kann, welche Tour wie lang und wie schwer ist, welche Features hat und für welches Alter ist.

Wanderführer Südtirol Layout

Wenn jetzt alles passt und das zugehörige Foto nett aussieht, dann kann ich immer noch den Text lesen. Ich glaube, so schnell hatte ich selten einen Reiseführer durch. Sehr praktisch.

Auf diese Weise habe ich uns jetzt als nächstes einen Spaziergang auf den Latemar rausgesucht. Die Kinder wollen Seilbahn fahren – check. Eltern wollen Aussicht – check. Die Tour ist für verweichlichte Stadtkinder (und -eltern) in Turnschuhen kurz und einfach – check. Man kann einkehren – check. Es gibt einen Spielplatz – check. Und Wasser – check. Na gut und für bildungsbewusste Eltern gibt es auch noch so einen Lehrpfad – check, check, check.

Latemar, wir kommen!